Mülheimer Seniorenheim führt Pflegedanktag ein

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Was wir bereits wissen
Wer im Krankenhaus oder Altenheim arbeitet, erlebt beides: notorische Nörgler, aber auch echte Anerkennung.

Mülheim.. Das Seniorenheim Bonifatius möchte ein Zeichen setzen und feiert am 28. Februar „Pflegedanktag. Man möchte werben: für mehr Wertschätzung, die pflegende Fachkräfte, Familienmitglieder wie auch Ehrenamtliche verdienen. Im Alltagsbetrieb, so Einrichtungsleiter Peter Hunz, „geben Angehörige manchmal etwas für die Kaffeekasse, aber eher selten“.

Fabian Ruin, Pflegedienstleiter im Haus Gracht, erlebt Dank „vor allem im direkten Kontakt mit Bewohnern und Angehörigen“, die jedoch unterschiedlich auftreten: „Es gibt Leute, die sehr hohe Ansprüche haben und sich selten bedanken, aber auch solche, die ausgesprochen bescheiden sind.“ Wenn jemand Anerkennung in Form von Geschenken ausdrücken möchte, müsse man aufpassen. Kleinigkeiten wie Pralinen seien unproblematisch, „die kommen dem Wohnbereich zugute“. Aber Geldgeschenke, so Ruin, dürften nicht angenommen werden, „zumal viele unserer Bewohner dementiell verändert sind und das gar nicht richtig einschätzen können“.

"Anspruchshaltung wird immer größer"

Beim Mülheimer Unternehmen „die pflegepartner“ mit rund 130 Mitarbeitern besteht eine Kaffeekasse, „aber die ist oft leer“, sagt Geschäftsführer Ulf Hardt, und was drin sei, werde tatsächlich für Kaffee ausgegeben. Seit 1992 besteht die überwiegend ambulant tätige Firma, und Hardt meint: „Mir scheint, die Anspruchshaltung wird immer größer.“ Sicher gebe es Leute, die Dankbarkeit zeigen, aber auch „Nörgler, denen man es nie recht machen kann“. Selbst am chaotischen Morgen nach dem Pfingstunwetter hätten manche gleich angerufen, „wo denn die Schwester bleibt...“

Facettenreich sind auch die Erfahrungen in der Krankenpflege. So weiß Dorothee Renzel, Sprecherin des St. Marien-Hospitals, von Patienten, die sich die Mühe machen, Dankesbriefe zu verfassen. „Die heben die Pflegerinnen tatsächlich auf“. Es gibt aber auch andere Menschen, sagt Renzel: „Leute, die einfach gehen, ohne sich zu verabschieden“.

Gemeinsam Erfolg haben

Dankeschön für gute Pflege? Im Evangelischen Krankenhaus gelten strenge Regeln, betont Jörg Rebhun, Leiter des Pflegemanagements: Laut Dienstanweisung dürfen die Beschäftigten Geschenke nur mit ausdrücklicher Zustimmung des Arbeitgebers annehmen. Geld grundsätzlich nicht, gelegentlich würden Blumen oder etwas Süßes überreicht.

Viel wichtiger findet Rebhun etwas anderes: „Ich frage frisch examinierte Pflegeschüler oft, was sie zu ihrem Beruf motiviert hat. Viele erzählen dann von Situationen, in denen Patient und Pflegekraft gemeinsam Erfolg hatten.“ Jemand habe wieder gelernt, alleine zu essen, oder eine Wunde sei geschlossen. „Das macht großen Spaß.“

Verdi: Mehr Wertschätzung nötig

Einen kritischen Blick auf die Wertschätzung pflegerischer Arbeit hat die Gewerkschaft Verdi. So meint etwa Birgit Wrobel, Vorsitzende des Fachbereichs Gesundheits- und Sozialwesen im Bezirk Mülheim-Oberhausen: „Die meisten Mitarbeiter würden sicher sagen, dass im Alltag zu wenig Anerkennung kommt. Andere schöpfen ihre Kraft aus Kleinigkeiten; ihnen ist ein Lächeln von Bewohnern mehr wert als 50 Euro extra im Monat.“ Die Pflegekräfte seien oft „sehr leidensfähig“ und hätten ihren Beruf nicht umsonst gewählt.

Auch Björn Jadzinski, zuständiger Verdi-Sekretär für den Gesundheitsbereich, sieht es differenziert: „Es gibt sehr viel Dankbarkeit von Patienten und Bewohnern. Aber bei Arbeitgebern, in der Gesellschaft und vielfach auch bei Angehörigen ist es mit der Dankbarkeit oft nicht weit her.“ Dies gelte vor allem in der Altenpflege, die gegenüber der Krankenpflege noch schlechter bezahlt werde.

Im Juni 2012 hatte der Verdi-Landesbezirk die Unternehmensleitungen zu einem „Tag der Wertschätzung“ im Gesundheits- und Sozialwesen aufgerufen. Eine bislang einmalige Aktion, die Björn Jadzinski in guter Erinnerung hat. doch mit Grillfesten für die Mitarbeiter oder Ähnlichem sei es nicht getan: „Die Arbeitgeber müssen die geleistete Arbeit sehen und auch schauen, wie viele Leute gebraucht werden, um die Arbeit überhaupt zu schaffen.“