Neugierig auf das Fremde

Wie wird man abenteuerlustig? Durch Besuche im Zoo. Philip Helmich ist dort Dauergast. Direkt nach seiner Geburt haben ihn seine Eltern im Förderverein angemeldet und auch heute noch macht der 13-Jährige von seiner Dauerkarte regen Gebrauch. Besonders gern besucht er die Delfine. Ich beobachte gerne den großen Fluss-Delfin. Es hieß einmal, dass er wahrscheinlich bald sterben würde, weil er schon alt ist. Aber er ist immer noch da. Er begleitet mich schon mein ganzes Leben. Vor einigen Wochen nun ist Philip, der die Klasse 8b an dem Karl-Ziegler-Gymnasium besucht, wieder im Delfinarium und stößt dort auf einen Aushang, der ihn sofort elektrisiert: Eine Forschungsexpedition auf die Azoren, zweieinhalb Wochen lang, speziell für Jugendliche.

Veranstaltet wird die Reise vom Institut für Jugendmanagement im Rahmen eines speziellen Angebots für Kinder und Jugendliche, die in den Naturwissenschaften besonders begabt sind. „Master Mint“ heißt es und es passt auch bestens zum Profil von Philips Schule, schließlich nennt sich auch das Ziegler-Gymnasium stolz „MINT-Schule“. Mein Direktor und auch mein Klassenlehrer waren gleich davon begeistert. Und in der Tat, zum Konzept der Reise gehört, dass auch die Schule von der Expedition profitieren soll. Ich muss mir überlegen, wie und wo ich über meine Erlebnisse berichten kann. Ein möglicher Ort ist eben die Schule, aber nicht allein. Ich muss auch Sponsoren gewinnen. Das können Unternehmen, aber natürlich auch Einzelpersonen sein. Entscheidend ist: Philip muss sich überlegen, wie er diesen potenziellen Unterstützern sein Projekt schmackhaft machen kann. Eine Ausstellung mit Bildern von der Reise wäre vielleicht eine Idee.

Ich arbeite im Moment an einem Konzept, sagt der 13-Jährige und klingt dabei ziemlich professionell. I ch weiß schon relativ lange, dass ich gerne auch so etwas beruflich machen möchte. Zuerst wollte ich nur Biologe werden. Ich könnte mir aber auch denken das mit Geschichte oder Archäologie zu kombinieren. Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, nur im Büro zu forschen. Aber für Expeditionen werde ich auch später finanzielle Unterstützer brauchen. Deswegen ist das jetzt eine gute Vorbereitung.

Philip strahlt: Ich will Entdecker werden. Gibt es denn noch Neues zu entdecken? Also jedes Jahr werden immer noch ein paar neue Tierarten gefunden. Der Achtklässler weiß Bescheid. Aber er kann noch genauer erklären, was ihn fasziniert. Ich bin neugierig auf das Fremde. So etwas Fremdes kann man überall wahrnehmen, auch hier. Mich reizt aber vor allem die Exotik. Die Azoren, wo ich jetzt hinfahren will, sind zwar schon interessant. Besonders spannend finde ich aber Südamerika oder Australien. Da würde ich später gerne Expeditionen hin unternehmen. Dabei ist es nicht nur der Erkenntnisdrang, der Philip umtreibt. Er hat auch einen Blick für die Schönheit der Natur: Ich will das Exotische in der Natur auch genießen können. Das zu finden, ist auch eine Entdeckung.

Philips Vorbild ist Leonardo da Vinci. Gerade weil der kein Entdecker im klassischen Sinne war: Das war ein Universalgelehrter, der sich für ganz viele Bereiche interessiert hat. Er war neugierig. Und bei Philip ist es auch die Neugierde, die ihn antreibt. Wo kommt die her? „Das hängt schon mit dem Zoo zusammen. Wenn ich da die Tiere gesehen habe, dann hat das auch meine Phantasie angeregt. Ich habe mir deren Lebensraum vorgestellt. Und dann wollte ich immer mehr darüber wissen. Zum Glück gibt es die berühmte „Was ist was“-Buchreihe, aus der schon Generationen neugierigerer Kinder ihr Wissen ziehen. „Ich habe viel mit meinem zwei Jahre älteren Bruder darüber diskutiert, was ich dort gelesen habe. So entstehen immer neue Fragen.“

Und so hat sich Philip auch schon einen Plan zurechtgelegt, wie seine berufliche Entwicklung weiter gehen soll: Jetzt fängt ja bald die Oberstufe an. Dann werde ich Biologie und Geschichte als Leistungskurs wählen. Hat er keine Angst, dass es mal nicht so klappen könnte, wie er es sich wünscht: I ch versuche logisch an die Sachen heranzugehen und mache mir einen Plan. Ganz schön forsch.

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