Närrischer Frohsinn im Takt der Termine

Karneval braucht Kondition. Auch beim Spaß an der Freud hat alles seine Zeit, wie der Karnevalsreporter merkt, als er die Mülheimer Tollitäten am Karnevalssamstag begleitet.


9Uhr. Der Tag beginnt mit einem Frühstück beim Prinzen Max und seiner Frau Elke. Der Dachdeckermeister aus Heißen ist in dieser Session Prinz. Seine Frau war es bereits in der Session 2008/09, allerdings an der Seite des blau-weißen Karnevalisten Herbert Hövelmann. „Damals war ich noch nicht so weit, aber ihr Beispiel hat mich inspiriert“, erzählt Max bei Kaffee, Brötchen und Aufschnitt. Schon der erste Schluck Kaffee erinnert ihn an seine närrische Aufgabe.

Denn die Tasse, aus der er trinkt, ist mit seinem offiziellen Prinzenfoto bedruckt. Mit am Tisch sitzen Hofmarschall Wolfgang Durgeloh, Pagin Jill Uferkamp und Max Fischers Arbeitskollege Rainer Hoffmeister. „Ich habe mich für die Tollen Tage als Fahrer angeboten, um den Hofmarschall angesichts der vielen Auftrittstermine zu entlasten. Dabei habe ich erst mal gemerkt, wie viel Arbeit hinter den Kulissen des Karnevals geleistet werden muss.“ Der Hofmarschall selbst muss an diesem Tag tapfer sein. Denn er hat Zahnschmerzen. Doch die Narretei duldet keinen Aufschub. Der Zahnarzt muss bis Dienstag warten. Eine Schmerztablette hilft.


10Uhr. Der Hofmarschall drängt zum Aufbruch. Er hat den Terminplan mit sechs Auftritten an diesem Tag immer vor Augen und im Kopf. Durgeloh, Uferkamp und Hoffmeister helfen Max beim Ankleiden des Ornats, damit es schneller geht. Frau Elke hat die Prinzenhose bereits aufgebügelt. Prinzencape, Kappe und Federn sitzen. Aus Max Fischer wird Max I. Und jetzt nichts wie zum Friseur, wo Prinzessin Lisa vor dem ersten Auftritt des Tages noch abgeholt werden muss.

11Uhr. Als das Prinzenmobil, keine Kutsche, sondern ein von Auto Wolf zur Verfügung gestellter neunsitziger VW-Bus, auf dem Synagogenplatz ankommt, fragt sich Prinz Max: „Wo sind denn die närrischen Massen?“ Die lassen noch auf sich warten. Derweil dirigiert der Präsident des Hauptausschusses Groß-Mülheimer Karneval, Heiner Jansen, die Tollitäten zur unteren Schloßstraße. Von dort aus ziehen sie mit Musikzügen, Tanzmariechen und Standartenträgern der Karnevalsgesellschaften zur Bühne am Synagogenplatz. „Auch, wenn uns heute noch nicht die Massen zujubeln, genießen wir den Augenblick“, sagt Prinzessin Lisa. Mit geübten Wiegeschritten, immer lächelnd und freundlich mit „Uss Mölm, Helau“ grüßend, bewegen sich die Tollitäten durch die Innenstadt. Manche Passanten erwidern den Narrengruß. Andere schauen eher verwundert drein. Doch nach der ersten von zwei Tanzshows kommt der Applaus erst verhalten, dann kräftig.


12Uhr: In der Pause zwischen ihren beiden Auftritten mischen sich die Tollitäten unters närrische Straßenvolk. Zeit für freundlichen Smalltalk. „Alles fit? Macht es noch Spaß? Woher habt ihr eigentlich eure Ornate? Euer Auftritt bei der Altweiberparty im Altenhof war wirklich klasse.“ oder: „Die Leute im Altenheim waren wirklich dankbar für euren Besuch“, bekommen sie zu hören. Fahrer Rainer Hoffmeister besorgt in Ricks Cafe Kaffee und Cola zur Erfrischung. Und im Vorbeigehen verleihen Lisa und Max der Vorsitzenden der Tourainer Majorettes, Lilliane Egron, die beim Biwak mitmachen, einen Prinzenorden.


