Mülheimer Nephrologen zeigen Gefahren für Nieren auf

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Was wir bereits wissen
Die Spezialisten für Nierenleiden werben für eine konsequente Vorsorge. 70 Prozent der Fälle von akutem Nierenversagen werden erfolgreich behandelt.

Mülheim.. Wasser, Sport, gutes Essen – das hört sich nach Ferien an, es ist aber auch die schlichte wie effektive Lebensart, um Nierenerkrankungen vorzubeugen. 56 Prozent der chronischen Nierenleiden, sagt Chefarzt Dr. Anton Daul, gehen auf Bluthochdruck und Diabetes zurück. Beide Erkrankungen haben viel mit Bewegungsmangel, Übergewicht, falscher Ernährung zu tun. Dagegen könne jeder etwas tun und somit sein Risiko minimieren, sagt Daul beim WAZ-Medizinforum am Donnerstagabend im St. Marien-Hospital.

Sowohl ein zu hoher Blutdruck (über 140/90) wie auch zu hohe Zuckerwerte schädigen permanent das komplexe System Niere, das täglich an die 1800 Liter Blut reinigen muss, das Hormone produziert, die unter anderem den Salzhaushalt regulieren, andere, die für den Knochenaufbau oder für die Sauerstoffversorgung erforderlich sind. Zur Vorbeugung, so Daul, gehöre auch, das Rauchen einzustellen. Die gefäßschädigende Wirkung des Rauchens wirke sich auf die Nieren aus.

Medikamente sind große Gefahr für die Nieren

Das Fatale an vielen Nierenerkrankungen, so Oberarzt Atila Tiryaki, sei der schleichende Verlauf. Lange spürt der Mensch erst einmal nichts davon, dass seine Nieren nicht mehr gut funktionieren. „Die Nierenwerte steigen erst an, wenn die Leistung unter 60 Prozent fällt“, so der Oberarzt. Und weil Symptome fehlten, würden Nierenerkrankungen oft eher zufällig beim Arzt entdeckt. Regelmäßige Kontrollen des Urins und der Blutwerte empfehlen daher die Mediziner. 90 Prozent der weiteren Untersuchungen erfolgten mit Hilfe von Ultraschall.

Die Ursachen für viele Nierenerkrankungen liegen gar nicht in der Niere selbst, so die Oberärztin Dr. Brigitte Schreurs. Flüssigkeitsmangel, Herzschwäche, Infektionen, ein gestörter Abfluss des Urins, selbst ein Schock könne ein Nierenversagen auslösen, das immer lebensbedrohlich werden kann. Nach ein bis zwei Tagen Ausfall muss ein Patient an die Dialyse. Allerdings, so Brigitte Schreurs, in 70 Prozent der Fälle kann das akute Nierenversagen erfolgreich behandelt werden, die Nieren arbeiten später wieder.

Eine große Gefahr für die Nieren sind Medikamente. Vor allem eine lange Einnahme von Schmerzmitteln, Rheuma-Medikamenten und Zytostatika können die Nieren erheblich schädigen. Vorsicht sei geboten: „Man muss nicht bei jedem Kopfschmerz zur Tablette greifen“, sagt Daul; ein halber Liter Wasser und frische Luft zeigten oft die gleiche Wirkung, eine unschädliche. Überhaupt wirbt der Chefarzt für ausreichendes Trinken. Gerade Menschen, die Arzneimittel nehmen, sollten auf ihre Flüssigkeitszufuhr achten: Anderthalb bis zwei Liter sei das Minimum, im Sommer lieber mehr. Auch das sei eine Vorbeugung gegen Schäden an einem der wichtigsten Organe.