Mülheim ohne Beratungsstellefür Frauen in Not
06.08.2008 | 10:09 Uhr 2008-08-06T10:09:00+0200SPD und MBI im Rat machen sich für eine Einrichtung stark
Für Marianne Wüstefeld ist die Tatsache, dass Mülheim keine Beratungsstelle für Frauen in Not hat, schlechterdings „verheerend”. Das sehen die Ratsfraktionen von SPD und MBI ähnlich. Beide machen sich jetzt für die Einrichtung einer Beratungsstelle stark. Wüstefeld ist Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Autonome Frauenberatungsstellen in NRW und zeigt am Beispiel eines „Wohnungsverweises”, der gegen Gewalttäter ausgesprochen werden kann, die Notwendigkeit der Beratungsstelle auf. „Soll der Frau wirklich geholfen werden, muss sie einen Antrag auf Kontakt- und Näherungsverbot stellen, sonst kann der Mann nach zehn Tagen zurückkommen.” Nur: Die wenigsten Frauen seien darüber aufgeklärt. „Das kann am ehesten eine Beratungsstelle vor Ort leisten.” Der Weg in die Nachbarstadt sei keine Lösung. Die Beratungsstellen dort seien selbst überlastet, kennten sich oft mit Behörden- und Beratungsstellen anderer Städte nicht aus. Bei der Finanzierung sieht Marianne Wüstefeld Fragezeichen. „Ziel des Landes ist, jeden Kreis und jede kreisfreie Stadt mit einer Beratungsstelle zu bestücken, deshalb lohnt sich eine Förderanfrage auf jeden Fall. Das Land hat in den letzten Jahren allerdings keine Beratungsstelle mehr in die Förderung aufgenommen.” Stünde eine weitere Beratungsstelle in Konkurrenz zum örtlichen Frauenhaus und dessen Träger, der Verein „Hilfe für Frauen” am Hans-Böckler-Platz? Zur Information: Jährlich zählt das Frauenhaus 250 bis 300 externe Beratungsfällen (das sind Frauen, die vorher noch nie Kontakt zum Frauenhaus hatten). Insider fürchten indessen, dass die Personalkosten für eine Frauenberatungsstelle die Existenz des Frauenhauses gefährden könnte. Dann doch lieber den Spatz in der Hand . . .. Für sie sind die Anträge Wahlkampfgetöse. Außerdem gebe es in der Stadtverwaltung genügend qualifizierte Kräfte, die Beratung für hilfesuchende Frauen leisten könnten. Andrea Gehl, zweite Vorsitzende von „Hilfe für Frauen”, äußert sich zurückhaltend: „Wir warten das Gespräch mit der Oberbürgermeisterin am 11. August ab.”

15:18
Der Beratungsbedarf für Frauen ist seit Jahren bekannt. Aber MH ist da seit über einem Jahr auf dem Spartrip:
Da ist noch mehr Bedarf, z.B. für Familien (alleinerziehende Mütter) mit auffälligen bzw. behinderten Kindern. Da spart sich die Stadt auch schon lange herum. Das Behandlungszentrum Bruchstr. ist da alleine vollkommen überfordert: Lange Wartezeiten und unzufriedene Klienten. Die Angebote von freien Einrichtungen werden geflissentlich nicht angenommen.
So ist das nun mal mit der Einstellung zu Frauen- und Familienfragen.