Das aktuelle Wetter Mülheim 15°C
Mülheim

Missglückte Integration

28.05.2007 | 09:05 Uhr

GERICHT. Drei junge Männer aus Russland und Kasachstan drohten ihr Opfer zu erstechen.

Vor nicht einmal drei Jahren kamen sie aus Russland und Kasachstan, ausstaffiert mit einem deutschen Pass und höchstwahrscheinlich der Vermutung, dass das Leben hier auch nicht viel mehr Schönes bringt als das Leben in der russischen oder kasachischen Heimat. Die Handschellen bleiben an ihren Handgelenken, während die drei Angeklagten hinter ihren Anwälten sitzen und der Dolmetscherin lauschen, die ihnen hilft, die Sprache ihres passbedingten Heimatlandes zu verstehen.Zwei 17- und 20-jährige Deutsche russischer Abstammung und ein 19-Jähriger, der in Kasachstan geboren wurde, sind wegen gemeinsamer schwerer räuberischer Erpressung angeklagt. Am 21. März dieses Jahres sprachen sie ihr Opfer gegen 18.30 Uhr im Forum an, bedrohten den Jungen mit einem Messer und drohten ihm, ihn zu erstechen, wenn er ihnen nicht sein Handy aushändigt. Bereits einen Tag später wurden sie festgenommen, einen Tag danach dem Haftrichter vorgeführt. Seitdem saßen sie in Haft. Bei der Polizei, die sie an diesem Tag alle nicht zum ersten Mal sahen, gaben sie an, zum Tatzeitpunkt sturzbetrunken gewesen zu sein, von drei Flaschen Wodka - zu dritt.Die Jugendgerichtshilfe spricht von der Perspektivlosigkeit, die der 20-Jährige zu dieser Zeit empfunden habe, von den geringen Deutschkenntnissen aller, davon, dass der 19-Jährige sich schon längst für einen bestimmten Weg entschieden habe, der gemessen an seinen Vorstrafen offensichtlich abseits jeglicher Konventionen liegt, und schließlich davon, dass der 17-Jährige hier nie richtig habe Fuß fassen können. "Es ist schwierig zu sagen, ob er überhaupt noch einen Schulabschluss erlangen kann..."Während der Verhandlung fällt immer wieder der grauzonenbehaftete Begriff der Integration. "Sie müssen sich kümmern", fordert der junge Staatsanwalt von den Angeklagten mit Nachdruck. Ein Patentrezept, wie Integration funktionieren kann, findet er im Strafgesetzbuch allerdings nicht. Was soll er auch machen? Die gesamten Metaebenen, die mit dem Begriff gewachsen sind, sind mit Paragraphen nicht zu erreichen.Das Gericht verurteilt den 20-Jährigen zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung. Dazu muss er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Der 17-jährige Komplize bekommt ein Jahr und vier Monate und muss sich auf 150 Sozialstunden einstellen, der 19-Jährige wird wegen seines bereits langen Vorstrafenregisters zu zweieinhalb Jahren verurteilt. Den Haftbefehl setzt Richter Bernd Fronhoffs allerdings aus, unter der Prämisse, dass sich der Angeklagte montags, mittwochs und freitags bei der Polizei zu melden hat.Der Rechtssprechung wurde damit Genüge getan. Die Integration muss warten.

PHILIPP ORTMANN



Kommentare
Aus dem Ressort
Zugverkehr zwischen Duisburg und Dortmund eingestellt
Bahn
Der Hauptbahnhof in Essen, wichtigster Verkehrsknotenpunkt der Region, ist seit Montagmittag vom Fernverkehr und wichtigen Regionallinien abgeschnitten. Der Grund: Zwischen Essen und Styrum sowie Essen und Bochum sind Bäume ins Gleis gestürzt. Die Bahn leitet die Züge um.
Mülheimer VBGS feiert 25 Jahre grenzenlose Vereinsarbeit
Jubiläum
Der integrative Verein für Bewegungsförderung und Gesundheitssport setzt sich seit nunmehr 25 Jahren für Menschen mit Handicap ein. Nun wurde das Jubiläum groß in der Harbecke Sporthalle in Saarn gefeiert.
Mülheimer Mediziner diskutieren über Sinn von Operationen
Medizinforum
Beim WAZ-Medizinforum im Evangelischen Krankenhaus erläuterten Chefarzt Dr. Ulf Kerkhoff und Oberarzt Dr. Martin Simon, warum aus Sicht der Ärzte viel, aber nicht zu viel operiert wird. Es gebe einen hohen medizinischen Standard.
Mehr Entlastung für pflegende Angehörige möglich
Soziales
Das Geld, das Krankenkassen für Alltagsbetreuer zur Verfügung stellen, bleibt häufig ungenutzt. Ein Workshop der Alzheimer Gesellschaft und dem Runden Tisch Demenz informierte am Weltalzheimertag über das Thema.
Mülheimer Freilichtbühne wie aus dem Märchenbuch
Kultur
Über 3000 Besucher strömten am Wochenende zum Lichterfest an der Freilichtbühne. Etwa 2500 Kerzen ließen den Park rund um die Freilichtbühne erstrahlen und wieden den Besuchern den Weg zu verschiedenen Stationen. Die Organisatoren hatten Glück mit dem Wetter.
Umfrage zur VHS
Eine der großen politischen Debatten im Herbst wird sich um die Zukunft der Volkshochschule drehen. Wie soll es mit der maroden VHS weitergehen?

Eine der großen politischen Debatten im Herbst wird sich um die Zukunft der Volkshochschule drehen. Wie soll es mit der maroden VHS weitergehen?

 
Fotos und Videos
Lichtfestival
Bildgalerie
freiLICHTbühne
100 Jahre Firma Heimann
Bildgalerie
Jubiläum
Schaufensterwettbewerb
Bildgalerie
Schaufensterwettbewerb
Mit Knalleffekt ins nächste Jahrhundert
Bildgalerie
Mit Knalleffekt ins...