Mülheimer Energiewende namens Bachmann geht in den Ruhestand

Hans-Gerd Bachmann hat die Medl aufgebaut und zur erfolgreichsten Stadttochter entwickelt.
Hans-Gerd Bachmann hat die Medl aufgebaut und zur erfolgreichsten Stadttochter entwickelt.
Foto: Stephan Glagla / Funke Foto Serv
Was wir bereits wissen
Der Medl-Chef Hans-Gerd Bachmann geht in den Ruhestand und hinterlässt eine sehr erfolgreiche Stadttochter, hat aber Sorge um die Klimainitiative.

Mülheim.. Statt Gas und Strom nun also Garten und Sport. Zumindest erst einmal etwas Pause, den Kopf freibekommen. Hans-Gerd Bachmann (64), bis Ende Juni Chef der Medl, ist in den Ruhestand gegangen. Mit ihm geht ein eher stiller, aber auch ehrgeiziger Macher, der wie kaum ein anderer Spuren in der Stadt hinterlassen hat. In den vergangenen 18 Jahren hat er mit dem Energiedienstleister eine Erfolgsgeschichte geschrieben – ökonomisch und ökologisch. In der Politik wird von einer Ära gesprochen, die der Stadt gut tat.

Bachmanns Credo: „Wir müssen alle etwas dafür tun, dass die Stadt lebenswert bleibt, wir sollten immer wieder an Verbesserungen arbeiten – und das gilt natürlich auch für Energieunternehmen.“ Als der Maschinenbauer, Wirtschaftsfachmann und ehemalige Hockey-Nationalspieler 1997 die Gründung der Medl vorbereitete und umsetzte, war gerade in Kyoto/Japan die Weltklimakonferenz zu Ende gegangen. „Die Medl sollte für Mülheim die Möglichkeit schaffen, die ökologischen Ziele und die Gestaltung der Energiewende vor Ort zu gestalten – klimaverträglich, Ressourcen schonend“, erinnert sich Dr. Wilhelm Knabe, der damalige Grüne Bürgermeister in Mülheim. Medl war ein Projekt der damals ersten schwarz-grünen Koalition auf kommunaler Ebene.

Engagement für die Stadtgesellschaft

Einer, der dazu den nötigen Gründergeist mitbrachte, war Bachmann. Während die Städte ringsherum längst leistungsstarke Stadtwerke aufgebaut hatten, verfügte die Stadt Mülheim nur über die Fernwärme GmbH. Gas, Strom, zunehmend Kraftwärmekopplung, lokale Blockheizkraftwerke – sukzessive baute Bachmann am Energiemarkt Mülheim, machte Gewinn für die Mutter Stadt, die damit ihre Sorgenkinder aufpäppeln konnte – und Medl lieferte neben Energie konstante Preise, über lange Zeit.

Medl ist längst mehr als nur Energie für die Stadt. Ihre Kampagne „Wir alle sind Mülheim“, die die Menschen an verschiedensten Orten der Stadt in Blick nahm, sollte eben auch für jene lebenswerte Stadt werben. Mit der „Medl-Nacht der Sieger“ schaffte Bachmann vielleicht d a s gesellschaftliche Ereignis für alle Bürgerschichten im Jahr, an dem bis 3000 Besucher ihre Freude haben. Ob Mitmach-Zirkus für Kinder, Hilfe für einen kleinen Sportverein – Medl engagiert sich auf vielen Feldern. „Wir verdienen in Mülheim viel Geld, da sollte man Bürgern und Unternehmen auch einen Teil wieder zurückgeben.“

Die Bürger mitnehmen – Bachmann gelang es zuletzt durch eine Art Anleihe für Bürgerenergie-Projekte, ein Papier mit vergleichsweise hohen Zinsen. Die Nachfrage war riesig, für Bachmann auch ein deutliches Zeichen dafür, dass die Mülheimer hinter dem ökologischen Weg der Medl stehen.

Was ihn am Ende besorgt, ist die mangelnde Unterstützung der Mülheimer Klimainitiative, die den Bürgern Klimaschutz im Kleinen nahebringen soll. Die Medl hatte in den ersten Jahren die Finanzierung gesichert, seitdem muss die Initiative jedes Jahr aufs Neue darum bangen, ob sie von der Stadt die nötige finanzielle Unterstützung erhält. „Wenn wir von dem Ziel der Klimainitiative, der CO2-Einsparung, überzeugt sind, sollten wir uns auch dahinter versammeln.“