Mülheimer Jugendliche prüfen Politiker

Werner Oesterwind (re.) und Claus Schindler stellten sich 80 Minuten lang den Fragen der Gymnasiasten.
Werner Oesterwind (re.) und Claus Schindler stellten sich 80 Minuten lang den Fragen der Gymnasiasten.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
In der Karl-Ziegler-Schule war am Donnerstag „High Noon“ angesagt: eine Fragestunde nach festen Regeln mit Werner Oesterwind, OB-Kandidat der CDU, und Claus Schindler von der SPD.

Mülheim.. „High Noon“ hieß es am Donnerstag wieder in der Karl-Ziegler-Schule. Pünktlich mittags um zwölf traten hier zwei Politiker an, beobachtet von rund 200 Jugendlichen der Stufen elf und zwölf: Werner Oesterwind (56), OB-Kandidat der Mülheimer CDU, sowie Claus Schindler, Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Zu einem Duell, bei dem einer dem anderen an den Kragen will, geriet die Begegnung jedoch nicht.

Freundlich begegneten sich beide Protagonisten auf dem Podium, immer wieder bezeichneten sie sich gegenseitig als „Kollege“. Um etwas Feuer in die Veranstaltung zu bringen, hatten sich Schülerinnen und Schüler aus den Sowi-Kursen zahlreiche Fragen überlegt, deren Beantwortung festen Regeln folgte: Jeder Politiker darf eine Minute lang, bei komplexen Themen drei Minuten reden. Notfalls schneidet ihm eine Regieklappe das Wort ab.

Erster Auftritt als OB-Kandidat

Am Karl-Ziegler-Gymnasium spielen sie dies nicht zum ersten Mal durch: Es war schon der dritte „High Noon“, der 2015 über die Bühne ging, organisiert von Lehrer Wolfgang Bramorski mit seinen Oberstufenkursen. Zugleich fand am Donnerstag der erste öffentliche Auftritt von Werner Oesterwind statt nach seiner Nominierung zum CDU-Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl.

Sein Kontrahent oder seine Kontrahentin auf SPD-Seite steht noch nicht fest. Von gereizter Wahlkampfstimmung war kein Hauch zu spüren. Gemeinsamkeiten stellten die gestandenen Ratsherren, beide Mitte 50 und Väter (fast) erwachsener Kinder heraus: Als Schüler kamen sie zur Politik und halten bis heute Vorbilder aus vergangenen Zeiten hoch, bei Schindler ist dies Willy Brandt, bei Oesterwind der alte Adenauer.

Einigkeit zeigte sich auch in ihrer Einschätzung der „heutigen Jugend“, die Oesterwind erlebt „so wie jede zuvor“, während Schindler konkreter wurde: „Manchmal schwierig, immer spannend, nie pflegeleicht.“ Gefragt nach dem Hick-Hack um das Kaufhof-Gebäude und eine mögliche Lösung zeigten sich beide Politiker überzeugt und angetan von der aktuellen Perspektive, dort seniorengerechtes Wohnen, Supermarkt, ein Hotel und Gastronomie zusammen zu bringen.

Klage über marode Turnhallen

Insgesamt zog sich der „High Noon“ über 80 Minuten, thematisch gingen die jungen Moderatoren dabei über ein breites Feld: die teilweise trostlos anmutende Innenstadt („Chantal statt Chanel“), der oft unzuverlässige Nahverkehr, Hafenbecken, Hauptbahnhof und Meinungsfreiheit, IS-Rückkehrer, Schwimmbäder, Feinstaub und Flüchtlinge.

Stolz wiesen die Jugendlichen darauf hin, dass an der Karl-Ziegler-Schule Kinder aus 19 Nationen unterrichtet werden. Was bei Werner Oesterwind besonders gut ankam, der noch einen drauf setzte: „In meiner Firma arbeiten Leute aus 64 Nationen.“ Deutschland sei ein Einwanderungsland. Die Menschen müssten aufgenommen werden „durch die Mülheimer selber, durch euch alle...“

Die Veranstaltung endete mit einigen Fragen aus dem Plenum, bei denen besonders ein Schüler aufhorchen ließ, der in seiner Freizeit Handball spielt, und dem immer wieder auffällt, „wie vergammelt und marode die Mülheimer Turnhallen sind“. Seine Frage an die Politiker lautet: „Was wollen Sie tun, um meinen Mannschaftskollegen und mir den Aufenthalt in den Sporthallen angenehmer zu machen?“ Sie würden gerne etwas tun, versicherten SPD- wie CDU-Vertreter, doch die finanziellen Mittel fehlen, wie auch die aktuelle Debatte um die neue Dreifach-Halle an der Luisenschule zeigt. Spätestens jetzt lernten die versammelten Gymnasiasten, dass Politik ohne Geld wenig Spaß macht.