Mutigere Gangart erwartet

Das bewegende Thema der Woche blieb der Streik der Erzieherinnen und Erzieher. 300 von ihnen machen inzwischen in Mülheim nicht mehr Dienst, jede Tageseinrichtung ist davon massiv betroffen. Die Stadt schafft es zum Glück noch, mit Hilfe von Notgruppen rund 900 Kinder zu betreuen. Wie lange das noch in dem Umfang möglich sein wird, ist fraglich. Denn die Zahl der Streikenden steigt – für Eltern eine bedrohliche Entwicklung.


Überhaupt ist dieser Streik anders als alles, was es bisher gab: Die Arbeitnehmer treffen vor allem die, die sie gerade nicht treffen wollen: Kinder und Eltern. Sie helfen denen, die sie eigentlich unter Druck setzen wollen: die Arbeitgeber. Städte wie Mülheim verdienen derzeit richtig gut an jedem Streiktag. Auch wenn die Stadtverwaltung noch keine Zahlen nennen kann – es dürften täglich mehrere zehntausend Euro an Lohn sein, die sie spart, weil die Gewerkschaft zahlt. Und dann gibt es noch die Elternbeiträge, die die Stadtverwaltung einbehalten will, weil es die gültige kommunale Satzung so vorschreibt. Dass der Unmut der Eltern steigt, verstehen alle. Allein deshalb hätte man von der Stadtverwaltung eine andere Gangart erwartet, die mutiger ist und nicht gleich aus Angst vor einem möglichen Einspruch der Düsseldorfer Bezirksregierung den Kommunalpolitikern den Einbehalt der Elterngelder nahelegt. Dem werden die Ratsmitglieder kaum folgen können, und auch aus Düsseldorf dürfte kaum ein Veto in dieser Sache erfolgen, will man Politikverdrossenheit nicht weiter fördern. Gerade in Mülheim, wo die Oberbürgermeisterin die Familienfreundlichkeit der Stadt zum Top-Thema gemacht hat, würde eine Haltung gegen die Eltern diese Marke unglaubwürdig machen.


Es geht in diesem Arbeitskampf um den Wert sozialer Berufe insgesamt. Erfahren sie die Aufwertung, die sie – auch gegenüber anderen Berufen – verdienen, hat die Gesellschaft das zu finanzieren. Das wird in NRW wieder auch Eltern treffen, denn von einer gebührenfreien Bildung ist man im Land angesichts der extremen Schuldenlast noch ein weites Stück entfernt.