Modelle, die irritieren

Mit der gut zweijährigen Vorbereitung der China 8-Ausstellung nach einer Idee des Leiters des Duisburger Museums Küppersmühle, Prof. Dr. Walter Smerling, waren ein Kuratorenteam, ein künstlerischer Beirat und die Direktoren der neun beteiligten Museen beschäftigt. Nach Gemeinschaftsprojekten stellt sich die Tragfähigkeit des Netzwerkes aus Ruhr-Kunst-Museen, darunter auch das Mülheimer Haus, mit dieser Mega-Ausstellung erneut unter Beweis. Dass diese Präsentation von Mitte Mai bis Mitte September für überregionale Aufmerksamkeit sorgen wird, zeigt bereits das große Interesse der Medien im Vorfeld.

Die Gegenwartskunst aus China ist angesagt und ein zunehmender Markt für Sammler- und Liebhaberstücke. Nun ist China nicht erst seit dem Skandal um den Konzeptkünstler Ai Weiwei dafür bekannt, dass die Volksrepublik mit regierungskritischen Künstlern keineswegs zimperlich verfährt. Ob man nun das Image aufpolieren wollte, sei mal dahingestellt. Jedenfalls sei bei der Ausstellung von Zensur nichts spürbar gewesen, erläutert Museumsleiterin Dr. Beate Reese: „Alle Kunstwerke, die von dem Kuratorenteam ausgesucht wurden, konnten ausreisen.“

Das galt wohl auch für die Kreativen, die nach dem Konzept ausgewählt wurden, „bekannte Künstler und etablierte Positionen mit weniger bekannten zusammenzubringen“, so Reese. Einige der sechs in Mülheim ausstellenden Künstler waren mit Assistenten und Übersetzern länger vor Ort, um ihre Installationen und Skulpturen aufzubauen. Ihre Arbeiten sind als ein kritischer Spiegel der chinesischen Gesellschaft zu sehen. Während die Ausstellung im Foyer mit einer gemütlichen alten Telefonschalt-Anlage der Marke Siemens in Kombination als Wohnschrank als ein Fingerzeig auf den Konsumgüterwahn Ost-West und umgekehrt beginnt, so geht es im Obergeschoss martialisch vor aktuellem Hintergrund zur Sache.

Ein Höhepunkt ist die 16 Meter lange Tunnel-Inszenierung von Zhou Xiaohu: Ein begehbarer Beklemmungsschlauch, in die Besucher durch die Kriegs-, Terror- und Krisenherde dieser Welt geschleust werden, und per Telefon mit den Machthabern in Dialog treten können: nichts für schwache Nerven. Direkt, aber mit reichlich Ästhetik versehen, sind die Arbeiten wie die von Li Wei: Der Händler, der sich nach Protesten erhängte, die Bondage-Kunst von Xu Zehn, die für Folter, Ekstase und Kontrollverlust steht, oder die eindrucksvolle Installation aus Arbeitsgeräten von Yuan Gong als Hinweis auf die Situation der Bauern, denen nach einem Erdbeben die Lebensgrundlage entzogen wurde: Allesamt Modelle der Irritation, wie es der Titel der Ausstellung verspricht.