Närrisches Multitalent

„Es ist, wie es ist. Einmal Prinz zu sein, ist das größte als Vollblutkarnevalist.“ So sang Thomas Straßmann, als er in der Session 2001/2002 der Prinz von Mülheim war. Die Charakterisierung als Vollblutkarnevalist sieht er als „liebevolles Kompliment“ und nimmt es gerne an.

Egal, ob man im Karneval einen Stimmungssänger, einen Hoppediz, der in die Bütt steigt, einen Clown für den Kinderkarneval oder einen Sitzungspräsidenten braucht. Thomas Straßmann ist zur Stelle. Nicht nur in seiner eigenen Gesellschaft Blau Weiß, deren Präsident er ist, weiß man das karnevalistische Multitalent zu schätzen. „Im richtigen Leben bin ich ein ruhiger und zurückhaltender Mensch, aber wenn ich auf der Bühne stehe, lege ich den Schalter um und werde zur Rampensau“, beschreibt der 52-Jährige, der bei Daimler in der Karnevalshochburg Düsseldorf arbeitet, die zwei Seiten seines Wesens.

Mit dem Bazillus Carnevalensis ist Straßmann schon als Knirps infiziert worden. Auch Vater Franz zog schon als Sänger und Redner auf die Bühne. Das Idol seiner Kindheit, war der blau-weiße Kinderclown Fipsi, der einst in einem Zelt an der Duisburger Straße den Nachwuchs närrisch machte. Als der kleine Thommy größer geworden war und mit seinen Freunden Ally Hamann, Joachim Pütz und Herbi Hövelmann erst im Musikzug der KG Blau Weiß und später in den Bands Tramp 2000 und Blue Moon den Ton angab, trat er selbst als Kinderclown die Nachfolge seines Vorbildes Fipsi an. „Da habe ich erst mal gemerkt, wie schwer es ist Menschen gut zu unterhalten“, erinnert sich Straßmann an seine ersten Erfahrungen als Entertainer. Doch die Bühnenluft hat ihn süchtig gemacht. „Das tut natürlich auch dem Ego gut, wenn man Leute begeistern kann und Applaus bekommt. Dann sind alle Probleme und jeder Alltagsstress vergessen“, erklärt Straßmann, warum er sich auch heute auf jeden Auftritt freut.

Natürlich macht der Spaß auch Arbeit. „Eigentlich müsste ich schon im Sommer anfangen, aber meistens beginne ich erst im Oktober mit den Sessionsvorbereitungen“, erzählt Straßmann. Dann sieht er sich nach Feierabend immer wieder in sein Musikzimmer zurück und übt einen Karnevalsschlager nach dem anderen oder studiert die Lokalpresse, um Stoff für seine Büttenrede zu finden. Baustellen, Ruhrbania oder der Nahverkehr waren in den letzten Jahren seine Lieblingsthemen. „Die Karnevalsschlager muss man bis zum Umfallen üben, damit man auf der Bühne nicht mehr über den Text nachdenken muss, sondern einfach lossingen und auf die Leute im Saal zugehen kann,“ beschreibt der Vollblutkarnevalist den Fleiß, der vor dem Preis des Applauses kommt. Nur seine selbst geschriebenen Karnevalsschlager, wie etwa „Da ist der Dieter da“ braucht er nicht mehr zu üben.