Nachdenken über Gewerbegebiet

Weil sich Ansprüche, Anforderungen und Notwendigkeiten immer wieder ändern, müssen auch politische Entscheidungen immer wieder mal auf den Prüfstand. Also: Passt die Entscheidung von einst noch in die Zeit? Am Büro- und Gewerbepark, gleich neben dem Flughafen, ist diese Frage nötig. Dort tut sich jenseits eines neu aufflammenden Streits nichts.

Der Konflikt ist nicht gut für die Stadt. Es gibt keinen Grund, an den Berichten der Wirtschaftsförderer zu zweifeln, dass ansiedlungswillige Unternehmen wegen der hohen Auflagen dort sich nicht niederlassen und sich lieber woanders etwas suchen. Das kommt Mülheim teuer zu stehen. Wenn die Politik vor Jahren dort oben am Flughafen für ein Gewerbegebiet gar Lagerplätze und Lagerhallen ausgeschlossen hat, muss durchaus die Frage erlaubt sein, wie wichtig einem der Wirtschaftsstandort Mülheim ist. Zur Wirtschaftspflege gehört es, Raum für Unternehmen zu schaffen. Auch vorhandene müssen Möglichkeiten der Erweiterung haben. Wirtschaftsförderung ist immer Vorsorgepolitik. Beispiele dafür, dass Unternehmen ihren Standort wechseln, wenn sie nicht mehr mit dem aktuellen zufrieden sind, gibt es jede Menge. Man sollte es nicht drauf ankommen lassen.

Was es an der Brunshofstraße so schwierig macht, ist die Lage am Flughafen. Der Gewerbepark leidet unter der Angst, dass mit seiner Hilfe der Flugbetrieb irgendwie länger am Laufen gehalten werden könnte. Dabei ist das Aus für die Fliegerei politisch längst betoniert, es geht nur noch darum, was und welcher Raum dem Aeroclub bis Vertragsende zugestanden wird. Auch die SPD Mülheim, in dem Fall unterlegene Partei, sollte dies akzeptieren. Schon deshalb, um die Sorge zu entkräften, sie versuche, durch Tricks den Ausstieg solange hinaus zu zögern, bis andere politische Mehrheiten vielleicht doch einen Weg eröffnen, den Betrieb zu erhalten. Klarheit wäre auch Wirtschaftsförderung.

Ein Gewerbepark Brunshofstraße müsste natürlich so angegangen werden, dass er die künftige Entwicklung des gesamten Areals Flugplatz – was immer dort mal entstehen soll – nicht behindert. Das Neudenken des Geländes, gemeinsam mit Essen, wird seit Jahren angemahnt, passiert ist nichts. Wer weiß, wie lange Planungsprozesse dauern, sollte damit beginnen.