Mölmsch 2.0

Netzwerk - man spricht das Wort schnell aus. Aber in dieser Woche zeigte sich auch in Mülheim, wie weit so ein Netz tatsächlich reichen kann - bis nach Frankreich. Nach dem Terror-Anschlag in Paris haben auch in den Mülheimer Facebook-Gruppe zahlreiche Menschen ihre Trauer zum Ausdruck gebracht. „Je suis Charlie“ - dieses Solidaritätsbekenntnis mit den Opfern des Anschlags, die Mitarbeiter der Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ waren, haben sehr viele Mülheimer Facebook-Nutzer geteilt. Manche haben ihr Profilbild gegen den Schriftzug ausgetauscht. Hier zeigt sich: Solidaritätsdemonstrationen finden heute nicht mehr nur auf der Straße statt. Man zündet kein Licht an oder hält ein Plakat hoch, sondern setzt einen „Hashtag“. So heißt in der Netzsprache ein Doppelkreuz, das vor ein bestimmtes Schlagwort gesetzt wird, um dies so zu markieren und als Suchbegriff erkennbar zu machen. Und das Schlagwort dieser Tage lautet eben: „Je suis Charlie“. So wird Facebook auch für viele Mülheimer zu einem digitalen Kondolenzbuch.

Entsprechend einmütig fallen auch die Kommentare in den Gruppen aus. Obwohl sich ja sonst die Gruppenmitglieder gerne streitlustig zeigen, in diesem sind die Aussagen einmütig: Es gilt uneingeschränkte Solidarität mit den Opfern. Allerdings zeigt sich in den Mülheimer Gruppen auch, dass die Halbwertzeit dieser Betroffenheit bei einigen recht kurz ausfällt. So dominieren in der „Du weißt“-Facebook-Gruppe (rund 13.500 Mitglieder) mittlerweile schon wieder die typischen Allerwelts-Anfragen, sie reichen von der Suche nach guten XXL-Restaurants bis hin zu einem Laden, wo man günstig Luftballon mit Helium füllen kann.

Man sieht: Die Betroffenheit ist schnell da, dann aber auch wieder schnell weg. Allerdings nicht bei allen. So wurden etwa in der Gruppe „Die schöne Stadt am Fluss“ (rund 3500 Mitglieder) auch noch mehrere Tage nach dem Anschlag Diskussionen über die Folgen und Hintergründe geführt. In erfreulich sachlichem Ton.