Mülheimer Unternehmen kämpfen gegen Leerlauf

Bei Europipe an der Pilgerstraße in Mülheim wurden die Betriebsferien zum Jahreswechsel verlängert, derzeit läuft die Produktion offenbar in normalem Umfang.
Bei Europipe an der Pilgerstraße in Mülheim wurden die Betriebsferien zum Jahreswechsel verlängert, derzeit läuft die Produktion offenbar in normalem Umfang.
Foto: Fabian Strauch Photography / WAZ
Bislang gibt es trotz des Lieferstopps keine Kurzarbeit bei Europipe, MGB oder Pipecoatings. Fertige Rohre für „South Stream“ werden versandt.

Mülheim.. Das umstrittene Gaspipelineprojekt „South Stream“ soll offenbar ohne EU-Beteiligung zwischen Russland und der Türkei realisiert werden. So jedenfalls lauteten die jüngsten Meldungen in den vergangenen Tagen. Was dies für die vom aktuellen Lieferstopp betroffenen Mülheimer Unternehmen Europipe, Salzgitter Mannesmann Grobblech (MGB) und Pipecoatings mit insgesamt etwa 1450 Mitarbeitern bedeutet, lässt sich noch nicht absehen.

Alle drei Betriebe sind als Zulieferer und Produzenten von Rohren an dem milliardenschweren Vorhaben beteiligt, welches zunächst bis zum 19. Februar unterbrochen wurde. Insgesamt umfasst der Auftrag eine Fertigung von 450 000 Tonnen. Als die Absage Russlands kurz vor Weihnachten bekannt wurde, kamen große Sorgen auf, insbesondere bei Europipe mit rund 660 Beschäftigten. Als Reaktion seien die winterlichen Betriebsferien von ursprünglich geplanten zwei auf drei Wochen verlängert worden, teilte Betriebsratsvorsitzender Frank Schulz auf Anfrage mit. Seit Mitte Januar werde nun wieder produziert, und zwar bislang in gewohntem Umfang.

Keine Anschlussprojekte in Sicht

Auch Bernhard Kleinermann, Sprecher des Mutterkonzerns Salzgitter, erklärt für alle drei betroffenen Werke: „Zur Zeit gibt es keine Kurzarbeit. Wir können aber nicht ausschließen, dass sie für einen begrenzten Zeitraum wieder eingeführt werden muss.“ Man bemühe sich mit allen Mittel, die Beschäftigung aufrecht zu erhalten und Leerlauf in den Werken zu vermeiden. Etwa, indem andere Aufträge vorgezogen werden. „Und dies sieht auch im Moment ganz erfolgversprechend aus“, so der Unternehmenssprecher.

Der Auftrag für „South Stream“ sei auch keineswegs komplett abgeblasen worden. Was bislang an Blechen hierfür produziert sei, werde zu Rohren verarbeitet und versandt. „Mehr als die Hälfte des Gesamtauftrags wird vertragsgemäß abgewickelt“, erklärt Kleinermann.

Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte dies die Vollbeschäftigung bei Europipe wohl bis Ende März/Anfang April gesichert. Außerdem hatte man in Mülheim auf Anschlussprojekte gehofft, doch die sind momentan nicht in Sicht.