Mit der Axt durch den Schilderwald
17.11.2009 | 12:00 Uhr 2009-11-17T12:00:00+0100Die Stadt will unsinnige Schilder verschwinden lassen. Die WAZ machte vorab eine Probefahrt mit einem Fahrlehrer, der Stellen zeigte, an denen sich die Regelungswut breit gemacht hat.
Die Stadt packt die Axt raus – und will damit in den Mülheimer Schilderwald. Der hat üppiges Wachstum erlebt und übermannt manch einen Verkehrsteilnehmer, der die Übersicht verliert. Der Startschuss für das Landesprojekt „Simply City” fällt am Mittwoch. Vorab nahm die WAZ eine Fahrstunde bei Fahrlehrer Georg Meurer aus Styrum. Er zeigte Stellen, an denen der Schilderwald gelichtet werden könnte.
Für Meurer ist klar: In der Stadt gibt es zu viele Schilder, Teilnehmer im Straßenverkehr sind überfordert, manche Gefahr-, Vorschrift- oder Richtzeichen machen keinen Sinn und sie schreiben etwas vor, was an dieser Stelle ohnehin gilt. Halt an der Sandstraße. Eine blaue Bildtafel erlaubt das Parken auf dem Bürgersteig, und zwar vor und hinter dem Schild. Nur: Zwei Autolängen hinter diesem Schild steht ein weiteres, das für die nächsten Meter absolutes Halteverbot erteilt. Dort befindet sich eine Betriebszufahrt. „Wer sich vor die Einfahrt stellt”, analysiert Meurer, „den interessieren die Schilder ohnehin nicht.” Sein Urteil: Das Halteverbotsschild kann weg!
Weiter zum Kreisverkehr Eppinghofer, Heißener, Sandstraße. „Achtung, Vorfahrt gewähren!” heißt es dort für alle, die in den Kreisverkehr einfädeln wollen. Unsinnig, sagt Meurer. Ein einfaches Rechts vor Links würde mehr Verkehrsfluss und Licht im Schilderwald bringen. Meurer stellt die provokante Frage: „Brauchen wir überhaupt Schilder?” Im niedersächsischen Bohmte funktioniert es ohne. Aber in Mülheim?
Die Stadt will nun mit der Teilnahme am NRW-Projekt „Simply City” den Anfang machen. Am Mittwoch wird NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper mit OB Dagmar Mühlenfeld und ADAC-Präsident Peter Meyer das erste Verkehrszeichen, das künftig entfallen soll, in Plastik hüllen. Weiteren Schildern im Modellgebiet Heißen, Mellinghofer und Leineweberstraße wird es in der einmonatigen Testphase ebenso ergehen.
Licht im Schilderwald findet Fahrlehrer Meurer gut. Doch er hält anderes für wichtiger: Die Verkehrsführung in Mülheim sei „eine Katastrophe”, Ampelschaltungen „jenseits von Gut und Böse”.
Meurer im Schilderwald - einige Beispiele
Bismarck-/Kampstraße (Stadtmitte): Für Georg Meurer müssen beide Schilder nicht sein, die Kurve sei lange vorher im Blick. Mindestens aber die Rutschgefahr sollte einem Fahrzeugführer – bei entsprechender Witterung – auf dieser abschüssigen Straße bewusst sein. Solche Gefahrenzeichen finden sich hier gleich in mehrfacher Ausführung.
Jahn-/Ecke Stiftstraße (Stadtmitte): Mehr als 20 Meter lang ist die Verbindung zwischen Stift- und Jahnstraße nicht, doch die Durchfahrt ist nur in eine Richtung möglich. Laut Regelung müsste der Verkehr von der Stift- zunächst auf die benachbarte Bismarckstraße, um die Haltestelle herum und rechts in die Jahnstraße. Das unsinnige Schild ignoriere jeder Dritte, so Meurer, manch ein Fahrschüler habe hier seine Prüfung versemmelt – eine Gemeinheit, findet Meurer.
