Mülheimer Kunstmuseum präsentiert Werke von Picasso

Museumsleiterin Beate Reese vor einem Bild von Picasso, der sich in seinen Arbeiten auch mit den Geschlechterrollen auseinandersetzte.
Museumsleiterin Beate Reese vor einem Bild von Picasso, der sich in seinen Arbeiten auch mit den Geschlechterrollen auseinandersetzte.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Große Präsentation mit Meisterwerken der Druckgrafik des berühmten spanischen Künstlers. Im Mittelpunkt steht die „Suite Vollard“.

Mülheim.. Für die Ausstellung mit Meisterwerken der Druckgrafik von Pablo Picasso hat das Kunstmuseum tief in seine hauseigene Schatzkiste gegriffen. „Zwar wurden einzelne Blätter für Ausstellungen immer mal wieder herausgegriffen“, erläutert Anja Bauer, aber die letzte große Picasso-Präsentation in 1994 lange liegt zurück. So erstreckt sich die aktuelle Ausstellung opulent über Erdgeschoss, wo die Klimaanlage nach Reparaturarbeiten wieder voll läuft, und Grafikraum.

Picasso – ein großer Name, der zieht. Nach zwei Wochen Laufzeit freut sich das Team über ansehnliche Besucherzahlen. „Auch die Führungen sind gut frequentiert“, sagt Anja Bauer, die die Ausstellung gemeinsam mit Museumsleiterin Beate Reese vorbereitet hat. Nächste Gelegenheit zu einer Führung gibt es am morgigen Mittwoch, 15 Uhr, mit anschließendem Austausch bei einer Tasse Kaffee.

Bis 28. Juni werden drei druckgrafische Folgen von Pablo Picasso gezeigt, davon zwei aus der eigenen Sammlung: „Das unbekannte Meisterwerk“ nach der Novelle von Honoré de Balzac aus dem Jahr 1927, „das lange nicht zu sehen war“, sagt Anja Bauer. Zudem die „Suite Vollard“ sowie „Traum und Lüge Francos I und II“ von 1937 aus der Galerie Fetzer.

Radierungen stehen im Mittelpunkt

Im Mittelpunkt der Schau steht die berühmte „Suite Vollard“ mit 100 Radierungen. Dank des Mäzenatentums der damaligen Thyssen-Röhrenwerke gelangte sie 1965 in die Sammlung des Kunstmuseums. Die letzten drei Blätter mit dem Portrait Vollards stiftete der Förderkreis dem Kunstmuseum.

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Die „Suite Vollard“ entstand auf Anregung des Verlegers und Kunsthändlers Ambroise Vollard. Von 1930 bis 1937 gestaltete Picasso auf Schloss Boisgeloup und in seinem Pariser Atelier 100 Druckplatten, die in der Werkstatt von Roger Lacourière in zwei unterschiedlichen Formaten gedruckt wurden. Die Auseinandersetzung mit seinem künstlerischen Vorbild Rembrandt, das Verhältnis von Künstler und Modell und der Geschlechterkampf zwischen Mann und Frau sind u.a. wiederkehrende Motive.

Die Ereignisse im Europa der Diktaturen überschatteten die Arbeit an der „Suite Vollard“ zum Ende hin. So musste Picasso in Paris erleben, wie der spanische Faschismus unter Führung von General Franco an Macht und Einfluss gewann. Als Reaktion darauf erschuf er 1937 die Serie „Traum und Lüge Francos“. Zunächst als Aufruf zum Widerstand im Postkartenformat gedacht, wurden die Blätter mit einem Spottgedicht Picassos als Mappe herausgegeben. Mit dieser Leihgabe der Sammlung Fetzer aus dem Kunstmuseum Heidenheim widmet sich die Ausstellung der politischen Seite des Künstlers.