Mülheimer Tagesmütter klagen über zu wenig Kinder wegen U3-Anspruch

Die Tagesmütter Madelaine Löwigt (re., mit den Söhnen Lenyo und Xavien) und Brigitte Becker in der Spielecke in Löwigts Wohnung.
Die Tagesmütter Madelaine Löwigt (re., mit den Söhnen Lenyo und Xavien) und Brigitte Becker in der Spielecke in Löwigts Wohnung.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Ab dem ersten August tritt der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Unter-Dreijährige in Kraft. Die Stadt Mülheim schuf eigens dafür neue Betreuungsplätze. Doch nun melden viele Eltern ihre Kinder direkt in einer Tagesstätte an, und nicht mehr wie bislang bei Tagesmüttern.

Mülheim.. Gehen den Tagesmüttern die Kinder aus? Das jedenfalls befürchten Madelaine Löwigt und Brigitte Becker, die seit fünf bzw. fünfzehn Jahren kontinuierlich mehrere Zwerge betreuen. Weil der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz jetzt auch für Unter-Dreijährige gilt und es eben auch mehr U3-Plätze in den Tagesstätten gibt, wurden in diesem Jahr viele Ein- und Zweijährige direkt dort angemeldet. „Und wir Tagesmütter gelten in der Öffentlichkeit plötzlich nur noch als Plan B. Dabei sind wir eigentlich Plan A – zumindest für die ganz Kleinen“, findet Madelaine Löwigt.

Die Betreuung bei einer Tagesmutter habe nämlich zahlreiche Vorteile. Die Tagesmutter sei zeitlich viel flexibler als eine Kita, könne sich auch früh morgens oder abends um die Kinder kümmern. Und sie betreue wesentlich weniger Knirpse als eine Erzieherin in einer Kita-Gruppe (die derzeit ja sogar übervoll seien). „Deshalb können wir auf jedes Kind ganz individuell eingehen, uns intensiver mit ihm beschäftigen“, so Löwigt. Außerdem: „Ein Kind, das in einer Kleingruppe schon Gruppenstrukturen kennen gelernt hat, gewöhnt sich später im Kindergarten, wo die Gruppen ja viel größer sind, viel besser ein.“ Betont werden müsse nicht zuletzt auch, dass eine Tagesmutter in der Regel frisch koche für ihre Schützlinge – und nicht catere.

Vom Jugendamt und Awo als Tagesmütter ausgebildet

Löwigt und Becker wurden von Jugendamt/Awo als Tagesmütter ausgebildet und machen regelmäßig Weiterbildungen. Umso mehr trifft es sie, dass sie fürs kommende Kita-Jahr nicht genug Nachwuchs finden. „Meine sechs Betreuungskinder gehen ab August alle in die Kita, bisher habe ich nur Anmeldungen für einen Ganztags- und zwei Nachmittagsplätze“, berichtet Madelaine Löwigt (aus Styrum).

[kein Linktext vorhanden] Brigitte Becker (aus der City), die sonst auf fünf Winzlinge aufpasst, verzeichnet nur drei Anmeldungen. „Und für die musste ich ganz schön kämpfen.“ Ausreichend sind die drei Kinder für sie noch nicht, denn Becker lebt von der Kindertagespflege, weiß noch nicht, wie sie ab Herbst „die Krankenkassenbeiträge weiter bezahlen soll“. „Wir haben unseren ursprünglichen Beruf aufgegeben, um Tagesmutter zu werden, und unsere Wohnsituation darauf eingestellt. Ich bin sogar noch umgezogen“, so Löwigt.

„Da liest man überall, dass die Kitas überbelegt sind und es noch mehr Betreuungsbedarf für Unter-Drei-Jährige gibt, und bei uns meldet sich keiner. Das passt nicht zusammen“, finden die zwei Tagesmütter. Dabei haben sie schon kräftig Werbung für sich gemacht. Flyer gedruckt und ausgelegt, Anzeigen aufgegeben, mit Kolleginnen kontaktet. „Ich würde ja am liebsten jeder Schwangeren auf der Schloßstraße meine Visitenkarte in die Hand drücken“, sagt Brigitte Becker kopfschüttelnd.

Kontakt:
Tel. 0162/8188028 oder 0208/ 5944962.