Mülheimer Betriebe finden keine geeigneten Auszubildenden

Gerade in der in der Metall- und Elektrobranche erreicht die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge bisher nicht das Niveau früherer Jahre
Gerade in der in der Metall- und Elektrobranche erreicht die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge bisher nicht das Niveau früherer Jahre
Foto: dpa-tmn
Was wir bereits wissen
Auch in Mülheim haben viele Unternehmen Probleme damit, geeignete Auszubildende zu finden. Dies ist vor allem für kleine Betriebe ein Problem.

Mülheim.. Die Suche nach dem geeigneten Nachwuchs bereitet Unternehmen vermehrt Probleme. Dabei war sie nie einfach gewesen. Die Zwischenbilanz Ende Mai fällt denn auch deutlich schlechter aus als noch vor einem Jahr. 307 Ausbildungsverträge wurden bis dahin in Mülheim geschlossen, ein Minus von 9,7 Prozent. Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) geht man davon aus, dass es am Ende des Ausbildungsjahres, 30. September, eine rote Zahl geben wird. „Insbesondere kleine Unternehmen stehen vor der Herausforderung, geeignete Bewerber zu finden“, sagt IHK-Präsidentin Jutta Kruft- Lohrengel.

An die 4300 Ausbildungsverträge konnten zuletzt in der Region Mülheim, Essen, Oberhausen abgeschlossen werden, in diesem Jahr erwartet man, dass so eben noch die 4000er-Marke geschafft wird. Große Hoffnungen setzt die Industrie- und Handelskammer dabei in den nächsten Wochen auf die ehrenamtlichen Ausbildungsplatz-Aquisiteure, die Betriebe zur Ausbildung motivieren sollen.

Viele Auszubildende suchen sich heute den Betrieb aus

Doch der Markt, das weiß Jutta Kruft Lohrengel, hat sich auch insofern gewandelt, dass vermehrt die Auszubildenden sich einen Betrieb aussuchen – und nicht umgekehrt. Gerade gute junge Leute wissen um ihre Chancen. Und nicht immer sei sicher, dass diejenigen, die im Winter oder Frühjahr noch für eine Lehre zugesagt hätten, im Sommer dann auch auf dem Betriebshof stünden.

Momentaner Lichtblick sind die Industriekaufleute. Hier stieg die Anzahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge. Dagegen sieht es im Hotel- und Gaststättengewerbe, in der Metall- und Elektrobranche sowie im Groß- und Einzelhandel deutlich schlechter aus. Auch die einst beliebten Büroberufe seien deutlich rückläufig, stellt die IHK fest.

Fachkräftemangel könnte zum Problem werden

Es sind mehrere Faktoren, die sich derzeit, so die IHK-Präsidentin, negativ auf den Ausbildungsmarkt auswirken. „Wir gehen auch davon aus, dass die in der Metall- und Elektroindustrie vereinbarte Tarifregelung, wonach Auszubildende nach bestandener Prüfung zu übernehmen sind, ebenfalls negative Folgen haben wird.“

Für den von den Unternehmen so gefürchteten Fachkräftemangel sind das alles keine guten Aussichten. „Der demografische Wandel wird den Fachkräftemangel in den nächsten Jahren noch verstärken. Unser Ziel bleibt, diesen Trend noch zu wenden“, sagt Jutta Kruft Lohrengel und setzt dabei auch auf Unterstützung aus der Politik. Die Botschaft müsse allen klar sein: „Ausbilden heißt Zukunft sichern.“

Zuversichtlich stimmt dagegen die Kammer, dass das Interesse an Informationsveranstaltungen und Workshops zu möglichen Existenzgründungen ungebrochen hoch ist, teils sogar ansteigt. „Hier haben sich die Besucherzahlen gegenüber dem Vergleichszeitraum von Januar bis Mai 2014 sogar um 19.9 Prozent erhöht“, so der Hauptgeschäftsführer der IHK, Gerald Püchel. Ebenfalls in dem Umfang erhöht haben sich die angeforderten Stellungsnahmen durch die IHK für öffentliche Förderprogramme. Spitzenreiter unter den Branchen für Start-ups ist der Dienstleistungssektor.