Mülheimer überqueren im Gasballon von NRW aus die Alpen

Wilhelm (li.) und Benjamin Eimers, Mitglieder im Ballonclub Mülheim 1979 e.V., fuhren per Gasballon über die Alpen.
Wilhelm (li.) und Benjamin Eimers, Mitglieder im Ballonclub Mülheim 1979 e.V., fuhren per Gasballon über die Alpen.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Wilhelm und Benjamin Eimers vom Ballon-Club Mülheim fuhren im Gasballon von Düsseldorf nach Verona. In knapp 16 Stunden überquerten sie die Alpen.

Mülheim.. Zu dieser Jahreszeit zieht es viele Sportler in die Berge. Wilhelm und Benjamin Eimers, Mitglieder im Ballon-Club Mülheim 1979, schauten sich das weiß verschneite Panorama allerdings nur von sehr weit oben an: Sie fuhren Anfang dieser Woche im Gasballon über die Alpen. Es ging von Düsseldorf nach Verona und war schon ein besonderes Unterfangen. Denn erst zwei Mal überhaupt sei es Ballonfahrern gelungen, vom Rheinland komplett über Deutschland und die Alpen zu gelangen, erklären die Sportler. Zuletzt vor mehr als 25 Jahren.

Dieses Mal befand sich außer dem amtierenden Gasballon-Weltmeister Wilhelm Eimers (64) und seinem Sohn Benjamin (29) noch der 33-jährige Belgier Ramses Vanneste an Bord. Gemeinsam wagten sie die Nachtfahrt bei Vollmond: Gestartet wurde am vergangenen Sonntag, 4. Januar, um 22.10 Uhr in Düsseldorf, gelandet am Montag um 14 Uhr in der Po-Ebene.

Fahrthöhe bis zu 5300 Meter

Dick vermummt mit Wärmeoveralls bestieg das Team den Ballon, denn in der Höhe sanken die Temperaturen auf minus 15 Grad. Und Bewegung erlaubt der nur 1,20 mal 1,20 Meter große Korb kaum, wenn er mit drei Mann besetzt ist.

Grundsätzlich aber biete der Winter weit bessere Bedingungen für lange Ballonfahrten als die warme Jahreszeit, erklärt Wilhelm Eimers, der übrigens auch den Weltrekord hält, mit 92 Stunden, 11 Minuten. „Kalte Luft trägt den Ballon besser, und im Sommer ist es auch schwieriger wegen der stärkeren Thermik.“

Worauf sich die Fahrer aber auf jeden Fall einstellen müssen, ist die Höhenluft: „Ab etwa 3000 Metern ist es vernünftig, eine Sauerstoffanlage mitzuführen“, weiß Eimers, „weil man sonst Kopfschmerzen bekommt.“ Bei der aktuellen Alpenüberquerung trug es sie auf bis zu 5300 Meter. Per Nasensonde oder Maske wurden die drei Sportler unterwegs mit Sauerstoff versorgt.

Trotz der Strapazen war die insgesamt rund 700 km lange Tour über weite Strecken auch ein Genuss. Dies geht aus den Schilderungen der Ballonpiloten hervor. So fuhren sie gegen drei Uhr nachts genau über das hell erleuchtete Stadtgebiet von Frankfurt am Main: „Sehr schön“, schwärmt Wilhelm Eimers. Sie ließen den Ballon kurzzeitig von 1500 auf 1000 m Fahrthöhe fallen, um das Lichterspiel besser sehen zu können. Während der gesamten Tour waren sie mit der zuständigen Flugsicherung verbunden.

Info Grandiose Aussichten über den schneebedeckten Gipfeln

Die Alpen wurden dann nach Sonnenaufgang bei Tageslicht überquert, gut 200 km über dem Gebirge bewältigte das Team. Die Sportler genossen grandiose Aussichten über den schneebedeckten Gipfeln, Sichtweiten von hundert Kilometern, mussten über den Dolomiten, wo schnelle Höhenwinde fegten, aber auch riskante Manöver vornehmen: Um den starken Turbulenzen auszuweichen, stiegen sie auf 5300 m Höhe.

„Damit war die maximale Fahrthöhe auch erreicht“, berichtet Eimers. Um aufzusteigen, muss man Ballastsand abwerfen, und von den 50 Zehn-Kilo-Säcken beim Start in Düsseldorf waren nur noch zehn übrig. „Die werden aber für eine sichere Landung auch benötigt.“

Diese gelang am Montagmittag gegen 14 Uhr in der Po-Ebene südwestlich von Verona. Als Rückholer war Matthias Zenge aus Thüringen im Einsatz, mit dem Eimers im Vorjahr gemeinsam Weltmeister geworden war. „Dank unseres Tracker-Systems, mit dem man Ballons verfolgen kann, fand er uns sofort.“ Im Transporter mit Anhänger brachte er das Vater-Sohn-Gespann zurück nach Duisburg.

Dort wohnt Wilhelm Eimers, der als Hauptbrandmeister bei der Feuerwehr kurz vor dem Ruhestand steht – als Ballonpilot sicher noch nicht. Und auch die nächste Generation startet schon durch: Benjamin Eimers, Informatikstudent, hält bereits deutsche Rekorde in mehreren Klassen.