Diabetiker
Mit Vorsorge und Behandlung gegen Amputationen
19.04.2010 | 11:13 Uhr 2010-04-19T11:13:00+0200Die erste zertifizierte Fußambulanz in Mülheim widmet sich dem Diabetischen Fußsyndrom. Das Ziel: Amputationen verhindern helfen.
Die Zahl ist erschreckend: Pro Jahr verlieren 15000 Diabetiker hierzulande ein Bein als Folge ihrer Erkrankung. Amputationen unterhalb des Knöchels sind dabei nicht mitgerechnet. Zertifizierte Fußambulanzen, die sich speziell dem Diabetischen Fußsyndrom widmen, könnten diese Zahl verringern helfen. Die Praxis von Dr. Dieter Neusüß ist als erste in Mülheim seit März als Fußbehandlungszentrum und Fußambulanz nach den Richtlinien der Deutschen Diabetischen Gesellschaft (DDG) anerkannt.
In seiner Diabetologischen Schwerpunktpraxis auf der Kaiserstraße beschäftigt Neusüß mit Jutta Scheunemann und Anne Mutzberg zwei Wundassistentinnen, die gemeinsam mit dem Arzt Diabetiker mit schlecht heilenden Fuß- und Beinwunden fachlich betreuen. „Das Ziel der Fußambulanz ist es“, betont der Internist, „Amputationen zu vermeiden. Es wäre ein Segen für die Patienten, wenn die Zahl der Amputationen verringert werden könnte.“
Typ-2- Diabetiker, die an arteriellen Durchblutungsstörungen und, aufgrund von Nervenschäden, an einem verminderten Schmerzempfinden am Fuß leiden, gehören zu den Hochrisikopatienten und sind ein Fall für eine Schwerpunktpraxis, so Dr. Neusüß. Wunden an Unterschenkeln und Füßen, die etwa durch das Tragen zu enger Schuhe entstehen, heilen dann nicht mehr spontan ab sondern bedürfen einer besonderer Behandlung. Vor allem dann, wenn noch eine Infektion hinzukommt.
Ein zertifiziertes Fußbehandlungszentrum, erklärt Dr. Neusüß, zeichne sich vor allem auch durch seine Vernetzung aus: mit medizinischen Fußpflegern („im Idealfall ist es eine Podologin“), mit orthopädischen Schuhmachern, mit Pflegediensten, Angiologen und Chirurgen.
Dr. Neusüß setzt auf Vorsorge, um die hohe Zahl der Amputationen zu verringern. Chronikerprogramme (DMP) hätten, so der Diabetologe, das Problem schon etwas verbessert. Der Arzt weiß, dass viele Patienten mit vermindertem Schmerzempfinden ihren Füßen nicht (mehr) genug Beachtung schenken – selbst bei tiefen Wunden nicht. Sein Appell: „Diabetes-Patienten sollten sofort einen Arzt aufsuchen und ihm die Wunde zeigen“ Und Jutta Scheinemann ergänzt: „Kleine Wunden heilen in vier bis sechs Wochen.“ Wer nur früh genug komme, dem bleibe viel an möglichen Komplikationen erspart.
