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Nachts allein in Saarn

21.06.2007 | 07:35 Uhr

Zwei Schüler scheitern beim Versuch, mit Taxi und Nachtbus von Selbeck in die Innenstadt zu kommen.Der Auftrag kommt nicht an, die MVG erreicht ihren Busfahrer nicht, der Taxifahrer muss zum nächsten Einsatz

Die Reise von Selbeck in die Innenstadt endete für Schüler Max Winkelmann (18) und einen Freund auf halber Strecke. Der Nachtexpress war weg, der Taxibus wollte sie nicht weiter mitnehmen. Statt in der Disko den Ferienbeginn zu feiern, standen sie plötzlich allein in der Saarner Nacht.

Wie konnte das passieren? Der Auftrag kam nicht in der Taxi-Vermittlungszentrale an, der Busfahrer war nicht erreichbar, der Taxifahrer musste zum nächsten Einsatz.

Bekanntlich fahren die Nachtbusse nicht bis nach Selbeck. Fahrgäste können bei der MVG aber telefonisch 30 Minuten im Voraus einen Taxibus ordern, der zur nächsten Haltestelle fährt. Genau das tat Max Winkelmann um 23.20 Uhr. Aber der bestellte Taxibus kam nicht um 0 Uhr zur Stooter Straße, sondern erst nach einem zweiten Anruf bei der MVG mit Verspätung. Die MVG habe versichert, der Nachtbus würde warten - doch er war schon weg.

Warum, konnte MVG-Sprecher Peter Beine gestern nicht erklären. Dafür aber die Taxi-Vermittlungszentrale Call-Cars. Dorthin schickt die MVG per Fax die Taxibus-Anfragen, Call-Cars schickt dann die Taxen. "Wir haben keinen schriftlichen Auftrag bekommen. Erst um 0.03 Uhr haben wir telefonisch mit der MVG besprochen, dass wir schnell ein Taxi schicken", erklärt der Mitarbeiter, der in der Zentrale saß. Ein technischer Fehler sei das, unklar, ob er bei Call-Cars oder der MVG zu verorten sei. Und der Bus? Den habe sein MVG-Kollege über Funk nicht erreichen können.

Es geht noch weiter. Die Schüler wollten mit dem Taxi dem Bus folgen. Die Antwort: Nur gegen normale Bezahlung. Der Grund: "Wir bekommen nur Aufträge, Fahrgäste von A nach B zu fahren. Außerdem hatte das Taxi schon den nächsten Auftrag", erklärt der Call-Cars-Mann. Sein Geschäftsführer Hans-Rainer Glahn aber sagt: "Ein Fahrgast darf nicht ausgesetzt werden."

Laut Vertrag mit der MVG müsse, wenn etwas schiefläuft, die Taxi-Gesellschaft oder die MVG für die Weiterfahrt zum nächsten ÖPNV-Anschluss aufkommen - je nachdem, wer die Schuld trägt. Das bestätigt auch MVG-Sprecher Beine. Nur informierte darüber niemand die Schüler. Und schuldig fühlt sich auch keiner.

Also standen die beiden nachts in Saarn und wollten genervt zurück nach Selbeck. Sie bestellten dann einen Taxibus, der sie eine halbe Stunde später abholte.

Von Timo Günther

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