Mülheimer Leibgerichte - Franz Firla macht Eintopf

Franz Firla garniert den Schniedeskurraasch formvollendet mit Petersilie.
Franz Firla garniert den Schniedeskurraasch formvollendet mit Petersilie.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Experte in Mölmsch Platt kocht für unsere Serie "Das isst der Pott „Schniedeskurraasch“. Im Lied „Frete mack Spaass“ besingt der Saarner typische Mülheimer Gerichte.

Mülheim.. Franz Firlas Interesse gilt eigentlich mehr dem Namen des Gerichts als dem Akt des Kochens. „Schniedeskurraasch“ heißt das Mölmsche Gericht, auf Hochdeutsch würde man vielleicht sagen: „Schneiders Courage“ oder schlicht: Bohnen-, Möhren-, Kartoffeln-Durcheinander.

Gleich beim Schälen der ersten Möhren klärt er, dass der Name des Eintopfgerichts ja eigentlich ironisch zu verstehen sei: Ein Schneider galt ja gemeinhin als ängstlich und zurückhaltend, dieses Gericht erfordere aber viel Mut … vom Schneideaufwand her, findet Firla. Aber abgesehen vom Schnippeln ist die erforderliche Kochkunst nicht ganz so anspruchsvoll. Auch sind die Zutaten nicht teuer, das spreche dafür, dass sich auch ein armer Schneider so ein gutes Gericht leisten konnte.

Franz Firla, der seit seiner Pensionierung gerne seiner Frau Irmgard beim Kochen assistiert und aufpasst, dass „nichts anbrennt“, meistert die Zubereitung des Traditionsgerichts vor der Kamera souverän. Gründlich, wie Firla in der Sprachforschung vorgeht, habe ervorab „das Gericht selbst gekocht und recherchiert, was es mit der Courage des Schneiders auf sich hat.“ Grammatikalische Mundart-Grundlagen gibt er gern dazu. „Es gibt nicht viele Mölmsch-Ausdrücke mit Genitiv“, weiß der Deutschlehrer. Außer „Padsfleisch“ (Pferdefleisch) und „Müürkeshaundlanger“ (Maurerhandlanger) fielen ihm keine weiteren Beispiele ein.

Im rheinischen Raum geboren

Firla, im rheinischen Raum bei Bonn geboren, hat erst vor 20 Jahren zur Mölmschen Sprache gefunden. „Ganz früher habe ich gedacht, die Kumpelsprache sei die eigentliche Mundart im Ruhrgebiet“, gibt der pensionierte Lehrer der Gesamtschule Saarn zu. Dann habe er festgestellt: Es gibt eigenständige Formen des Plattdeutschen. Das Mölmsch hatte es ihm besonders angetan, und so wurde er Mitglied des Stammtisches „Aul Ssaan“, zu dem insgesamt 18 männliche Mitglieder zählen.

Gemeinsam mit Hermann-Josef Hüßelbeck und Friedrich-Wilhelm van Gehlen bildet er die Mundart-Gruppe „Jan und Hinnerk“, die er nicht nur sprachlich, sondern auch musikalisch unterstützt. Das zeigt er bei einer musikalischen Einlage am Klavier. Beim Singen des mölmschen Liedes „Frete mack Spaass“ (Essen macht Spaß) schlägt er den Bogen zur Kocherei: In dem Lied werden alle mölmschen Gerichte genannt. Menschen, die noch mit Mölmsch großgeworden seien, gebe es leider immer weniger, bedauert Firla. Und Nachwuchs ebenfalls. So übten sich allein der Saarner Stammtisch, der Bürgerverein Mausefalle und die Mitglieder eines VHS-Kurses darin, das so selten gewordene Plattdeutsch lebendig zu erhalten.

Und so geht’s: Zutaten und Rezepte des „Schniedeskurraasch“

Am Tag vorher: Weiße Bohnen über Nacht einweichen.
Am Tag selber folgt die Schneide(r)arbeit: Möhren putzen, vierteln und in kleine Stückchen schneiden. Kartoffeln und Äpfel schälen und klein schneiden. Zwiebeln hacken. In einem großen Kochtopf den Speck im Öl andünsten. Zunächst Zwiebeln dazugeben, dann alle anderen Zutaten, die Bohnen mit dem Kochwasser, dazugeben. Eine Prise Zucker und Majoran oder Thymian hinzufügen, mit Pfeffer und Brühe kräftig würzen. Ca. 20 Minuten kochen lassen. Zum Schluss Petersilie darüber streuen.

Wer es mag, kann klein geschnittene Mettwurst oder Wiener Würstchen beigeben. Der Eintopf kann auch mit grünen anstatt weißen Bohnen zubereitet werden.

Für 4 Personen: 200 g weiße Bohnen, 900 ml Wasser, 150 g Speck, 1 kg Möhren, 600 g Kartoffeln, 2 Äpfel, 2 Zwiebeln, Öl, Brühe, Prise Zucker, schwarzer Pfeffer, Majoran, Petersilie, Salz