Neue Therapie fürs Knie

Patienten mit verstopften Arterien erfahren seit Langem durch den Einsatz von Stents Hilfe. Praktische Erkenntnisse aus dem Gefäßzentrum des Ev. Krankenhauses machen diese Technik nun zu einer Therapieoption bei Gefäßverengungen und -Verschlüssen in einem anatomisch besonders schwierigen Terrain – dem Kniegelenk. Professor Claus Nolte-Ernsting, Chefarzt der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, stellte die Resultate nun internationalen Gefäßmedizinern in London vor.

„Das Verfahren ist an sich nicht neu, aber bisherige Stents waren meist technisch nicht zufriedenstellend und drohten durch die hohe mechanische Belastung im Kniegelenk zu brechen und dabei das Gefäß irreparabel zu beschädigen. Stents im Kniegelenk kamen daher für uns Ärzte zunächst nicht in Betracht.“, so Nolte-Ernsting. Im März 2012 aber wurde in der Mülheimer Klinik – erstmalig im Westen – ein Knie-Stent der neuen Generation eingesetzt. Die Struktur dieses Stents aus einem Edelmetall-Geflecht sei extrem flexibel und behalte beim Biegen seinen Durchmesser.

Professor Nolte-Ernsting und Privatdozent Dr. Alexander Stehr erkannten die Chance, die sich damit speziell für Gefäßengen im Kniegelenk bot. Inzwischen wurden sie rund 50 Patienten eingesetzt und nach drei, sechs und zwölf Monaten überprüft. „Bei mehr als dreiviertel der Patienten besteht auch nach einem Jahr ein guter Durchfluss, und auch das persönliche Wohlbefinden ist gut“, so Nolte-Ernsting.

Damit kann die Behandlungspalette bei Engpässen in dieser kniffligen Körperzone entscheidend erweitert werden. Das bislang übliche Ballonverfahren, biete nicht immer eine befriedigende Lösung. „Mit einem Standardballonkatheter ist bereits nach einem Jahr bei jedem zweiten Patienten das Gefäß wieder verengt oder sogar verschlossen.“, so Nolte-Ernsting. Solche Patienten mussten sich dann mehrfach behandeln lassen: „Oft blieb dann nur noch die Bypass-Operation.“

Die in London vorgestellten Erfahrungen sollen auch in zukünftigen internationalen Publikationen der verfeinerten Therapie zum Standard verhelfen. Patienten, für die die neue Technik in Frage kommt, können sich an das Gefäßzentrum im Ev. Krankenhaus ( 309-2441) und an die Gefäßchirurgie im Medizinischen Versorgungszentrum Mülheim ( 409 20-600) wenden oder von ihrem Hausarzt überweisen lassen.