Mülheimer fegen voller Tatkraft Sturm Elas Spuren weg

So sah es nach dem Pfingststurm Ela an der Unteren Saarlandstraße in Mülheim aus.
So sah es nach dem Pfingststurm Ela an der Unteren Saarlandstraße in Mülheim aus.
Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Vor einem Jahr tobte Orkan "Ela" über der Stadt und richtete Verwüstungen an. Zwölf Monate später ist Mülheim wieder aufgeräumt, dank vieler Helfer.

Mülheim.. Pfingstmontag 2014, das war ein Tag, der herrlich begann – mit Sonnenschein und Staudamm-Bau. Pfingstmontag 2014, das war ein Tag, der elend endete – mit einer riesigen, schwarzen Wolkenwand, aus der Blitze zuckten, Donner krachten, unbändiger Wind herausschoss. Vor genau einem Jahr schlug Orkan Ela zu, und was dieses Monster in Minuten aus unserem unmittelbaren Umfeld machte, welches Trümmerfeld entstand, das begriffen viele erst nach Tagen.

In Heißen und Heimaterde sah fast nichts mehr aus wie zuvor: Massenhaft waren Bäume umgefallen, auf Häuser, auf Autos, quer über Straßen. An manchen Riesen erinnerte noch ein Gerippe, doch kurze Zeit später fiel auch dieses der Säge zum Opfer. Die Siepentäler, beliebt bei Spaziergängern, waren lange nicht begehbar, uralter Baumbestand verschwand fast ganz. Auch am Gänsereiterteich schlug der Sturm mit Vehemenz zu. Die Bewohner der Siedlung waren tagelang nahezu abgeschnitten von der Außenwelt, die Max-Halbach-Straße war dicht.

Kaum anders sah es in Saarn aus und in Holthausen: Der alte Bahndamm, der vom Kloster Richtung Kirmesplatz führt und zuvor links und rechts bewaldet war, lag plötzlich frei da und gewährte ganz neue Blicke ins Dorf und gen Ruhraue. Am Ruhrstrand und an der B 1 unterhalb der Hölterschule hatte das Unwetter Schneisen geschlagen, ebenso an den Holthauser Höfen. Im Witthausbusch waren die Tiergehege beschädigt, das Damwild war entkommen – und auch sonst war es dort komplett chaotisch. Die Untere Saarlandstraße war über Tage nicht passierbar, die Bismarckstraße und die Dimbeck – kurz zuvor noch wunderschöne Alleen – waren zwei Wochen lang mit Flatterband abgesperrt.

Die Oberleitung der Straßenbahnlinie 110 war abgerissen, und auch sonst lag der Verkehr brach. Ruhig war es trotzdem nicht. Ununterbrochen waren Motorsägen zu hören und Martinshörner von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk aus Mülheim und anderen Städten. Das war das Tolle in dieser Zeit: Hilfe kam von überall – oft auch vom Nachbarn, mit dem man bis dato kaum ein Wort gewechselt hatte.

Mittlerweile ist die Stadt wieder aufgeräumt: Schulen und Kitas haben in den Tagen nach Ela wieder aufgemacht, deutlich länger war der Zugang zu den Friedhöfen und in den Wald verwehrt. Bis heute gibt es traurige Lücken im Stadtbild, doch es ist auch wieder grün, die Straßen schauen wieder adrett aus. Auch an den Tiergattern im Witthausbusch sind die Schäden beseitigt. Den Verein der Tierfreunde Witthausbusch hat das 20 000 Euro extra gekostet. Grund zur Freude gibt es trotzdem: Beim dezimierten Damwild steht bald Nachwuchs an.

Mitarbeiter der Stadt haben seit Pfingsten 2014 rund 40 000 Bäume an Straßen, in Parks, auf Friedhöfen inspiziert. Wo’s heikel war, wurde Holz rausgeschnitten, notfalls wurde gefällt. Über 800 Bäume fielen; 271 sind nachgepflanzt worden. Im Herbst kommen weitere hinzu; ab August werden den Bezirksvertretungen die Pläne vorgelegt.

Durch Spenden sind 118 889,52 € bei der Stadt zusammengekommen und das Konto ist noch immer offen (Info: baeumefuer.muelheim-ruhr.de). 30.000 € stammten von der Aktion „WAZ pflanzt Bäume“.