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Neue Wege in der Betreuung Demenzkranker

10.12.2007 | 17:26 Uhr

Die Theodor Fliedner Stiftung in Selbeck will zum Kompetenzzentrum für Demenz werden

Über eine Million Menschen hierzulande leiden an einer Demenzerkrankung. Prävention, Diagnose und Behandlung dürften in den kommenden Jahren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Denn nach Schätzungen des Bundesgesundheitsministeriums sollen im Jahr 2030 bereits 1,7 Millionen Menschen darunter leiden. Mit der Lebenserwartung steigt auch das Risiko, an Demenz zu erkranken. Derzeit würden 80% der Erkrankten von Angehörigen zu Hause gepflegt, aber dort oft nicht angemessen versorgt werden können, so Prof. Dr. Klaus D. Hildemann, leitender Direktor der Theodor-Fliedner Stiftung. Ein Kompetenzzentrum für Demenz, wie es in den nächsten Jahren auf dem Gelände der Stiftung in Selbeck entstehen soll, wird sich verstärkt um Betroffene und ihre Angehörigen kümmern. Das Konzept soll exemplarisch für die Region und darüber hinaus gelten, Aus- und Fortbildung ermöglichen und wissenschaftlich begleitet werden. Neben dem integrativen Wohnprojekt „Waldhof” für leicht Erkrankte, dass, wie berichtet, schon Anfang 2009 an der Lintorfer Straße bezogen werden soll, ist auch eine Reha-Einrichtung geplant: In 18 Appartements sollen dann Erkrankte und ihre Angehörigen stationär oder in Tagesbetreuung über drei bis sechs Wochen leben und medizinische und therapeutische Angebote erhalten können. Pflegende Verwandte sollen dann auch einmal „Luft holen” können und sich, wenn nötig, psychotherapeutisch oder seelsorgerisch betreuen lassen können. Oder sich bei einer Weiterbildung Kompetenzen in der Versorgung des Kranken aneignen. Der Baubeginn des Reha-Hauses wird für die zweite Hälfte 2008 angestrebt. Die Institutsambulanz im Fliedner-Krankenhaus in Ratingen wird bereits auch im Mülheimer Süden tätig: Ein multiprofessionelles Team (aus Ärzten und Therapeuten) sucht Familien mit dementen Angehörigen zu Hause auf, berät und betreut sie dort. Denn viele Patienten sind nicht oder nicht mehr in der Lage, in einem Wartezimmer zu sitzen. Auch der geplante Aufbau eines ambulanten Pflegedienstes mit gerontopsychiatrischem Schwerpunkt soll auf die speziellen Bedürfnisse Demenzkranker eingehen können: „Dies sehen wir nicht abgedeckt”, betont Hildemann. Es sei keine Konkurrenz zu bestehenden Pflegediensten angestrebt. „Wir wollen niemanden verdrängen, sondern Impulse setzen. Wenn andere das aufnehmen, umso besser”, so der Stiftungsleiter.  Künftig dürften auch alte Menschen mit geistiger Behinderung und Demenz eine Herausforderung für Medizin und Pflegende werden. Die Fliedner-Stiftung hat daher beim Landschaftverband zwölf neue, stationäre Plätze für demente Behinderte beantragt, die im Dorf geschaffen werden sollen.

Bettina KUTZNER

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