Mit dem Navi durchs Gelenk
15.11.2008 | 08:00 Uhr 2008-11-15T08:00:00+0100
Wenn's knirscht, hieß es diesmal bei der Teestunde der WAZ im Leserladen.
Fast 100 Bürger waren gekommen, um mit dem Chefarzt des Marienhospitals, Dr. Stephan Elenz, über Probleme, Diagnosen und Therapien an den Gelenken zu sprechen. Das Knie, die Schulter und die Hüfte standen dabei im Vordergrund.
Dr. Stephan Elenz ist der Chef der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. Er hatte an der Charité in Berlin gearbeitet, bevor er vor sechs Jahren nach Mülheim kam. Im Marienhospital decken er und sein Team das gesamte Spektrum der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie ab.
Auszüge aus den Gesprächen bei der Teestunde:
Können Gelenke auch minimalinvasiv operiert werden?
Elenz: Ja. Auch an den Gelenken sind Eingriffe mit kleinen Schnitten möglich, die für Patienten weitaus schonender verlaufen.
Ist vor Operationen eine Eigenblutspende notwendig?
Elenz: Nur in Ausnahmen. In vielen Fällen benötigen wir keine Blutübertragung nach dem operativen Eingriff. Der Blutverlust liegt meist bei etwa einem halben Liter. Außerdem sind die Blutkonserven in Deutschland mit die sichersten auf der Welt. Die Kontrollen sind hier sehr gut.
Ab wann ist der Einsatz eines künstlichen Gelenkes notwendig?
Elenz: Das hängt vom Leidensdruck des Patienten ab und vom Krankheitsbild. Oft sind die Schmerzen und die Beeinträchtigungen so groß, dass die Patienten einen Ersatz wünschen. Wir unterscheiden zum Beispiel am Knorpel vier Zerstörungsgrade.
Gibt es einen Gelenkersatz für Privatpatienten und einen für Kassenpatienten?
Elenz: Nein. Jeder erhält den Ersatz, der aus medizinischer Sicht für ihn erforderlich ist, unabhängig vom Versicherungsstatus. Es gibt allerdings Unterschiede bei den Gelenken. Sie bekommen eins für 1000 Euro, aber auch für 3000 Euro.
Wie lange halten heute Ersatzgelenke?
Elenz: Im Schnitt 15, 20 Jahre, in manchen Fällen noch länger. Eine Altersbeschränkung für den Einsatz von Gelenken gibt es nicht.
Setzen die Ärzte am Marienhospital bei der OP Roboter ein?
Elenz: Nein. Aus meinen Erfahrungen in Berlin kann ich sagen, dass die Robotertechnik nur bei etwa jedem zehnten Patienten Sinn macht. Wir setzen aber als eine der ersten Kliniken in Deutschland eine spezielle Navigationstechnik bei der Implantation künstlicher Hüft- und Kniegelenke ein. Dabei unterstützt ein Computer den Operateur durch dreidimensionale Bilder, um für das künstliche Gelenk die optimale Lage zu finden. Die Folge: Die Prothese sitzt besser, der Patient kann nach der Operation besser laufen als bei älteren Verfahren.
Wie können Gelenke geschont werden?
Elenz: Eine gesunde Ernährung und die Vermeidung von Übergewicht helfen. Und: Auch Nikotin und Alkohol können zu Erkrankungen an Gelenken führen.
Welche Überweisung benötige ich, um in der Fachklinik behandelt zu werden?
Elenz: Die Überweisung eines Orthopäden oder Chirurgen.
Werden Sehnen auch als Spenderorgane eingesetzt?
Elenz: Ja, auch dazu verwenden wir Fremdorgane. Wir greifen aber auch auf eine Sehne im Daumen zurück, die dort ohne größere Einschränkung entbehrlich ist.
In einigen Ländern müssen Patienten am nächsten Tag nach der OP die Klinik verlassen. Droht dies auch bei uns?
Elenz: Derzeit ist das nicht zu erkennen. Ausschlaggebend für den Zeitpunkt der Entlassung ist der Zustand des Patienten. Bei uns gilt die Fallpauschale. Dabei wird für jede Erkrankung auch eine Durchschnittsverweildauer festgelegt, die aber auch über- oder unterschritten werden darf.

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