Neuer Bildungsdreiklang

Aus Erfahrung weiß man, drei Viertel der Eltern sind bei der Erziehung ihrer Kinder sicher und sie wissen, an wen sie sich bei Problemen wenden können. Bei einem Viertel der Eltern gibt es aber Unsicherheiten, teilweise sogar große Probleme. Um die schweren Fälle kümmern sich die Fachleute der Ämter und der Sozialverbände. In den meisten Fällen aber genügen Hinweise und etwas Anleitung, um den richtigen Weg zu weisen. Doch diese Fälle fallen durch das Raster, weil sie gar nicht auffallen. Wie erreicht man diese Familien, die man nicht erreicht? Diese Fragestellung führte vor fast sieben Jahren zur Bildung des Bildungsnetzwerkes für die Stadtteile Eppinghofen und Styrum, dem inzwischen über 60 Bildungspartner vom Verein Afrika Vision über den Nachbarschaftsverein bis zur städtischen Kita „Zauberhöhle“ beigetreten sind. „Ziel ist es, Eltern als erste und wichtigste Erzieher ernst zu nehmen und sie im Dialog zu begleiten und zu stärken“, lautet einer der Leitsätze. Kindern und Eltern sollen bessere Zugänge zu passenden Lern- und Hilfsangeboten ermöglicht werden. Das klingt wie eine Selbstverständlichkeit und ist doch für die Stadt eine freiwillige Ausgabe, die über Projektmittel finanziert werden muss und für die auch immer wieder neue Quellen erschlossen werden müssen.

Der Wechsel als Chance

Es ist nun zu der doch misslichen Situation gekommen, dass gleich alle drei Stadtteilkoordinatoren mehr oder weniger gleichzeitig ihre bislang erfolgreiche Tätigkeit beendet haben, entweder weil eine dauerhafte Anstellung lockte oder sie selbst schwanger wurden. „Ein Wechsel ist immer auch eine Chance“, sagte gestern Ulrich Ernst bei der Vorstellung des neuen Trios. Bewährtes kann fortgeführt, mit neuen Sichtweisen auf die Dinge aber auch eigene Akzente gesetzt werden. Er sei gespannt, was sich entwickelt.

Die jungen Frauen, die allesamt über Erfahrungen in der Arbeit mit Migranten, interkulturellen Projekten oder Erziehungsfragen verfügen, wissen zum Teil auch aus der Erfahrung als Gastarbeiterkind, was es bedeutet, sozial benachteiligt zu sein und wie wichtig Chancen sind. Die Diplom-Pädagogin Haccanim Sakar-Ak wird gemeinsam mit der in Petersburg geborenen Soziologin Elena Reifenröther für Eppinghofen und die Erziehungswissenschaftlerin Sabine Gronek, die zuletzt an der HRW im Bereich Gleichstellung gearbeitet hat, für Styrum zuständig sein.

Ernst ist froh, dass die bisherigen Koordinatoren, Michael Maas, Sonja Clausen und Halime Çakır-Nurdoğan, bereit waren, mit ihren Nachfolgern einen Workshop zu machen, um ein Höchstmaß an Kontinuität sicher zu stellen. Das Programm „Starke Väter“, bei dem auf der Niers gepaddelt und viel gebastelt und gewerkelt wurde, ist ein Beispiel der Arbeit, das MUT (mitmachen und trauen)ein weiteres. Es ist ein niederschwelliges Angebot. Ein Sprachprogramm, mit dem Frauen und Eltern ermutigt werden sollen, ihre Sprachkenntnisse zu vertiefen. Für einige ist dies dann das Sprungbrett zum Integrationskurs.

Ein zentraler Baustein ist Opstapje (siehe Kasten), ein Spiel und Lernprogramm für Kleinkinder und ihre Eltern, bei dem das Bildungsbüro mit den Familienhebammen kooperiert. Knapp 50 Familien haben bislang daran teilgenommen. Zunehmend werde das Konzept auch in andere Stadtteile exportiert. Das aus den Niederlanden stammende Konzept habe einen nennenswerten Effekt auf die Entwicklung des Kindes, wie Untersuchungen ergeben hätten, so Ernst. Gleiches gelte für das Programm „Sport vor Ort“. Sport ist nicht nur aus sozialen Gründen wichtig, sondern Bewegung stärkt auch die geistige Entwicklung. 150 Kinder werden in Eppinghofen derzeit durch das Programm erfasst. Wichtig ist zudem auch, dass Kinder möglichst lange den Kindergarten besuchen. Auch das wirkt sich nachweislich positiv aus.

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