Morgens die Kleinen, nachmittags die Schüler, abends die Großen

Das Tschechow-Stück ist eine Koproduktion mit „Les Theatres de la Ville de Luxembourg“. Eine große Koproduktion gibt’s mit den Ruhrfestspielen, wofür Sie das Koltés-Stück „Rückkehr in die Wüste“ inszenieren. Welche Rolle spielen Koproduktionen?

Es ist ein sinnvoller wechselseitiger Austausch. Die Festspiele haben das Geld und die Theater bieten dafür ihre Kunst. Für Festivals ist der Erfolg bei Zuschauern und Kritikern enorm wichtig. Über das Vertrauen und die Wertschätzung, die uns die Ruhrfestspiele Recklinghausen entgegenbringen, freue ich mich sehr. Es ist nicht einfach, dort einen Auftrag für eine Koproduktion zu bekommen.

In Zeiten allgemeiner Finanznot kämpfen Kultureinrichtungen ums Überleben. Wie wichtig ist die Ökonomie fürs Theater?

Sie ist keineswegs unwichtig. Wenngleich wir das Schwergewicht auf die künstlerische Arbeit legen, ist es die Basis unseres Erfolgs, dass dieses Haus seit Jahrzehnten ökonomisch sehr gut geführt ist. Das geht immer ein bisschen unter, aber das ist für ein Haus, das mit öffentlichem Geld gefördert wird, eine maßgebliche Voraussetzung.

Wie sieht Ihr Tag im Theater an der Ruhr aus?

Es ist ein erfüllter Tag. Morgens rennen die Kleinen durchs Haus, die sich die von Maria Neumann gespielten Märchen anschauen. Wenn ich von meinen eigenen Proben zurückkomme, treffe ich Schüler, die das, was sie im Unterricht gelesen haben, nun auf der Bühne erleben können. Und abends begegne ich vor den Aufführungen der mittleren und älteren Generation. Für ein Haus mit so wenigen Mitarbeitern ist es schon eine Leistung, so viele Menschen erreichen zu können.