Oberhausener Straße (B 223), Bahnbrücke, Fahrtrichtung Süden: Gut, dass dies nur ein Bildausschnitt ist. Unter den Wegweisern findet sich noch ein Hinweis für die Hotelroute, auch Verkehrsschilder und der Straßenbahnverkehr sind noch im Auge zu halten. Der Fall ist für Fahrlehrer Georg Meurer klar: „Reizüberflutung”. So viele Hinweise könne ein Verkehrsteilnehmer in der Kürze der Zeit nicht auf einmal wahrnehmen. Urteil: Des Guten zu viel!
Hagdorn (Altstadt): Wer sich in das Wirrwarr der Einbahnstraßen hineinwagt, der schüttelt spätestens den Kopf, wenn er den Hagdorn hinunterfährt. Geradeaus versperrt das Schild „Durchfahrt verboten” die Tour, man muss also ohnehin rechts in die Adolfstraße. Warum dann noch der weiße Pfeil auf blauem Grund?
Oberhausener Straße (Styrum): Das Schild verbietet das Überholmanöver. Nur: Schon die durchgezogene Markierung in der Straßenmitte lässt kein Überholen zu. Nur wenige Meter weiter: Halteverbotsschilder. Aber man dürfte hier ohnehin nicht halten, es gilt: Zwischen parkendem Auto und durchgezogener Linie müssen drei Meter Platz sein.
Augustastraße (Styrum): „Achtung, Kinder!” – ein Gefahrzeichen als Hinweis auf die Kinder der nahen Gemeinschaftsgrundschule. Trotzdem hält Fahrlehrer Meurer das Verkehrszeichen für überflüssig: „Ich muss hier sowieso langsam fahren. Und da, wo ich 30 fahren muss, muss ich auch mit Kindern rechnen.”

16:55
#6
Die Ampelanlagen werden von Siemens gebaut........
07:55
Simply City und Weniger ist mehr steht auf dem Sack.
Simply City versteht ja nun jeder - aber was bedeutet Weniger ist mehr?
02:50
Alle Schilder weg!
Nur noch Hinweise in welcher Richtung, welche Ortschaft liegt.
16:39
Was ist denn mit den überflüssigen Ampelanlagen,
teilweise doppelt und dreifach an einer Kreuzung ?
23:07
Tolle idee....Beispiel Hagdorn auf dem Bild.....Den Pfeil kann man sich sparen, denn im hintergrund zeigt ein Einbahnstr schild wo es lang geht, nämlich nach rechts....Auch Jahn/Stiftstr ist so ein Schildbürgerstreich. Wer kommt auf solche Hirnrissige ideen?
21:24
Überflüssige Schilder sind lästig, falsche Beschilderungen aber mehr als ärgerlich.
Auf der Friedrich Ebert Straße, aus Richtung Styrum kommend, befindet sich vor der Konrad Adenauer Straße der Wegweiser , der u.a. für das Ziel Essen Kettwig geradeaus ausweist. Man gelangt dann automatisch in das Gewusel der Innenstadt und kommt dann mit Glück noch mit Umwegen auf die Brücke.
Dieses Schild steht immer noch da, obwohl die Durchfahrt Ruhrstraße schon lange Ruhrbania geopfert wurde.
Meine Frage : wie lange sollen noch Ortsunkundige fehlgeleitet werden?
19:23
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19:21
>Mit der Axt durch den Schilderwald<
Ich schlage für MH vor> Mit dem Rohrschneider durch den Ampelwald<.
14:49
Tja, viele Verkehrsschilder am Heißener Marktplatz wurden schon wie oben beschrieben verhüllt. Wohl ein Frühstart. ;)
12:25
Grundsätzlich gut, Verkehrszeichen abzubauen, wenn die StVO sowieso gilt. Es ist mir schon passiert, daß ich von Fahrern hörte aber hier steht doch kein Schild, wenn ich auf diese hinwies - als wenn Schilder mehr zu beachten wären.
Aber jetzt mal die Frage: Warum muss dafür ein veritabler Minister anreisen, Frau Mühlenfeld und Herr Meyer auch noch kommen? Hamwer sonst nix zu tun? Könnte das Geld und die Zeit, die das kostet, nicht woanders besser eingesetzt werden?