Das aktuelle Wetter Mülheim 11°C
Menschen in Mülheim

Musik, die richtig schön knistert

25.02.2016 | 12:00 Uhr
Musik, die richtig schön knistert
Musikalische Leckerbissen, die fast 100 Jahre alt sind, stellte Klaus Schröter kürzlich im Mülheimer Stadtarchiv vor.sFoto: Kerstin Bögeholz

Mülheim.  Klaus Schröter sammelt Schellack-Schallplatten und spielt sie auf einem alten Grammophon ab. Ab und zu stellt er seine Schätze vor.

Es knistert und es knackt, wenn Klaus Schröter Musik hört. Der 48-Jährige legt nämlich Schellack-Platten auf. Schwarze Scheiben aus den 20er bis 50er Jahren, die er im Laufe der Zeit gesammelt hat. Schätze, die an die Anfänge von Schallplatte, Rundfunk und Tonfilm erinnern. Eine Epoche, die Schröter selbst gar nicht miterlebt hat. „Wenn man aber ein Mal eine Schellackplatte gehört hat, dann will man es immer wieder tun“, sagt er mit ansteckender Begeisterung. Und natürlich besitzt er auch das passende Abspielgerät dazu: ein schönes altes Schrank-Grammophon, das 1927 gebaut wurde.

Mit der Kurbel zum Drehen bringen

Wenn Klaus Schröter zu musikalischen Nostalgiestunden einlädt – wie jüngst im Mülheimer Stadtarchiv oder früher in der Camera Obscura –, dann bringt er dieses Grammophon mit. „Der Klang ist sehr gut, weil das Gerät einen Saxophontrichter hat und der ganze Holzkorpus als Resonanzkörper ausgenutzt wird“, erklärt er. Vor jedem Lied muss er an einer Kurbel drehen, um das Federwerk aufzuziehen, das den Plattenteller zum Drehen bringt. Was dann aus dem Lautsprecher dringt, wirkt etwas dünn und flach. Das „typische Knistern“ der Schellack-Aufnahme aber hat wirklich seinen Charme.

Im kleinen Schränkchen unterm Plattenteller stehen, fein säuberlich aufgereiht, einige von Schröters fast 5000 Schellack–Schätzen – mit Musik von bekannten Interpreten wie Karl Schmitt-Walter, Enrico Caruso, Martha Eggerth, Paul Abraham, Ilse Werner oder den Comedian Harmonists. Der Sammler legt aber nicht nur auf, sondern er weiß auch Geschichten zu erzählen – zu jedem Komponisten, jedem Künstler, jedem Lied und jedem Film. „Wer Schellack-Platten sammelt, beschäftigt sich automatisch auch mit den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen der damaligen Zeit“, sagt der Mitarbeiter des Amtes für Denkmalpflege.

Musik ohne Mikrofon oder Verstärker

Ende des 19. Jahrhunderts kam die erste Schallplatte auf den Markt, noch in den 20ern habe man Musik ohne Mikrofon oder Verstärker auf die Schellack-Platten gebannt. „Die Aufnahmen waren ein Abenteuer. Geigen und Kontrabässe konnte man klanglich noch gar nicht auf dem Tonträger abbilden und die Frauenstimmen waren immer zu schrill“, weiß Schröter zu berichten und spielt als Beispiel eine Ballade von Carl Loewe von 1924 (gesungen von Theodor Scheidl) vor. Auch wie sich später (in den 30ern) eine große Unterhaltungsindustrie entwickelte, kann er mit Arien aus Operetten, Tonfilmschlagern etc. verdeutlichen. Schließlich umfasst seine Plattensammlung 23 Regalmeter.

Die Besondere an Schellack-Platte und Grammophon sei „die fantastische Wiedergabe von Stimmen“. „Die Sänger standen damals vor dem Trichter und mussten drei Minuten lang am Stück hineinsingen – echt und ehrlich. Das war eine Kunst. Heutzutage werden nicht gut getroffene Töne einfach digital reinkopiert“, so Schröter.

1957 war Schluss mit der Schellack-Produktion, es kam die Vinyl-Schallplatte. „Aufnahmen aus den 50ern, etwa von Peter Alexander, hören sich auf dem Grammophon auch nicht wirklich gut an, meint Klaus Schröter. Aber: Knistern tut’s bei LPs aus Vinyl auch manchmal.

Andrea Müller

Kommentare
Funktionen
Fotos und Videos
Kirchenhügelfest
Bildgalerie
Inklusion
22. Ruhrauenlauf
Bildgalerie
Laufsport
Mülheim gestern und heute II
Bildgalerie
Zeitsprung
Artist: Überschlag mit links
Video
Extreme Jobs
article
11596032
Musik, die richtig schön knistert
Musik, die richtig schön knistert
$description$
http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/musik-die-richtig-schoen-knistert-id11596032.html
2016-02-25 12:00
Schallplatten, Musik, Mülheim, Sammlung, Klaus Schröter
Mülheim