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Mülheimer Tagesmütter klagen über zu wenig Kinder wegen U3-Anspruch

25.07.2013 | 12:00 Uhr
Mülheimer Tagesmütter klagen über zu wenig Kinder wegen U3-Anspruch
Die Tagesmütter Madelaine Löwigt (re., mit den Söhnen Lenyo und Xavien) und Brigitte Becker in der Spielecke in Löwigts Wohnung.Foto: Oliver Müller

Mülheim.   Ab dem ersten August tritt der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Unter-Dreijährige in Kraft. Die Stadt Mülheim schuf eigens dafür neue Betreuungsplätze. Doch nun melden viele Eltern ihre Kinder direkt in einer Tagesstätte an, und nicht mehr wie bislang bei Tagesmüttern.

Gehen den Tagesmüttern die Kinder aus? Das jedenfalls befürchten Madelaine Löwigt und Brigitte Becker, die seit fünf bzw. fünfzehn Jahren kontinuierlich mehrere Zwerge betreuen. Weil der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz jetzt auch für Unter-Dreijährige gilt und es eben auch mehr U3-Plätze in den Tagesstätten gibt, wurden in diesem Jahr viele Ein- und Zweijährige direkt dort angemeldet. „Und wir Tagesmütter gelten in der Öffentlichkeit plötzlich nur noch als Plan B. Dabei sind wir eigentlich Plan A – zumindest für die ganz Kleinen“, findet Madelaine Löwigt.

Die Betreuung bei einer Tagesmutter habe nämlich zahlreiche Vorteile. Die Tagesmutter sei zeitlich viel flexibler als eine Kita , könne sich auch früh morgens oder abends um die Kinder kümmern. Und sie betreue wesentlich weniger Knirpse als eine Erzieherin in einer Kita-Gruppe (die derzeit ja sogar übervoll seien). „Deshalb können wir auf jedes Kind ganz individuell eingehen, uns intensiver mit ihm beschäftigen“, so Löwigt. Außerdem: „Ein Kind, das in einer Kleingruppe schon Gruppenstrukturen kennen gelernt hat, gewöhnt sich später im Kindergarten , wo die Gruppen ja viel größer sind, viel besser ein.“ Betont werden müsse nicht zuletzt auch, dass eine Tagesmutter in der Regel frisch koche für ihre Schützlinge – und nicht catere.

Vom Jugendamt und Awo als Tagesmütter ausgebildet

Löwigt und Becker wurden von Jugendamt /Awo als Tagesmütter ausgebildet und machen regelmäßig Weiterbildungen. Umso mehr trifft es sie, dass sie fürs kommende Kita-Jahr nicht genug Nachwuchs finden. „Meine sechs Betreuungskinder gehen ab August alle in die Kita, bisher habe ich nur Anmeldungen für einen Ganztags- und zwei Nachmittagsplätze“, berichtet Madelaine Löwigt (aus Styrum).

Reaktion der Stadt

Bevorzugen Eltern von unter Drei-Jährigen die Betreuung in der Kindertagesstätte statt bei einer Tagesmutter? Lydia Schallwig (Amt für Kinder, Jugend und Schule), hat von einer entsprechenden Tendenz gehört. „Letztlich sind das aber Angebote, die beide auf dem Markt stehen. Die Eltern haben das Wahlrecht. Wir müssen beobachten, wie sich das alles entwickelt“, sagt sie.

Zum 1. Juli 2013 waren in Mülheim 329 Kinder in der Kindertagespflege untergebracht – bei 183 Tagespflegepersonen. Bisher gibt es noch freie Plätze. In der Servicestelle für Betreuungsangebote versucht die Verwaltung, Angebot und Nachfrage nach Betreuungspersonen übereinander zu bringen. „Wir raten den Tagesmütter aber immer, auch selber Werbung für sich zu machen“, sagt Schallwig. Nicht bekannt ist ihr, dass die Stadt Tagesmütter (wie verlautet) gebeten haben soll, „ihre“ Eltern über freie Kita -Plätze zu informieren (womit sie sich ja selbst das Wasser abgraben würden).

Wie viele Personen die Kindertagespflege als Vollzeitberuf betreiben, sei spontan nicht zu eruieren. „Je größer die Gruppe, desto eher können die Betreuer damit ihr Auskommen haben“, so Schallwig. Ein Großteil der Tagesmütter betreue aber nur zwei bis drei Kinder, nur einige vier bis fünf.

Die Qualifizierung zu Tagesmutter/-vater führt die Stadt weiterhin durch. In 2013 werden es ca.35 Personen sein, die daran teilnehmen/teilnahmen. Madelaine Löwigt und Brigitte Becker (siehe Haupttext) sehen das jetzt kritisch: „Wenn es schon für erfahrene Tagesmütter keine Kinder mehr gibt, warum bildet man dann noch aus?“

Brigitte Becker (aus der City), die sonst auf fünf Winzlinge aufpasst, verzeichnet nur drei Anmeldungen. „Und für die musste ich ganz schön kämpfen.“ Ausreichend sind die drei Kinder für sie noch nicht, denn Becker lebt von der Kindertagespflege, weiß noch nicht, wie sie ab Herbst „die Krankenkassenbeiträge weiter bezahlen soll“. „Wir haben unseren ursprünglichen Beruf aufgegeben, um Tagesmutter zu werden, und unsere Wohnsituation darauf eingestellt. Ich bin sogar noch umgezogen“, so Löwigt.

„Da liest man überall, dass die Kitas überbelegt sind und es noch mehr Betreuungsbedarf für Unter-Drei-Jährige gibt, und bei uns meldet sich keiner. Das passt nicht zusammen“, finden die zwei Tagesmütter. Dabei haben sie schon kräftig Werbung für sich gemacht. Flyer gedruckt und ausgelegt, Anzeigen aufgegeben, mit Kolleginnen kontaktet. „Ich würde ja am liebsten jeder Schwangeren auf der Schloßstraße meine Visitenkarte in die Hand drücken“, sagt Brigitte Becker kopfschüttelnd.

Kontakt:
Tel. 0162/8188028 oder 0208/ 5944962.

Andrea Müller

Kommentare
27.07.2013
22:45
Edelhartzer, ich nehme an, Ihr Nick ist...
von BauerKleppe | #5

Programm und Sie unterstellen jedem, der Für Geld eine Leistung erbringt, Raffgier, oder?
Anderer Leute Kinder zu betreuen, ist nicht wirklich immer...
Weiterlesen

1 Antwort
Mülheimer Tagesmütter klagen über zu wenig Kinder wegen U3-Anspruch
von Edelhartzer | #5-1

1. daß ich JEDEM irgendwas unterstelle ist eine Unterstellung von dir. Das mache ich nur bei der Unterschicht. Besonders, wenn sie jeden unseriösen Weg nutzen, sich einen dritt-Flachbildfernseher ins Schlafzimmer zu stellen.

2. Schwarze Füße bekommt man, wenn man selbige nicht wäscht. Schlechtes Vorbild für Kinder.

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http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/muelheimer-tagesmuetter-sind-auf-kindersuche-id8231790.html
2013-07-25 12:00
Mülheim, Tagesmütter, Jugendamt, Awo, Kita, Ausbildung, Betreuungsangebot, Vollzeit, Qualifizierung
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