Mülheims Bombensuch-Budget reicht für nur zehn Überprüfungen

Ein besonders schweres Stück: Im August 2012 hievte der Kampfmittelräumdienst diese Zehn-Zentner Bombe aus einem Dümptener Garten.
Ein besonders schweres Stück: Im August 2012 hievte der Kampfmittelräumdienst diese Zehn-Zentner Bombe aus einem Dümptener Garten.
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo
Was wir bereits wissen
100.000 Euro gibt die Stadt Mülheim jährlich für die Suche nach Bomben aus. Dieses begrenzte Budget reicht nur um zehn Verdachtsfälle zu überprüfen.

Mülheim.. In den vergangenen Wochen waren die Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes mehrfach in Mülheim im Einsatz. Erst Anfang Juni machte eine Bombenentschärfung in den Ruhrauen die Sperrung der A40 nötig. Zuletzt wurde in Winkhausen an der Klaus-Groth-Straße gesucht, in der Woche davor an der Steinkuhle. Beide Male konnte Entwarnung gegeben werden. Doch was hat es mit dieser Häufung auf sich – wird etwa vermehrt nach Blindgängern gesucht?

Laut Stadtsprecher Volker Wiebels ist das Zufall. „Man kann das Gefühl bekommen“, räumt er ein, aber es werde in Mülheim nicht mehr geprüft als in den Vorjahren. Denn mehr als zehn solcher Einsätze im Stadtgebiet sind nicht drin. Ein Grund dafür ist Geld, der andere die Menge der über dem Ruhrgebiet abgeworfenen Bomben.

Budget reicht für zehn Verdachtspunkte

100.000 Euro sind laut Volker Wiebels jährlich im Haushalt dafür vorgesehen. „Damit kann man zehn Verdachtspunkte abarbeiten.“ Und das war’s dann. Ausgewählt werden die mittels einer Prioritätenliste. „Die Bomben liegen seit vielen Jahrzehnten im Boden“, sagt Wiebels, „solange die nicht bewegt werden, passiert nichts.“ Der Punkt in den Styrumer Ruhrauen habe beispielsweise Priorität gehabt, weil dort der Campingplatz des Ruhr Reggae Summers liegt.

Jährlich werden in Mülheim die Bombenverdachtspunkte vom Kampfmittelräumdienst der Düsseldorfer Bezirksregierung abgearbeitet. Dann prüfen Fachleute, ob im Boden geortetes Metall eine nicht explodierte Weltkriegsbombe ist. Ermittelt werden die Verdachtspunkte durch die Auswertung von Luftbildern der Alliierten. Auch dafür ist der Kampfmittelräumdienst zuständig. Vor Baumaßnahmen oder in sensiblen Bereichen bittet die Stadt regelmäßig die Düsseldorfer Behörde, zu prüfen, ob auf dem Areal Bomben liegen könnten. „Früher wurden Blindgänger meist bei Bauarbeiten zufällig entdeckt“, sagt Wiebels. Durch die vorherige Prüfung könne man die Gefahr reduzieren.

Bomben mit Luftbildern finden

2,7 Millionen Tonnen Bomben gingen nieder

„Präventive Kampfmittelbeseitigung“ heißt das im Behördendeutsch. Rund 320.000 Luftbilder lagern in Düsseldorf. Die sind über 70 Jahre alt, schwarz-weiß, meist unscharf und verwackelt. Einschlags- und Explosionskrater können die Fachleute auf den Fotos erkennen, zudem Laufgräben und Schützenlöcher. Diese Stellen sind Verdachtspunkte. Deren unmittelbares Umfeld, sagt Stefanie Klockhaus, Sprecherin der Bezirksregierung, werde mit „geophysikalischen Messverfahren“ versucht, um „Blindgänger im Untergrund zu lokalisieren. Diese Messungen werden entweder an der Oberfläche oder mit der Hilfe von Bohrungen durchgeführt. Wenn sich hierbei ein Hinweis auf einen Bombenblindgänger ergibt, so wird der Bereich anschließend aufgegraben.“ Zählt man die anderen Städte im Bezirk hinzu, ist verständlich, warum Volker Wiebels die lokalen Prüfungen für ausreichend hält: „Mehr kann der Kampfmittelräumdienst gar nicht bewältigen.“