Mit Gewinn durch die Energiewende

In seiner letzten Arbeitswoche vor dem Ruhestand strotzt Hans-Gerd Bachmann vor Energie. Er hat allen Grund dazu: Während es bei den Großen der Branche in Zeiten der Energiewende kriselt, fährt die Medl 2014 ein sattes Ergebnis ein. Wenn der Mitgründer und Geschäftsführer des Energiedienstleisters nach 23 Jahren im Unternehmen am 30. Juni seinen Schreibtisch räumt, hinterlässt er viele Ideen für die Energieversorgung der Zukunft.

In 2013 verzeichnete die Medl ihr bisher bestes Ergebnis. In 2014 war es nur geringfügig geringer, berichtet Bachmann. „Und das, obwohl 2014 ein sehr warmes Jahr war.“ Doch die Umsatzeinbußen durch den niedrigen Gas- und Wärmeabsatz (-21, bzw. -19 %) konnte die Medl durch den Stromabsatz wieder ausgleichen – dieser stieg um satte 68 Prozent. So lag der Umsatz bei ca. 94 Mio. Euro, das Betriebsergebnis bei rund 16 Mio. Euro.

Durch das milde Wetter und damit den geringen Energieverbrauch konnten auch die Energie-Einsparziele in 2014 erreicht werden. Für Bachmann sei das der Beweis, „dass wir auf die richtige Karte gesetzt haben“. Schließlich investiere die Medl seit Mitte der 90er Jahre in ein ökologisches Konzept: Den Ausbau von kleinen Wärmenetzen und der Kraft-Wärme-Kopplung, bei der Strom und Wärme aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.

Ausgebaut habe die Medl auch den Kundenservice und das Dienstleistungsangebot für Privat- und Geschäftskunden. Ebenso seien im vergangenen Jahr die Gespräche mit Wohnungsbaugesellschaften vorangetrieben worden. „Energetische Stadtentwicklung“, nennt das Bachmann, der sich in diesem Feld mehr Aktivität von der Stadtverwaltung wünschen würde. „Hier könnte mehr passieren, in eigene Gebäude investiert werden.“

Zusammen mit Vermietern wie der Vivawest, SWB oder MWB gibt es Pläne, sogenannte Mieterstromkonzepte anzubieten. Ziel ist es, ein eigenes Netz auszubauen, aus dem Kunden neben Wärme auch Strom angeboten wird – unabhängig von den großen Betreibern. Für die Kunden würde sich wiederum der Strompreis deutlich reduzieren, so Bachmann. Mit einem solchen Stromvertrieb, der in den nächsten zwölf bis 18 Monaten realisiert werden soll, will die Medl mehr Stromkunden für sich gewinnen und damit auf lange Sicht in Mülheim den Platzhirsch RWE abhängen.

Er sei zuversichtlich, dass sein Nachfolger, Hendrik Dönnebrink, die Projekte erfolgreich weiterführen und ausbauen werde. Seine Energie will Bachmann ab Juli verstärkt in die Gartenarbeit stecken.