Neurologe referiert über Nervenkrankheit in Mülheim

Hände hoch: Polyneuropathie sorgt für Taubheitsgefühle in den Extrementitäten – allerdings meist bei Senioren.
Hände hoch: Polyneuropathie sorgt für Taubheitsgefühle in den Extrementitäten – allerdings meist bei Senioren.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die Symptome sind bei Menschen über 60 häufig: Taubheitsgefühle in den Händen oder Füßen, Schmerzen oder Lähmungserscheiningen. Die Krankheit dazu heißt Polyneuropathie.

Mülheim an der Ruhr.. Polyneuropathie – mit diesem Fachbegriff werden viele nichts anfangen können, dabei ist die Krankheit bei Menschen, die älter als 60 Jahre sind, durchaus weit verbreitet. Fast zehn Prozent von ihnen leiden an der Erkrankung des peripheren Nervensystems, sagt Dr. Jakob Milkereit. Der Facharzt für Neurologie sowie für Psychiatrie und Psychotherapie nennt Polyneuropathie „von den Symptomen her fast schon eine Volkskrankheit“. Über Symptome, Ursachen, Diagnostik und Behandlungsmethoden wird Dr. Milkereit beim Doc-Treff des Mülheimer Hausärzte- und Fachärztenetzes Doc-Net MH am kommenden Mittwochabend informieren.

Taubheit, Kribbeln, Schmerzen

Ganz einfach erklärt, sagt Dr. Jakob Milkereit, spricht man von Polyneuropathie, „wenn die Nerven in den Armen und Beinen erkrankt sind“. Taubheitsgefühle in den Extremitäten sind die Folge, Kribbeln, Schmerzen oder auch Lähmungserscheinungen. Meistens sind es die Füße, die die Patienten in seine neurologische Praxis bringen, auch wenn die Erkrankten ihre Symptome auf verschiedene Arten beschreiben: „Die eine Hälfte klagt über taube Füße, die andere sagt, sie laufe so unsicher.“

Die Ursachen dahinter sind allerdings dieselben: Sind die Nerven in den Beinen gestört, haben Betroffene oftmals das Gefühl, „über Watte zu gehen“. Besonders im Dunkeln können sie sich nicht mehr sicher bewegen. Hinzu kommen Schwindelgefühle. Stürze können da beispielsweise eine Folge sein.

Nicht nur eine Alterskrankheit

Eine Alterskrankheit ist die Polyneuropathie – aber es sind nicht nur ältere Menschen betroffen. „Es gibt tausend Ursachen, und es muss geklärt werden, welche von ihnen im Einzelfall zutrifft“, sagt Dr. Jakob Milkereit. Denn oftmals geht diese Erkrankung mit einer anderen einher und wird so letztlich selbst zu einem Symptom für etwas Anderes. „Das Häufigste ist Zucker“, sagt der Neurologe. Er nennt aber auch eine vorherige Chemotherapie oder andere Medikamente als mögliche Ursache. Auch Vergiftungen, etwa durch Alkohol oder Schwermetalle, sind in einigen Fällen denkbar. Und: „Es kann auch vererbt sein.“

Nicht immer, muss der Mediziner einräumen, kann die Ursache für die Polyneuropathie eindeutig geklärt werden. Bei etwa der Hälfte der Erkrankten, sagt Dr. Jakob Milkereit, sei „es ein normaler Alterungsprozess. Bei der anderen Hälfte liegt eine andere Erkrankung vor“. Behandelt wird diese Nervenerkrankung übrigens mit Medikamenten.