Mit weiten Wegen leben
27.03.2009 | 19:40 Uhr 2009-03-27T19:40:00+0100An der Rezeption des Freizeitparks gibt es frisch aufgebackene Brötchen. Jeden Tag. Sieben Sorten sogar. Doch wer mit Familie im Mobilheim wohnt, kommt ohne Auto nicht aus.
Die Sesam-Saison ist eröffnet: Seit Mitte März werden an der Rezeption des „Freizeitdomizils Entenfangsee” frische Brötchen verkauft. Ab halb sechs in der Früh läuft der Backofen heiß.
Sieben Sorten gehen im ständig besetzten Empfangsgebäude über die Theke, wo auch die Post angenommen wird und etliche andere Fäden zusammenlaufen, an denen das tägliche Leben auf dem Platz hängt. Dieser liegt schließlich zwei bis sieben Kilometer entfernt von den nächsten Siedlungen, ob man nun Duisburg-Bissingheim ansteuert, Mülheim-Selbeck oder Ratingen-Lintorf.
Dennoch: Ein eigener Lebensmittelladen für die Mobilheim-Bewohner lohnt sich nicht. Es gab mal ein Geschäft auf dem Gelände, berichtet Erhard Fischer, Gründer und Chef des Freizeitparks: ab den frühen 70er bis Mitte der 80er Jahre, mit einem Sortiment von Tomaten bis zum T-Shirt. „Doch dann machten rundherum die großen Supermärkte auf. Und hier im Laden wurden nur noch Salz und Zucker gekauft.” Zu wenig.
Heute ist das Verpflegungsangebot vor Ort überschaubar. Die üblichen Lieferanten bringen auf Bestellung Getränke oder Tiefkühlkost zur Adresse „Am Entenfang”. Freitags fährt der Gemüse- und Eiermann vor, samstags ein Bäckerwagen mit Kuchen.
Da jedoch auch bei diesen Mülheimer Bürgern der Altersschnitt steigt, schauen spezielle Dienstleister vorbei: Die einen liefern Essen auf Rädern, andere leisten Pflegedienste. „Ein Apotheker kommt jeden Tag hierhin”, sagt Fischer. „Die Leute geben ihre Rezepte ab, und abends sind die Medikamente da.”
Windeln, Nudeln und Tiernahrung kann man sich auf diesem Wege nicht besorgen. Sabine Mohr braucht all das in nicht unerheblichen Mengen, weil sie einen Drei-Generationen-Haushalt versorgt, zu dem auch zwei Mischlingshunde, ein Meerschweinchen, zwei Katzen gehören. Daher meint die 45-Jährige: „Man braucht unbedingt ein Auto, wenn man hier wohnt.”
Familie Mohr zog vor zwölf Jahren aus einer Wohnung in Ratingen-Lintorf in ihr geducktes, sehr dunkles Holzhäuschen mit Geweih am Giebel und 50 ´qm Grundfläche. Heute sind die Kinder fast erwachsen: Die 18-jährige Ellen besucht eine Gesamtschule in Ratingen, Maximilian (17) macht ein Praktikum. Seine große Schwester Jacqueline (21), die mit ihrem Freund nebenan wohnt, ist in der Ausbildung zur Köchin. Mutter ist sie allerdings auch schon, und aus praktischen Gründen wohnt der einjährige Lukas die Woche über bei seiner Oma Sabine. Die sich auch sonst um das Allermeiste kümmert.
Ihr häufigstes Fahrziel ist: Ratingen-Lintorf, die frühere Heimat. Hier wird mehrmals wöchentlich eingekauft (Brötchen aus der Platzbäckerei gibt's nur am Wochenende, „sonst essen die Kinder Kellogg's”). In Lintorf sitzen auch Haus-, Zahn-, Frauen- und Kinderarzt. Im medizinischen Notfall, der bislang nicht eintrat, würde Sabine Mohr zum Kaiserwerther Diakonie-Krankenhaus fahren, „Vielleicht 15 Minuten entfernt”. Sie ist gebürtige Düsseldorferin und gesteht: „Manchmal wünsche ich mir, wieder mitten in der Stadt zu wohnen.”
Um eine spezielle Versorgungslücke am Entenfang zu füllen, hat Sabine Mohr kürzlich eine Krabbelgruppe gegründet: den Raum organisiert, das Bällebad. Die engagierte Oma wird es noch brauchen: Im Herbst bekommt Lukas ein Geschwisterchen.

22:34
An alle Geschädigte: auch wir gehören jetzt zu den abgezockten! Wenn die Wut bei euch noch nicht abgeklungen ist dann meldet euch unter reslan@web.de.
Wir möchten eine Interessengemeinschaft gründen um zu prüfen, ob man nicht gegen diese Machenschaften am Entenfang etwas tun kann. Gemeinsam ist man stärker - auch die Medien können helfen.
14:10
DER ENTENFANG IST DAS LETZTE KEINEM ZU RATEN DA EIN MOBILHEIM ZU KAUFEN !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
22:17
ja nur mit brötchen ....wieder mal was für die zeitung...was sich für leser gut anhört die von den anderen dingen die dort abgehen nichts wissen ...hauptsache frische brötchen
13:16
Ja Brötchen gibts nicht mehr, war angeblich nicht genug Reibach mit zu machen. Schade für all die alten Leute die jetzt darauf verzichten müssen.
19:30
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
12:39
selbeck ist ein kaff. hier gibts nur den schmackes der jetzt zu macht, ne tanke und rumbaum. hmm zum glück macht bald ne neue pizzeria auf kann den pommes fras nicht mehr sehen
16:37
Schön geschriebener Bericht, aber Herrn Erhard Fischer als Gründer des Platzes zu nennen find ich nicht nicht ganz korrekt. Soweit ich mich erinnern kann, ist der Gartenarchitekt Jochen Henrici mindestens ein Mitgründer, wenn nicht gar der Gründer des Platzes.
02:50
würde Sabine Mohr zum Kaiserwerther Diakonie-Krankenhaus fahren, „Vielleicht 15 Minuten entfernt”. ..........
Vom Entenfang aus ?
Wie kann man da freiwillig hinziehen bei dem Verkehrslärm der BAB und daß man das Schnarchen der Nachbarn in ihrem Domizil nebenan auch fast nicht überhören kann.