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Meist rät der Arzt bei Rückenleiden nicht zur OP

15.02.2012 | 06:00 Uhr
Meist rät der Arzt bei Rückenleiden nicht zur OP
Dr. Christoph Ballhorn referiert am Donnerstag über Wirbelsäulenerkrankungen im Marien-Hospital.Foto: Nicole Trucksess

Mülheim.In der „Aktuellen medizinischen Stunde“ geht es am 16. Februar, 18 Uhr, im Marien-Hospital bei freiem Eintritt um die Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen. Nachgefragt beim Funktionsoberarzt Dr. Christoph Ballhorn.

Rückenleiden gelten als Volksleiden. Was sind die Hauptgründe?

Dr. Christoph Ballhorn: Häufig sind die Beschwerden verschleißbedingt, etwa beim Bandscheibenvorfall im mittleren Lebensalter. Das kann aber auch 25- bis 35-Jährige treffen. Im mittleren bis höheren Lebensalter geht es weiter mit einer Bandscheibendegeneration, wenn also die Bandscheibe ihre Puffer-Funktion verliert.

Muss denn immer operiert werden?

Ballhorn: Meistens rät man den Patienten nicht zur Operation . Bei den Patienten in meiner Sprechstunde sind maximal 20 % für eine Operation geeignet. Es ist letztlich eine individuelle Entscheidung. Auch wenn ein Röntgenbild einen operationswürdigen Befund zeigt, operiert man nicht, weil der Patient vielleicht gar nicht so starke Schmerzen hat.

Bei der Wirbelsäulenchirurgie kann man ja nichts erneuern, nur reparieren. Eine Operation ist immer das letzte, was man durchführt. Man muss wissen, wann man es macht und wann man es eben besser nicht macht.

Was sind die Alternativen?

Ballhorn: Zur Lebensführung gehört regelmäßige, normale sportliche Betätigung und gesunde Ernährung. Damit tut man gleichzeitig auch etwas Gutes für Herz- und Kreislauf und die Gelenke. Es gibt natürlich Patienten, die trotzdem Rückenschmerzen haben. Da muss man mit gezielten Übungen anfangen. Etwa mit einer Krankengymnastik und isometrischen Übungen, um die Muskulatur zu stabilisieren. Je mehr man die Muskulatur trainiert, umso weniger kommt eine Belastung auf Knochen, Gelenke und Bandscheiben.

Das geht auch, wenn man schon Probleme hat?

Ballhorn: Das kann nicht schaden. Die Patienten, die wir hier konservativ behandeln, werden auch in unserer Krankengymnastik betreut. Das ist natürlich immer nur ein Anfang, indem man Übungen für zu Hause zeigen kann. Physikalische Therapiemaßnahmen wie Wärme, Reizstrom helfen auch. Damit wird die Rückenmuskulatur passiv bearbeitet. Letztlich ist es aber immer besser, man wird selbst aktiv .

Aber wenn der Patient ständig über Schmerzen klagt?

Ballhorn: Es gibt ja auch noch die medikamentöse Therapie, begleitend. Ich wende in der Klinik gezielt bildwandlergestützte Infiltrationen an: Unter einem Röntgengerät oder CT werden gezielt Spritzen an die Bandscheibe oder den Nervenkanal gesetzt. Das dient einerseits der Diagnostik, um zu sehen, woher genau der Schmerz kommt. Und es dient als Therapie, weil man erreicht, dass der Patient Linderung erfährt und sich mehr bewegen kann.

Bettina Kutzner

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