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Nachwuchs-Probleme

10.07.2008 | 19:19 Uhr

Schlechte Prognose für die Schulen: Bis 2015 sollen 70 000 Pulte leer stehen. Es fehlt an Nachwuchs.

Schule ohne Lehrer, das ist wie eine Kreuzung ohne Ampel oder ein Sommer ohne Regen. Das gehört einfach zusammen. Trotzdem werden in Deutschland im Jahr 2015 bis zu 70 000 Pulte leer bleiben. Das prophezeit die Kultusministerkonferenz. Denn von den derzeit 800 000 Lehrern geht in den kommenden Jahren rund die Hälfte in Pension. Gleichzeitig kommen zu wenig junge Lehrer nach. Die Folge: Weil es ohne nicht geht, stehen zunehmend Seiteneinsteiger an der Tafel. In Mülheim gibt es dabei zwischen den Schulen gravierende Unterschiede. In der Gustav-Heinemann-Gesamtschule stehen immer wieder ehemalige Architekten, Bauingenieure oder Chemiker vor der Klasse. „Wir haben damit im Gegensatz zu manch anderen Schulen durchweg positive Erfahrungen gemacht”, sagt der stellvertretende Schulleiter Elmar Schröer. Trotzdem macht der Griff in die Personal-etage der Industrie deutlich, was fehlt: ausgebildete Fachlehrer.  Elf sind bei Schröer in diesem Jahr in Pension gegangen. Zwei neue Stellen durfte er für diesen Sommer ausschreiben – vier hätte er gebraucht. Unterbesetzung. „So war das bei uns immer”, seufzt der stellvertretende Schulleiter. Bekommen hat er Deutsch/Religion und Englisch/Sport. „Ohne den neuen Englischlehrer wäre es eng geworden bei uns.” Ebenso eng werde es im kommenden Schuljahr, sobald ein Lehrer kurzfristig ausfalle. Dann müssten Vertretungskräfte her, für die Schröer allerdings selbst sorgen muss. „Für diesen Fall überlegen wir derzeit schon, an die Unis zu gehen, um dort die Studenten anzuzapfen”, sagt Schröer. „Sonst weiß ich nicht, wo wir noch ausgebildete Lehrer herbekommen sollen.”Fehlende Lehrer, fehlende Stellen. Zusammen hat die Bezirksregierung den Mülheimer Gesamtschulen 18 neue Lehrerstellen genehmigt – den Gymnasien elf, den Berufskollegs vier und den Grundschulen eine neue Stelle. Ob tatsächlich alle Stellen einen Lehrer finden, steht teilweise erst Ende Juli fest.  Für das Karl-Ziegler-Gymnasium hat das im Gegensatz zur Gustav-Heinemann-Gesamtschule gereicht. „Wir haben gerade einen Lehrer in Kunst eingestellt, damit sind wir im Moment in diesem Bereich ohne Mangel”, sagt Werner Andorfer, Schulleiter des Karl-Ziegler-Gymnasiums. Trotzdem kennt er das Problem, dass Rektoren neue Kollegen suchen, die aber einfach nicht da sind. Notfächer seien vor allem Katholische Religion, Latein, Musik, Technik, Kunst und Informatik. Und davon braucht Andorfer 2009 mindestens drei. „Aber ich sehe da keinen Nachwuchs kommen.” Durch die Pensionierungswelle werde deshalb fachspezifischer Mangel entstehen.  „Diesen Umbruch haben wir schon hinter uns”, sagt Troost, Schulleiter der Luisenschule. Der Altersdurchschnitt liege bei Mitte 40. Er sieht deshalb gelassen in die Zukunft. „Wir sind in diesem Jahr zu 100 Prozent abgedeckt. Vielleicht sogar etwas darüber.” Drei bis vier seiner Kollegen gehen im laufenden Jahr in Pension. Dafür kommen zum 1. August drei neue Lehrer dazu. Sie decken die Fächer Englisch/Erdkunde, Sport/Biologie und Evangelische Religion/Biologie ab. Alle hat sich Troost selbst ausgesucht (scharfe Ausschreibung). Von Lehrermangel sei hier keine Spur. Auch dann nicht, wenn es um die typischen Notfächer geht. „Selbst für Latein habe ich eine Kollegin durch eine Versetzung bekommen.” Spürbar ist der drohende Lehrermangel an der Willy-Brandt-Gesamtschule. Schulleiter Behrend Heeren bemerkt vor allem fachspezifische Mängel: „Die Bewerbungen sind deutlich zurückgegangen, vor allem Spanischlehrer gibt es kaum noch.” Auch die Fächer Latein, Kunst für Sekundarstufe II und Physik seien problematisch. Trotzdem sei Unterbesetzung an der Schule momentan noch kein Thema. „Wir sind in allen Fächern, auch den Mangelfächern, bestens aufgestellt”, so der Schulleiter.

Daniela BRAUN

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Kommentare
11.07.2008
16:57
Nachwuchs-Probleme
von Spezi | #1

Wer will sich das den heute noch an tuen: Für einen Hungerlohn eine überfülte Klasse von Schülern einer sogenanten Nullbockgeneration zu unterrichten. Sind junge Lehrer zu freundlich zu den Schülern werden sie nicht respektiert, sind sie zu streng gelten sie in den Augen der Schüler als Feind.

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