Mülheimer Eltern bleiben auf den Barrikaden

Vom Kita Streik betroffene Eltern demonstrieren am und im Rathaus.
Vom Kita Streik betroffene Eltern demonstrieren am und im Rathaus.
Foto: FUNKE Foto Services
Was wir bereits wissen
Weitere Aktionen zum Kita-Streik sind geplant, 280 Mitarbeiter befinden sich im Ausstand.Am Montag wollen Eltern und Kinder zum Verdi-Büro ziehen.

Mülheim.. Längst läuft die vierte Woche, in der die meisten städtischen Kitas geschlossen bleiben. Immerhin: Am heutigen Mittwoch wollen Gewerkschaften und kommunale Arbeitgeber in Berlin ihre Verhandlungen fortführen, Hoffnung kommt auf, der Streik könnte Anfang nächster Woche beendet werden. Betroffene Eltern in Mülheim wollen sich darauf jedoch nicht verlassen und ziehen sich auch nach der politischen Zusage, dass Kita-Beiträge für die Ausfallzeiten erstattet werden, nicht zurück. Sie bereiten weitere Aktionen vor.

So soll am Montag um 14 Uhr, sofern der Arbeitskampf dann noch anhält, eine Kundgebung an der Verdi-Bezirksgeschäftsstelle in Oberhausen stattfinden. Initiator ist der Mülheimer Stadtelternrat, dessen Vorsitzende Nicole Ritter erklärt: „Wir haben auch den Oberhausener Stadtelternrat informiert.“ Möglichst gemeinsam mit Betroffenen aus der Nachbarstadt ist eine „Klagemauer“ geplant: eine Wäscheleine voller Papiere und Plakate, auf denen Eltern ihre individuellen Anliegen formulieren.

Kitas könnten für Betreuung in Eigenverantwortung geöffnet werden

„Zeigt euch verhandlungsbereit“ – diese Botschaft will man den Gewer­kschaftsvertretern übermitteln und kommt damit zugleich einem Appell von Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld nach. Sie hatte protestierenden Eltern und Kindern beim Gespräch am Montag geraten, ihre Forderungen „auch bei der anderen Seite zu hinterlegen“. Über eine Facebook-Gruppe interessierter Eltern wird angekündigt, die Räumlichkeiten von Verdi „besichtigen“ zu wollen. Allein diese Aussicht dürfte dort Eindruck machen. Verantwortliche der Stadt waren nämlich nach der Protestaktion vom Montagnachmittag hörbar verstimmt, angesichts der Abfallmengen und Wandkritzeleien, die die (kleinen) Gäste im Historischen Rathaus hinterlassen hätten.

Vor Ort hatte die Stadt angeboten, Kindertagesstätten für Betreuung in Eigenverantwortung zu öffnen, falls Eltern dies organisieren und entsprechende Verträge schließen. Laut Lydia Schallwig, Abteilungsleiterin im Jugendamt, könnten solche Lösungen „innerhalb weniger Tage“ realisiert werden. Der Stadtelternrat würde solche Initiativen gebündelt weitergeben. Bis zum gestrigen Dienstag lagen der Verwaltung allerdings noch keine konkreten Anfragen vor.

Gespannt auf Berliner Ergebnisse

Dafür haben Mülheimer Eltern eine an beide Verhandlungsparteien gerichtete Online-Petition verfasst („Uns reichts! Schluss mit dem Kita-Streik“), in der sie argumentieren: Der Ausstand setze nicht die kommunalen Arbeitgeber unter Druck, sondern nur Kinder, Eltern „und die in Mitleidenschaft gezogenen Angehörigen, welche für die Betreuung einspringen“.

Dass die Streikbeteiligung nach wie vor leicht steigt, berichtet Dirk Neubner, Vorsitzender des Personalrates der Stadt. Am gestrigen Dienstag befanden sich danach 280 Mülheimer Erzieherinnen und Sozialarbeiter im Ausstand. „Wir warten jetzt gespannt auf das, was in Berlin geschieht“, sagt Neubner und spricht damit für viele...