13Uhr: Wieder auf der Bühne. Der Auftritt des Prinzenpaares klingt mit einem rhythmusbetonten Lied „Wir sind die Männer mit einem harten Job und fahren mit dem Bob“ aus. Die Leute sind begeistert und wiegen sich im Takt der Show. Natürlich geht das Prinzenpaar nicht von der Bühne, ohne an die Jecken auf dem Platz zu appellieren, ja noch einige Tombolalose zu kaufen und zum Rosenmontagszug zu kommen, damit die Kamellen nicht umsonst geworfen werden.

14Uhr: Mittagspause. Die Tollitäten trennen sich. Prinzessin Lisa muss zu Hause noch bügeln und saugen. „Es bleibt ja so viel liegen!“ Prinz Max montiert in seinem Prinzenmobil noch einen zusätzlichen Sitz und gönnt sich unter anderem eine entspannende Zeitungslektüre auf der Couch. Währenddessen wird sich Pagin Jill mit ihrem Lockenstab daheim bezaubernde Engelslocken drehen. Die junge Dame braucht wirklich keinen Friseur.


19Uhr: Auf geht es in den Abend. Fünf Säle und Bühnen stehen in fünf Stunden auf dem Programm. Jetzt hat Prinz Max seine Leder- gegen Lackschuhe getauscht, weil sich damit auf Saalbühnen besser tanzen lässt. Im Prinzenmobil hat Chefkarnevalist Heiner Jansen Platz genommen, der ebenso mit durch die Säle zieht wie Pagin Cassandra Hrnecek, die noch bis 15 Uhr als Krankenschwester im Marien-Hospital arbeiten musste. Aus den CD-Player kommen Karnevalsschlager. Die Paginnen singen hinten mit.


20Uhr. Beim Pfarrkarneval im Styrumer Union-Saal kommen die Tollitäten nur mit Mühe zur Bühne. Denn der Saal ist voller kostümierter Jecken und die Tische und Stühle sind eng gestellt. Eigentlich sollte der Musikzug der KG Düse die Tollitäten in den Saal hineinspielen. Doch die kommen zu früh und zu schnell in den Saal. Künstlerpech für die Musiker der KG Düse, die das Nachsehen haben. Das Publikum geht trotzdem begeistert mit.


21Uhr. Vor dem Auftritt gibt es in den Gängen des Altenhofes für die Tollitäten ein Wiedersehen mit Familie und Freunden. Es wird viel gebützt und über dies und das geplaudert, ehe es wieder auf die Bühne geht. Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Funkenpräsident Heino Passmann grüßen als Mitglieder einer „Vampir“-Gruppe. Hier wird man nach 24 Uhr auch den Abend ausklingen lassen.


22Uhr: In der Stadthalle müssen die Tollitäten erst mal warten, ehe sie mit ihrer Show auf die Bühne kommen. Zeit für Gespräche und Getränke im Stadthallenfoyer. „Wir machen natürlich lieber gleich weiter, als zwischendurch herunter zu fahren“, gibt Prinzessin Lisa zu, nimmt die Pause aber gelassen. Auf der Bühne wird Pagin Cassandra dann ihrer Urgroßmutter Irmgard zum Geburtstag und zur Verleihung des Prinzenordens gratulieren. Ein berührender Moment.


23Uhr: Das Beste für die Tollitäten kommt zum Schluss: „Das ist ja wie Karneval in Köln“, schwärmt Prinz Max nach dem Auftritt beim Gemeindekarneval von Christ König in Winkhausen. Angefeuert von ihrem stimmgewaltigen Sitzungspräsidenten Klaus Groth haben 180 kostümierte und begeisterte Jecken den Tollitäten eine Saalrakete für ihre Show spendiert. Außerdem singen die tollen Jecken im Saal ihnen ein Lied. Es klingt, wie ein Ausrufezeichen: „Ein schöner Tag wie dieser. Denn das Prinzenpaar ist da und es öffnet die Herzen. Das ist mölmscher Karneval.“