Mein Halt, der Baum
09.05.2008 | 19:20 Uhr 2008-05-09T19:20:00+0200Thoren Benk erklimmt und pflegt Bäume. Die Kombination macht ihn zum kletternden Baumpfleger. Und mit seinen Künsten hat er nun sogar die Deutsche Meisterschaft gewonnen.
Die Kletterei ist für Thoren Benk ein wunderbares Instrument, um sein Ziel zu erreichen. Dieses liegt zumeist hoch oben in den Baumkronen der Stadt und Umgebung. „Denn nur dort kann ich richtig arbeiten.” Der 24-Jährige ist Baumpfleger – von Beruf und aus Berufung. Auf den ersten Blick vielleicht nichts Ungewöhnliches. Auf den zweiten dann schon. Denn genauer gesagt ist der Mülheimer ein kletternder Baumpfleger. Wo sich andere mit schwerem Gerät Zugang zu den luftigen Höhen des Grüns verschaffen, vertraut Thoren Benk auf sein Geschick und seine Muskelkraft. „Weil mir das Wohl des Baumes besonders am Herzen liegt”, wie er sagt. Die Tatsache, dass Benk in der Lage ist mittels Seil und Sicherung in die feinsten Windungen des Geäst in Windes Eile zu gelangen, ist dabei von Vorteil – für ihn und den Baum. „Erst durch die Klettertechnik schaffen wir es, den Baum im Sinne einer fundierten Pflege zu versorgen”, so Benk. Im Mittelpunkt seiner Arbeit steht also der Baum. Das Klettern ist eigentlich nur Mittel zum Zweck. „Aber ein sehr, sehr schönes”, wie Benks Onkel, Jörn Benk unterstreicht. Bis 2001 war das Erklimmen der Kronen – noch dazu mit Motorsäge auf dem Rücken – eigentlich verboten. „Gemacht haben wir es trotzdem, da wir damit viel besser denkmalgeschützte Bäume, vor allem im urbanen Bereich erhalten, verkehrssicher und arttypisch bearbeiten konnten”, erinnert sich Jörn Benk. Gerade der Fakt, dass Benks, die Familie hat einen Pflegebetrieb und eine Kletterpflegeschule in Mülheim, schon seit Jahren in den baumigen Höhen der Stadt unterwegs ist, verschafft einen enormen Vorteil. „Wir haben Erfahrung und bedienen sicherlich eine Nische”, so Jörn Benk. Das Auftragsbuch ist voll. Gebucht werden sie von der Kommune, als Subunternehmen aber auch von Privatleuten. Das Auftragsgebiet erstreckt sich von Köln bis Wesel; von Mönchengladbach bis Bochum. Es gibt also viel zu tun für den Zehn-Mann-Betrieb. Zum Glück. „Denn so kann ich mich mit den zwei Dingen beschäftigen, die ich am liebsten habe: Klettern und Bäume”, sagt Thoren Benk. Was er dabei gern verschweigt, ist, dass er auch noch während der Arbeit ganz nebenbei trainiert. Denn, der 24-Jährige ist kürzlich „Deutscher Baumklettermeister 2008” geworden. In Bad Nauheim ist er gegen knapp 50 Konkurrenten aus der Branche angetreten. Beim Wettkampf zählt vor allem der korrekte Wurf des Seils in den Baum, ein schneller Aufstieg bis in den Feinastbereich eines Großbaums, aber auch die sichere Rettung eines verletzten, handlungsunfähigen Baumkletterers. Disziplinen, in denen der Mülheimer punkten konnte. Nicht zum ersten Mal. Bereits 2006 war Thoren Benk schon einmal Meister. Mitte Juni geht es zur Europameisterschaft nach Turin. Einen Monat später wartet dann die Weltmeisterschaft in St.Louis/USA. Ob er aufgeregt ist? „Nö”, antwortet er lässig. Seine Gelassenheit kommt dem Baumpfleger bei der Arbeit zu Gute. Denn bevor er sich an die Arbeit macht, muss das Geäst erst einmal genau „studiert” werden. Das komplexe Arbeitsgeschehen muss wohl überlegt sein. Heißt: Ein Ast muss ausfindig gemacht werden, der möglichst weit oben ist, aber dennoch stabil genug, den Pfleger zu tragen. Ist dann erst einmal einer ausgesucht, geht alles fast in Windeseile. Routinierte Handgriffe machen dies möglich. Ohne sonstige Aufstiegshilfen, nur mit einem Seil begibt sich der Baumpfleger ins Herzstück seines „Patienten”. Dass er dabei manchmal wie ein kleines Äffchen von Ast zu Ast springt, ist für viele Aussenstehende Nerven aufreibend, für andere wieder belustigend. „Guck 'mal, da turnt James Bond im Baum”, lautet der Kommentar einer Kinderschar, die Thoren Benk im Vorübergehen bei der Arbeit zusieht. „Längere” Wege im Großbaum mit einem gezielten Sprung zu überbrücken, ist für ihn keine Überwindung mehr. „Ich habe Vertrauen.” In sich, weil er sich sein Netz mit dem Seil selbst „spinnt”, in den Baum, dass sein Geäst dieses auch trägt. „Manchmal hängt unser Leben tatsächlich am vielleicht nicht ganz seidenen Faden”, sagt Jörn Benk. Auch wenn ein täglicher Nervenkitzel mit seinem Beruf verbunden ist, missen möchte er ihn nicht. Er ist bekennender Baumfreund. „Ich arbeite gerne mit Bäumen. Auch wenn sie nicht so offensichtlich Widerworte geben wie Menschen, zeigen sie schon, wenn auch zeitverzögert, wenn sie falsch behandelt werden”, so der Deutsche Baumklettermeister. Mit Bedacht sollten die Menschen daher mit den Bäumen umgehen. „Viele haben einfach Angst vor ihnen. Sie befürchten das ein Sturm große Bäume auf ihr Haus schleudert. Doch je besser die Pflege, desto weniger braucht man dies zu befürchten”, erklärt Jörn Benk. Die Benks tun hierzu ihr Möglichstes. Und das immer wieder gern. „Denn Baumklettern verschafft eine körperliche wie geistige Befriedigung”, so Thoren Benk. Und die Natur wird zudem dankbar über soviel fachmännische Fürsorge sein und ihm seinen Wagemut mit einem strahlenden Grün belohnen.

12:07
Vielen Dank, ein gut recherchierter Artikel. Aus der Fülle von Informationen haben Sie richtig ausgewählt und ebenso klug gewichtet.
Mir zeigt das, dass Sie sich mit diesem Thema identifizieren konnten, um es komprimiert und gleichzeitig flüssig und spannend wiederzugeben.
Gruß J.Benk