Mülheimerin musste selbstmontierte Katzentreppe abbauen

Kater Charly in seinem alten Revier an der Oststraße.
Kater Charly in seinem alten Revier an der Oststraße.
Foto: Heinl
Was wir bereits wissen
  • Leserin verlor Rechtsstreit mit Vermieter und musste Katzentreppe abbauen
  • Suche nach Wohnung, die für Freigänger-Katzen geeignet ist, gestaltet sich schwierig
  • Mieterschutzbund rät, sich Vereinbarungen mit dem Vermieter immer schriftlich geben zu lassen

Mülheim..  Bereits seit Längerem sucht Lisa Heinl eine Wohnung, in der nicht nur sie, sondern auch ihr Kater Charly sich wohlfühlt. Die Suche gestaltet sich zunehmend schwierig, denn der zweijährige Charly ist Freigänger und entsprechende Wohnungen mit Ausgangsmöglichkeiten sind rar gesät. In einem Leserbrief wandte sie sich an die Redaktion.

Von vorne: Mit ihrem Freund und Kater Charly war Lisa Heinl im vergangenen Jahr in eine Erdgeschosswohnung der SWB an der Oststraße eingezogen. „Bereits bei der Wohnungsbesichtigung hatte ich mich nach der Möglichkeit erkundigt, eine Katzentreppe anzubringen“, berichtet sie. „Diese wurde mir mündlich zugesagt.“ Also unterschrieb sie den Mietvertrag und befestigte nach ihrem Einzug Trittbretter mit Schellen am Fallrohr, damit Charly über den Hinterhof die Treppe hoch zum Fenster laufen konnte. Von dort aus gelangte er durch eine Katzenklappe in die Wohnung. „Von den Nachbarn hat sich niemand beschwert, die haben sich alle über Charly gefreut“, erinnert sie sich.

Nach einigen Wochen jedoch bekam sie einen Anruf der Hausverwaltung. „Ich sollte die Treppe wieder abbauen.“ Lisa Heinl weigerte sich, argumentierte mit der mündlichen Zusage bei Mietvertragsunterzeichnung. Schließlich landete die Sache vor Gericht. „Wir haben leider verloren, das bedeutete für uns den Verlust der Wohnung, denn meinen Kater einzusperren, war keine angemessene Lösung.“

Kommt auf Einzelfall an

Solche oder ähnliche Katzentreppen seien generell nicht verboten, kommentiert SWB-Sprecherin Christina Heine. „Jedoch kommt es immer auf die baulichen Gegebenheiten an.“ Die Wohnung an der Oststraße liege aufgrund der Hanglage so weit oben, „dass die Stufen sich über mehrere Meter in die Höhe erstreckten“ Laufe die Katze hinauf und hinab, könnten sich Rohr und Dachrinne lösen. Zudem sei das Anbringen der Stufen und das Einsetzen der Katzenklappe ins Fenster „ein Eingriff in die Bausubstanz, die auch die Energieeffizienz verändert“. An Balkonen, die im Erdgeschoss liegen und in Mietergärten führen, gebe es „vereinzelt“ solche Katzenleitern. Auch Netze erlaube die SWB ihren Mietern auf Balkonen – jedoch nur in enger Absprache.

Harald Bartnik, Geschäftsführer des hiesigen Mieterschutzbundes, rät, sich solche „baulichen Veränderungen“ immer schriftlich vom Vermieter geben zu lassen. „Auf mündliche Zusagen sollte man sich nie verlassen.“ Ansonsten könne der Vermieter – wie in diesem Fall – auf Beseitigung klagen. Häufig komme es vor, dass sich Mieter beim Verein über die Rechtslage informieren, weil sie Schutznetze für ihre Katzen vor den Balkon spannen und der Vermieter dies untersagt. „Dazu hat er das Recht, denn auch ein solches Netz ist bereits eine bauliche Veränderung.“

Lisa Heinl hilft das nun nicht mehr, sie ist wieder bei ihren Eltern eingezogen. Sie würde sich nur wünschen, dass mehr Vermieter ein Herz für Tiere zeigten und Charly die Möglichkeit geben, ein- und auszuspazieren.