Mit der Schiffsparade durchs Revier

Stadtgebiet..  Die diesjährige Saison der Fahrgastschiffe der Weißen Flotte startete in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal mit einer Schiffsparade über den Rhein-Herne-Kanal. Über 10 000 Besucher kamen zur Parade und säumten Ufer und Kanalbrücken, rund 1000 davon fuhren auf den ausgebuchten Fahrgastschiffen mit. Auch das Mülheimer Schiff „Heinrich Thöne“ verließ zum Saisonstart den heimischen Hafen Richtung Gelsenkirchen. 90 Fahrgäste wollten sich das Erlebnis „Kultur Kanal“ zum 100-jährigen Bestehen des Rhein-Herne-Kanals nicht entgehen lassen.

Shanty-Chor mit an Bord

Mit gemütlicher Geschwindigkeit ging es vorbei an der Stadthalle in Richtung Raffelbergschleuse gen Duisburg. Über den Stichkanal verließ die „Heinrich Thöne“ dann die Ruhr und setzte ihre Fahrt auf dem Rhein-Herne-Kanal fort.

Die Stimmung an Bord war ausgelassen, was wohl nicht zuletzt daran lag, dass einige Mitglieder des Shanty-Chors Hiesfeld aus Dinslaken mit an Bord waren. Immer wieder sorgten sie mit typischen Seemannsliedern für Stimmung, auch die anderen Passagiere sangen spontan mit. „Schifffahrten gehören für einen Shanty-Chor einfach dazu“, sagt Dieter Spickermann, der bereits seit 50 Jahren im Sängerbund aktiv ist. „Wir sind gerne maritim unterwegs.“ Dass die Truppe von Mülheim aus gestartet ist, war eher Zufall. „Als wir am Wasserbahnhof ankamen, waren wir wirklich positiv überrascht“, so Spickermann. „Die tollen Blumenbeete vor dem Wasserbahnhof sehen einfach toll aus, generell ist Mülheim wirklich eine sehr schöne Stadt.“

Tolle Stimmung mit Gänsehaut

An der Schleuse Gelsenkirchen trafen dann über 20 Schiffe festlich geschmückt mit Wimpelketten und Luftballons zusammen und sammelten sich zu einem Schiffskonvoi. Auch zahlreiche Motorjachten, Kanus und Ruderboote beteiligten sich an der Parade. Mit tönenden Schiffshörnern setzte sich der Konvoi in Richtung Kaisergarten Oberhausen in Bewegung. Begleitet wurde die Parade von zahlreichen Fahrradfahrern, Fußgängern und Aktionen am Rande des Rhein-Herne-Kanals. „Da bekomme ich gerade wirklich eine Gänsehaut“, sagt Birgit Rasche, die mit ihrer Tochter auf der „Heinrich Thöne“ an Bord war und das Spektakel sichtlich genossen hat. „Es ist so eine tolle Stimmung, und ich bin froh, dass wir noch Tickets für die Fahrt bekommen haben.“ Auch für die beiden Schiffsführer Günther Sachs und Martin Knaebel war die Parade keine alltägliche Tour.
„Auch für uns ist das ein Highlight“, sagt Martin Knaebel. „Es ist einfach mal was anderes als die üblichen Strecken, die wir in der Saison tagtäglich fahren.“ Dass die Tour letztendlich fast zehn Stunden dauerte, nahmen die meisten Passagiere gelassen. Kerstin Hentschel aus Gelsenkirchen hatte sogar extra die Strecke von Mülheim aus gebucht, um mehr Strecke für den gleichen Preis zu haben. „Letztes Jahr bei der Parade bin ich ab Gelsenkirchen gefahren, aber die Strecke von Mülheim aus ist viel schöner“, sagt Kerstin Hentschel. „Auch mit dem Wetter haben wir dieses Jahr großes Glück und ich genieße die Fahrt sehr.“ Denn trotz angesagten Regens hatte Petrus ein Einsehen und es blieb trocken. Zwischendurch kam sogar immer wieder die Sonne heraus und lockte so die Menschen auf die Brücken, von denen aus sie der Parade zujubelten. Auch der rege Schiffsverkehr auf dem Rhein-Herne-Kanal begeisterte viele Passagiere der Weißen Flotte. „So viel ist auf der Ruhr ja eher nicht los“, sagt Gisela Joosten, die ihren Geburtstag bei der Parade „Kultur Kanal“ feierte. „Transport- und Containerschiffe sieht man bei einer Fahrt mit der Weißen Flotte nach Kettwig ja eher nicht.“ Ein Blasorchester, ein großer Chor und zahlreiche Schaulustige empfingen im Kaisergarten Oberhausen den Korso mit dem Steigerlied. Wer wollte, konnte in Oberhausen das Schiff verlassen und den Tag beim musikalischen Abschlussfest im Kaisergarten ausklingen lassen. Für den Rest ging es dann wieder in die heimischen Gewässer und Häfen zurück. Auch Dank des netten und aufmerksamen Personals an Bord dürften viele der Passagiere ihre kleine Reise auf dem Rhein-Herne-Kanal wohl nicht so schnell vergessen.