Mülheimer Hilfsnetzwerk für Flüchtlinge wächst weiter

Das Helferteam „Willkommen in Mülheim" mit  Reinhard Jehles (r.)
Das Helferteam „Willkommen in Mülheim" mit Reinhard Jehles (r.)
Foto: Michael Dahlke/ Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Bei „Willkommen in Mülheim“ helfen mittlerweile 60 Freiwillige im Warenhaus, bei Hilfstransporten und Kulturangeboten mit. Das Netzwerk wächst stetig.

Mülheim.. Zunächst ging es darum, möglichst schnell Kleidung oder Möbel an Bedürftige zu verteilen. Knapp ein Jahr später ist das Hilfsangebot längst darüber hinaus gewachsen: „Willkommen in Mülheim“, kurz WiM, hat sich zum Hilfsnetzwerk, Warenhaus und zum Treffpunkt vieler Kulturen entwickelt. Über 60 Ehrenamtliche helfen mit, die Hälfte davon sind die Flüchtlinge selbst. „Eigentlich ein tolles Gefühl, dass es so viel Hilfs- und Spendenbereitschaft in Mülheim gibt“, sagt WiM-Gründer Reinhard Jehles. Wäre der Anlass ihrer Arbeit nicht so traurig.

Schließlich geht es immer um Einzelschicksale. Reinhard Jehles trifft täglich auf Menschen, die tausende Kilometer weit aus ihrer Heimat geflohen sind, um hier ein Leben in Sicherheit führen zu können. „Man muss nur in die Augen der Menschen schauen, um zu sehen, wie groß ihr Leid ist“, weiß er aus Erfahrung. Für diese Menschen engagieren er und viele Mülheimer sich, um den Flüchtlingsfamilien den Start in der neuen Heimat zu erleichtern. Stolz ist Jehles daher auf die Willkommenskultur in der Stadt, über die mittlerweile auch überregionale Medien berichteten. Zudem konnte die Gruppe Ministerpräsidentin Hannelore Kraft als Schirmherrin gewinnen. „Eine tolle Unterstützung.“

Verein will Bürger und Flüchtlinge zusammen bringen

Angefangen hatte es im Juli 2014 mit einer Facebookgruppe, in der Jehles eine Wohnungseinrichtung für eine Familie suchte. Die Mülheimer hatten viel mehr zu geben, die Hilfsbereitschaft wuchs stetig – und hält bis heute an. „Stündlich fahren hier Autos vor, die uns Spenden bringen.“ Von Kleidung über Töpfe und Pfannen bis hin zu Fahrrädern oder Kinderwagen. Spenden, die die Flüchtlinge nicht gebrauchen können, etwa Kinderautositze, werden an andere Hilfsorganisationen vermittelt. „An die Diakonie, das DRK, unsere Nachbargruppen in Duisburg oder Oberhausen.“ Ein großes Netzwerk ist so entstanden. Im Warenlager an der Solinger Straße in Saarn helfen viele Ehrenamtliche mit, die Spenden zu sortieren und auszugeben. „Täglich kommen etwa 50 Flüchtlinge“, sagt Jehles.

Aus dem zunächst provisorischen Warenhaus für Flüchtlinge ist mittlerweile eine feste Institution an der Solinger Straße erwachsen. Auch wenn der Mietvertrag nur für jeweils drei Monate abgeschlossen werden kann. „Zurzeit sind wir in Verhandlungen, um zu verlängern“, erklärt Jehles. Langfristige Planungen sind eben schwierig und von der politischen Situation in den Krisenregionen abhängig.

Die Arbeit des Vereins basiert heute auf drei Säulen: Dem Warenhaus, den Hilfstransporten und den gemeinsamen Aktivitäten. Die Helfer organisierten bereits Veranstaltungen wie eine Theateraufführung im Ringlokschuppen oder einen Spargelschäl-Wettbewerb. Immer mit dem Ziel, Bürger und Flüchtlinge zusammenzubringen – und somit Integration zu erleichtern. Das soll auch auf der Bootsfahrt am 6. Juni im Vordergrund stehen, wenn die 160 Passagiere, darunter Bürger und Flüchtlingsfamilien, mit dem Partyschiff „Ruhrperle“ am Wasserbahnhof ablegen. Möglich machen solche Aktionen auch die vielen Mülheimer Unternehmen, die regelmäßig spenden – seien es Umzugskartons für Hilfstransporte (der nächste startet Mitte Juni nach Syrien) oder die Bestuhlung für das Partyschiff. „Bei meinen Anfragen habe ich noch nie eine Absage erhalten“, sagt Jehles. „Sondern immer ein ‘wir helfen gerne’ – das ist bemerkenswert.“