Mülheim ist mehr als die Schloßstraße

Probesitzen auf den neuen Bänken, die auf dem Rathausmarkt aufgestellt werden sollen, können die Mülheimer schon mal am 10. Mai, dem verkaufsoffenen Sonntag. Im Wertstadthaus am Lohberg/Kohlenkamp werden drei bis vier Modelle präsentiert. Die Bürger können dann mitentscheiden, welche Bänke es letztlich werden sollen. Im August beginnt die Neugestaltung des Rathausmarktes und damit die für jeden Bürger sichtbare Umsetzung des integrierten Innenstadtkonzeptes. Begleiten wird den mehrere Jahre dauernden Umbauprozess des Stadtzentrums der Innenstadtbeirat, der Politik und Verwaltung beratend zur Seite steht.

6,8 Millionen Euro

Das Konzept für die Innenstadtgestaltung ermöglicht den Zugriff auf städtebauliche Fördergelder in Höhe von 6,8 Millionen Euro für vier Jahre bei einem Eigenanteil von 30 Prozent, den die Stadt tragen muss. 670 000 Euro davon werden in die erste bauliche Umsetzung, den Rathausmarkt, fließen. Ein „Innenstadtmanagement-Büro“ soll Ende September eingerichtet werden, besetzt mit Architekten, Raum- und Stadtplanern oder Sozialwissenschaftlern, die eine Vermittlerrolle zwischen Verwaltung, Eigentümern und Bürgern übernehmen. Die europaweite Ausschreibung soll bald erfolgen. Die Innenstadtmanager sollen den Kontakt zu den Bürgern herstellen, auf die Eigentümer zugehen und u.a. für ein Hof- und Fassadenprogramm werben, das eines der Projekte in 2016 werden soll und für das es Fördergelder gibt.

Der Innenstadtbeirat, der sich aus Vertretern der Politik und Verwaltung sowie Innenstadtakteuren zusammensetzt, sieht die Innenstadt als Ganzes. „Wir müssen wegkommen vom Gedanken, dass Mülheim nur die Schloßstraße ist“, sagt Bernd Hermes, Beiratsvorsitzender und Mitglied der Werbegemeinschaft Innenstadt. Auch die Anbindung der Altstadt an die Innenstadt soll nachhaltig thematisiert werden. Begrüßt wird auch die geplante Änderung des Bebauungsplanes für die Nutzung der Gewerbeflächen in den Ruhrquartier-Häusern. So soll der Plan dahingehend geändert werden, dass in die Arcaden gegenüber des Rathausplatzes durchaus ein größerer Einzelhandel einziehen könnte. Das war bislang nicht vorgesehen, um den Geschäften an der Schloss- und Leineweberstraße keine Kunden abzuziehen.

Insgesamt sind im Innenstadtkonzept 20 Maßnahmen vorgesehen. Eine ist der Ausbau der Rheinischen Bahntrasse zum Radweg. Der vom RVR bis Jahresende von der Stadtgrenze Essen bis zur Max-Kölges-Straße gebaute Radweg soll 2016 mit Städtebaufördermitteln vom Bahnhof bis zum Rathausmarkt weitergebaut werden.

2017 soll es mit zwei Projekten weitergehen, für die noch in diesem Jahr die Wettbewerbe ausgeschrieben werden – zur „Gestaltung des öffentlichen Raums“ und zur „Inszenierung der Eingangstore“. Gesucht werden Gestaltungskonzepte beispielsweise für die Leineweberstraße oder auch Zugänge zur Stadt wie die Eppinghofer Straße Richtung Hauptbahnhof. Fachleute sollen Vorschläge machen, die dann aber auch mit Bürgern diskutiert werden. Schließlich sollen die Mülheimer in den Prozess eingebunden bleiben. Denn: „Sinn der Sache ist es“, so Hermes, „die Bürger davon zu überzeugen, wieder in die Innenstadt zurückzugehen.“