Mülheimer Familie kämpft um Wunsch-Kita

Das Objekt der Begierde liegt gegenüber: Dominic (3), Sohn von Juan Simon und Irais Martinez, hätte gern einen Platz in der Kita Denkhauser Höfe 175.
Das Objekt der Begierde liegt gegenüber: Dominic (3), Sohn von Juan Simon und Irais Martinez, hätte gern einen Platz in der Kita Denkhauser Höfe 175.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Eltern möchten Dominic (3) im Kindergarten gegenüber unterbringen. Doch da haben diesmal nur jüngere Kinder eine Chance. Zu Recht, wie die Stadt sagt.

Mülheim.. Dominic (3) guckt liebend gern vom Balkon: Auf der anderen Straßenseite nämlich, in der Kita Denkhauser Höfe 175, toben immer viele, viele Kinder. Ab Sommer, so hofften seine Eltern, werde auch er eines dieser Kinder sein. „Wir sind extra wegen des nahen Kindergartens hergezogen“, so Vater Juan Simon. Enttäuschenderweise aber habe man von der Stadt eine Absage erhalten. „Wir sind nicht aufgenommen worden und man hat uns alternativ eine Kita angeboten, zu der wir mehr als 40 Minuten laufen müssen.“

Unzumutbar sei das, findet der 46-Jährige, zumal sich die Familie derzeit keine Monatskarte leisten könne, seine Frau also bei Wind und Wetter den Weg zu Fuß zurücklegen müsse. Juan Simon fragte nach, beschwerte sich. Er erfuhr: „Nur Kinder unter drei Jahren haben diesmal in der Kita gegenüber einen Platz bekommen – als ich das gehört habe, bin ich erst recht an die Decke gegangen.“ Er sei der Meinung, dass stets zuallererst ältere Jungen und Mädchen versorgt werden müssten, und nur für den Fall, dass dann noch Plätze frei seien, Unter-Dreijährige aufgenommen werden dürften.

Die Einrichtung auf der anderen Straßenseite besuchten auch Einjährige; „und es kann doch nicht sein, dass Kleinkinder, die noch Muttermilch und mütterliche Wärme brauchen, größeren Kindern vorgezogen werden“. Er vermute, dass es sich für eine Kommune finanziell mehr lohne, kleine Kinder aufzunehmen. Seine Frau, Irais Martinez (30), und er wünschten sich für ihr Kind jedenfalls weiterhin, dass es in der nahen Umgebung Freunde finden kann. Das Alternativangebot habe er abgelehnt, so der Vater. Er kämpfe weiter, hoffe nun auf das Kitajahr 2017/2018.

„Die Kommune zahlt immer drauf“

Vertreter der Stadt haben sich mehrfach Zeit genommen für Juan Simon. Doch man habe in dem Fall nicht anders handeln können, sagt Uwe Alex, Leiter des Amtes für Kinder, Jugend und Schule. Er wäre in vergleichbarer Situation zwar selbst verärgert gewesen, und wisse auch, dass die Vergabe von Kindergartenplätzen für Außenstehende nicht eben leicht zu durchschauen sei. „Doch in diesem Jahr werden an den Denkhauser Höfen tatsächlich nur U 3-Plätze frei.“ Diese könne man nicht einfach mit Ü 3-Kindern besetzen, da für ihre Errichtung einst so genannte Investitionskostenzuschüsse des Landes geflossen seien, die es zum Beispiel ermöglichten, Wickelplätze und zusätzliche Räumen für die Kleinsten einzurichten. „Würden wir diese Plätze nun anderweitig besetzen, müssten wir die Zuschüsse anteilig zurückzahlen“, erklärt Alex.

Wirtschaftliche Interessen spielen laut Alex übrigens keine weitere Rolle bei der Vergabe von Kita-Plätzen: „Die Kommune zahlt in jedem Fall drauf“. Ihm und den Mitarbeitern gehe es darum, die Vorgaben des Gesetzes zu erfüllen: 100 Prozent der Ü 3-Kinder und (bis zum Jahr 2020) auch 45 Prozent der U 3-Kinder müssten mit Plätzen versorgt werden. Juan Simon habe man deshalb selbstverständlich ein Angebot gemacht: in einer Einrichtung rund anderthalb Kilometer von seinem Zuhause entfernt. „Ehrlich gesagt, da haben andere Eltern schon schlechtere Angebote bekommen“, so Alex.