Nachwuchskegler aus Mülheim machen Jagd auf „alle Neune“

Der Kegelclub „Die Frommen Brüder“ trifft sich regelmäßig in der Gaststätte Ruhrterrasse.
Der Kegelclub „Die Frommen Brüder“ trifft sich regelmäßig in der Gaststätte Ruhrterrasse.
Foto: Herbert Höltgen
Was wir bereits wissen
In ihrem Kegelklub „Die Frommen Brüder“ treffen sich zwölf junge Mülheimer regelmäßig zur Jagd auf Pins. Angefangen hat alles mit einem alten Schild.

Mülheim.. Nach 35 Jahren lassen zwölf Jungs Mülheimer Kegeltradition wieder aufleben. Der Kegelklub „Die Frommen Brüder“ wurde eigentlich schon 1959 gegründet. Enkelsohn und Freunde führen den Klub nun weiter, um sich nicht aus den Augen zu verlieren. „Gut Holz!, gut Holz, gut Holz!“, so tönt es am Wochenenden an vielen Kegelbahnen in Mülheim. Doch einmal im Monat ist es etwas Besonderes. Wenn der Schlachtruf der Kegelbrüder auf der Kegelbahn in den Ruhrterrassen zu hören ist, sind es nicht etwa alteingesessene Spieler, die sich schon seit zig Jahren treffen und jenseits des partywilligen Alters befinden.

Nein, die zwölf Mitglieder des Kegelklubs „Die frommen Brüder“ sind alle erst zwischen 20 und 22 Jahren alt. Die Idee, einen Kegelklub zu gründen, kam zustande, als Tim Jansen auf dem Speicher seines Elternhauses ein Schild fand. „Auf dem Schild stand der Mülheimer Kegelklub ,Die frommen Brüder’“, erzählt der 21-Jährige. „Mein Opa hatte das Schild immer hinten im Bus aufgestellt, als er mit seinen damaligen Kegelbrüdern auf Kegelfahrt gefahren ist.“ Gegründet wurde der Klub einst 1959 in Mülheim und war anfangs ein reiner Metzger-Kegelklub.

„Inzwischen gibt es echt viel Zuspruch.“

Bis ins Jahr 1980 machten sich die Gründungsmitglieder auf die Jagd nach „alle Neune“, dann wurde der der Klub schließlich aufgelöst. Jetzt, 35 Jahre später, führen Tim Jansen und seine Freunde die Tradition weiter. „Wir wollten uns nicht aus den Augen verlieren und haben etwas gesucht, was uns dazu bringt, dass wir uns regelmäßig sehen“, sagt Thilo Josten, der gemeinsam mit seinem Freund Tim damals das Schild auf dem Dachboden entdeckt hat. „Das Schild war dann der Anlass, einen Kegelklub zu gründen. Ungewöhnlich für unser Alter, aber warum nicht?“

Seit 2012 treffen sich die Jungs nun einmal im Monat in Mülheim, sogar aus Wien oder Ingolstadt reisen die Kegelbrüder regelmäßig an. Fehlen dürfen die Mitglieder nur mit gutem Grund, unentschuldigt schon mal gar nicht. Wenn es dann doch mal vorkommt, dass eins der Gründungsmitglieder verhindert ist, dürfen Gastkegler einspringen. Und da gibt es genug Anwärter. „Auch wenn uns viele am Anfang nicht wirklich ernst genommen haben, mittlerweile hat sich unser Klub rumgesprochen“, sagt Tim Jansen. „Inzwischen gibt es echt viel Zuspruch.“ Kegeln konnte vor drei Jahren eigentlich noch keiner der „Frommen Brüder“.

Nachwuchskegler nehmen alte Tradition ernst

Mittlerweile sind sie aber schon halbe Profis geworden und haben sogar schon an einem Turnier teilgenommen. „Wir waren mit Abstand die Jüngsten und sind natürlich aufgefallen“, erinnert sich Thilo Josten. „Aber wir konnten überzeugen und einer von uns, der Niklas, ist sogar bester Einzelspieler des Turniers geworden.“ Wie es die Tradition möchte, herrschen bei den „Frommen Brüdern“ klare Verhältnisse: Es gibt eine ersten Präsidenten und einen Vizepräsidenten, einen Kegelvater, einen Schatzmeister und einen Satzungsbeauftragten.

Trotz ihres jungen Alters nehmen es die Nachwuchskegler mit den alten Traditionen ernst, althergebrachte Rituale werden fortgeführt. „Wir haben zum Beispiel alle einen kleinen Kegel-Pin, den wir immer bei uns haben müssen“, sagt Thilo Josten. „Wenn wir uns treffen, egal ob zufällig oder nicht, und einer von uns hat seinen Pin nicht dabei, ist eine Geldstrafe fällig, die in unsere Kasse für unsere erste Kegelfahrt wandert.“

Denn genau, wie ihre „Vorfahren“ möchten die Jungs demnächst zusammen auf große Fahrt gehen. In den Schwarzwald soll es gehen. Und eines wird sicher mit von der Partie sein. Das Schild der „Frommen Brüder“ hinten im Reisebus.