Mülheimer helfen Kröten bei ihrer kilometerweiten Wanderung

Die Erdkröte ist ein wechselwarmes Tier, das derzeit auf Wanderschaft ist.
Die Erdkröte ist ein wechselwarmes Tier, das derzeit auf Wanderschaft ist.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Die Amphibien werden angezogen vom Laichgewässer. Damit ihr Weg nicht zu gefährlich ist, helfen Margot Abel und Michael Haase bei der Krötenrettung.

Mülheim.. Hin und her huscht der Lichtkegel, der aus der Taschenlampe auf den Asphalt fällt. Konzentriert folgt Margot Abel mit ihrem Blick dem hellen Fleck, damit ihr nichts und niemand entgeht. Die nächtliche Patrouille der 52-Jährigen hat indes nichts mit voyeuristischer Neugier zu tun, sondern hilft, Leben zu retten. Denn wenn bei Kröten, Molchen, Fröschen oder Salamandern die Frühlingsgefühle erwachen, leben sie gefährlich. Damit möglichst viele der Amphibien die Wanderung über viel befahrene Straßen hin zu ihren Laichgewässern unversehrt überstehen, helfen die Mülheimer Margot Abel und Michael Haase mit, in Essen Kröten zu retten.

Dass die Mülheimer sich in der Nachbarstadt engagieren, liegt an alter Verbundenheit. „Wir haben bis vor eineinhalb Jahren in Essen gewohnt, bei der Krötenwanderung helfen wir schon seit rund fünf Jahren mit, deshalb machen wir jetzt auch weiter und kommen jeden Abend her“, erzählt Abel. Jeden Abend – solange die Kröten eben wandern, je nach Wetterlage dauert das zwischen fünf und acht Wochen.

Bei über fünf Grad kommen die Kröten hervor

Irgendwann im März, sobald die Temperaturen abends über fünf Grad liegen, kommen die Kröten hervor und laufen (nur Frösche hüpfen) wie magisch angezogen zu ihren Laichgewässern. „Dass die Tiere wissen, wohin sie müssen, um zu laichen, das fasziniert mich“, sagt Margot Abel. Amphibien suchen stets die Gewässer auf, an denen sie geschlüpft sind. Um dahin zu gelangen, verlässt die Erdkröte ihren Lebensraum – Wald und Wiese – und macht sich auf den teils kilometerlangen Weg.

In jeder Saison ziehen kurz vor der Kampmann Brücke in unmittelbarer Nähe zum Baldeneysee, zwischen 4000 bis 6000 Amphibien über die Fahrbahn. Die Zäune, die stellenweise aufgebaut werden, brächten nicht immer den nötigen Effekt, die Kröten aufzuhalten, weil viele Amphibien doch den Weg drunter durch oder daran vorbei fänden. „An manchen Abenden sind hier zeitgleich Hunderte von Kröten unterwegs, da brauchen wir schon zehn Leute, um möglichst viele zu retten“, erzählt die 52-Jährige.

Vorbildliche Zusammenarbeit mit Busfahrern

Ihr Partner Michael Haase berichtet: „Besonders vorbildlich verhalten sich die Busfahrer: Die weichen den Kröten nach Möglichkeit aus und geben uns mit Lichthupe Zeichen, wenn sie Kröten entdeckt haben.“ Weniger rücksichtsvoll seien hingegen manche Fahrradfahrer, die die am Straßenrand auf- und abgehenden Krötensammler schon mal derbe beschimpften, ärgert sich Michael Haase.

Auch außerhalb der Zeit der Krötenwanderung engagieren sich Margot Abel und Michael Haase für den Tierschutz, machen etwa mit einem Stand in der Fußgängerzone darauf aufmerksam, unter welchen Zuständen Schlachtvieh in der Massentierhaltung zu leiden hat. Aber auch dazu fahren die beiden Neu-Mülheimer zurück nach Essen. Denn dort, berichtet Margot Abel, könne man seinen Infostand kostenlos aufstellen, sofern er nicht größer als ein Tapeziertisch ist. Die Stadt Mülheim aber nehme selbst dafür Gebühren.