Mülheimer begeben sich auf die Spuren August Thyssens

Unter Schirmen und dem Motto „Schlägel und Eisen“ ging es auch zum RWW-Wassermuseum.
Unter Schirmen und dem Motto „Schlägel und Eisen“ ging es auch zum RWW-Wassermuseum.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Rund 20 Interessierte kamen zum Rundgang „Schlägel und Eisen“ durch Styrum. Hans-Georg Hötger erklärte Wissenswertes über die Historie des Stadtteils.

Mülheim-Styrum.. Zu einem Rundgang durch Styrum hatte das Mülheimer Stadtmarketing (MST) am Samstag eingeladen. Trotz Regens kamen rund 20 Interessierte, um sich von Stadtführer Hans-Georg Hötger Wissenswertes aus dem Viertel erklären zu lassen.

Ein Name fällt beim Rundgang immer wieder: August Thyssen. Der Industrielle hat 1870 das Walzwerk Thyssen & Co. gegründet, den Bau der Kirche St. Mariae Rosenkranz ermöglicht, den Wasserturm gebaut und das Schloß Styrum gekauft. Er hat letztlich mit seinen Industrieansiedlungen entlang der Bergisch-Märkischen Eisenbahnlinie dafür gesorgt, dass aus einem landwirtschaftlich geprägten Stadtteil ein Industrieort wurde, dass Mülheim schon 1908 mit 100 000 Einwohnern Großstadt wurde.

In Styrum gibt es 14 Bunker

Start des Rundgangs ist an der neugotischen Basilika St. Mariae Rosenkranz, für deren Erbauung August Thyssen 100.000 Goldmark stiftete. „Eine Kirche aus gelben Lehmziegeln“, weiß Hötger, denn Lehm gebe es dank zahlreicher Überschwemmungen reichlich unter Styrum. Er empfiehlt einen Besuch der „Arbeiterkirche“, mit dem Altarkreuz des Mülheimer Künstlers Ernst Rasche.

Vor der Kirche weist er auf den ersten Bunker hin. Sieben Tief- und sieben Hochbunker gebe es in Styrum, alle schon bis 1941 auf Befehl von Adolf Hitler gebaut, um die Arbeiter des kriegswichtigen Industriestandortes zu schützen. Hötger, der als Kind bei einem Bombenangriff verschüttet wurde, ist Experte ist auf dem Gebiet und lässt eigene Kriegserlebnisse einfließen. Sei die Deckenstärke für die Führerbunker 2,50 Meter gewesen, mussten 1,40 Meter für die Zivilbevölkerung reichen, so Hötger.

So berichtet er vom Styrumer Kaplan Heinrich Küppers, der, nachdem er dem Konzentrationslager Dachau 1945 lebend entkommen war, in einer ehemaligen Gefangenenbaracke das Gotteshaus der Gemeinde St. Albertus Magnus gründetet habe.

Weiter führt der Rundgang zum Kunstwerk „Rostvita“ und dem klassizistischen Bahnhofsgebäude Styrum. Einer von ehemals sieben Bahnhöfen der Stadt, der, so Hötger, leider nicht unter Denkmalschutz stehe.

800 Funde sind dokumentiert

Die Gelegenheit, das „Haus am Wasser“ der RWW Rheinisch-Westfälischen Wasserwerksgesellschaft anzusehen, bietet RWW-Museumsleiter Andreas Macat. Er stellt der Gruppe die archäologischen Untersuchungen vor, die im Vorfeld der Renovierungen des „Neickmannshofes“ gemacht wurden. Schon seit Ende des 16. Jahrhunderts stehe der Hof an diesem Ort, und habe nicht nur der landwirtschaftlichen Produktion gedient, sondern es sei dort Eisen verhüttet worden. Alle 800 Funde seien dokumentiert, so Macat, und es habe bis ins 18. Jahrhundert dort Öfen gegeben. „In Styrum wurde schon im 16. Jahrhundert ,Rasen-Eisenerz’ verhüttet.“

Sichtlich beeindruckt wandert die Gruppe zum Schloß Styrum und Wasserturm, wo sich der Kreis schließt. 1890 hat August Thyssen die Schlossanlage als Wohnsitz für seine Direktoren gekauft, 1959 hat sein Nachfahre, Baron von Thyssen Bornemisza, das Schloss der Stadt als Spende übereignet. Auch den Wasserturm hat August Thyssen bauen lassen, um die Wasserversorgung in seinen Unternehmen zu gewährleisten. Heute ist der Turm ein Museum und längst ein Wahrzeichen des immer noch industriell geprägten Stadtteils.