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Mülheimer Tafel schultert großen Ansturm

07.03.2016 | 18:06 Uhr
Mülheimer Tafel schultert großen Ansturm
Schlange stehen für Lebensmittel: Auch viele Flüchtlinge sind auf das Angebot der Tafel angewiesen.Foto: Oliver Müller

Mülheim.  Über 1000 Bedürftige werden täglich mit Lebensmitteln versorgt. Immer mehr von ihnen sind Flüchtlinge. Alles läuft ruhig ab. Keiner geht leer aus.

Die Flüchtlingswelle macht auch vor der Mülheimer Tafel nicht Halt. Die Zahl der bedürftigen Kunden ist dort seit Oktober 2015 um 40 Prozent gestiegen. Über 1000 Menschen werden mittlerweile täglich mit Lebensmitteln versorgt. Mit großem Personalaufwand und ruhiger Hand versuchen die Verantwortlichen, dem Ansturm gerecht zu werden.

Auch an diesem Montagmorgen ist die Schlange vor der Lebensmittelausgabe der Tafel lang. Alle Menschen hier warten darauf, ihre Tüten mit Brot, Obst und Gemüse zu füllen. „Viele von ihnen sind Flüchtlinge, die in eigenen Wohnungen oder den großen Unterkünften leben“, erklärt Michael Farrenberg, Betriebsleiter beim Diakoniewerk, das Träger der Tafel ist. Seit Oktober ist die Zahl der Bedürftigen deutlich angestiegen. Über 1000 Menschen sind jeden Tag auf das Angebot der Tafel angewiesen. Darunter befinden sich auch 500 Kinder, die ihr Schulfrühstück von der Einrichtung erhalten.

Diakonie musste reagieren

Bei der Diakonie hat man auf die steigenden Zahlen und die veränderte Klientel reagiert. Acht Personen sorgen während der Lebensmittelausgabe dafür, dass alles reibungslos abläuft. In anderen Städten ist es bereits zu Handgreiflichkeiten gekommen. „Es gibt Spanungen. Konflikte treten auf“, hatte Stefanie Bresgott, Sprecherin des Bundesverbandes Deutsche Tafel letzte Woche berichtet. In Mülheim bleibt es bislang ruhig – wie an diesem Morgen, an dem alle Anwesenden geduldig warten. „Natürlich hatten wir schon kleinere Drängeleien oder laute Diskussionen. Wer gegen die Regeln verstößt, den ziehen wir für einen Tag aus dem Verkehr . So ein Denkzettel zeigt seine Wirkung“, sagt Monika Otto, Assistentin der Geschäftsführung.

Auch wenn die Nachfrage deutlich gestiegen ist – das Warenangebot in den Regalen ist das gleiche geblieben. „Letztendlich heißt das, dass jeder nun weniger in seinen Tüten hat. Leer geht aber keiner aus“, sagt Farrenberg. Jedoch gilt: Wer vorne in der Schlange steht, hat mehr Auswahl. Die Bedürftigen warten teilweise schon ab 7 Uhr auf die Ausgabe um 10.30 Uhr. Die Verständigung läuft dabei mitunter mit Händen und Füßen. „Wir haben Mitarbeiter aus 40 Nationen unter unserem Dach. So können wir einige Sprachbarrieren vermeiden, aber nicht alle“, erklärt Otto.

Anders als in anderen Ruhrgebietsstädten verzichtet die Mülheimer Tafel komplett auf Bürokratie. Die Kunden brauchen keine Ausweise. Die Lebensmittel gibt es komplett kostenfrei. Um die Spenden einzusammeln, klappern die Mitarbeiter ab 6.30 Uhr 60 Supermärkte und Bäckereien ab. Doch würde diese Menge an Lebensmitteln bei einem abermaligen Anstieg der Nachfrage überhaupt noch ausreichen? Michael Farrenberg zuckt mit den Schultern. „Das kann ich wirklich nicht sagen. Der Aufwand, den wir zurzeit betreiben, ist enorm.“

Martin Schroers

Kommentare
08.03.2016
17:05
Mülheimer Tafel schultert großen Ansturm
von zitouni | #6

Interessant, wir haben es vergessen, verdrängt, dass wir von 70 eine Flüchtlingswelle aus dem Osten hatten. sie mussten nach einer grausamen...
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1 Antwort
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Name von Moderation entfernt | #6-1

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11631064
Mülheimer Tafel schultert großen Ansturm
Mülheimer Tafel schultert großen Ansturm
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http://www.derwesten.de/staedte/muelheim/muelheimer-tafel-schultert-grossen-ansturm-id11631064.html
2016-03-07 18:06
Mülheim, Tafel, Lebensmittel, Flüchtlinge, Bedürftige
Mülheim