Mehr Risiken als Chancen

Auf dem Arbeitsmarkt bewegte sich 2014 zwar viel, unterm Strich blieb die Situation aber nahezu unverändert. Das könnte in diesen Jahr anders werden.

Mülheim.. Der Arbeitsmarkt bot im vergangenen Jahr wenig Veränderungen. „Wir befinden uns auf einem Laufband. Viel ist in Bewegung, aber wir kommen doch nicht recht vom Fleck“, fasst Jürgen Koch, Leiter der Arbeitsagentur, die Situation in einem Bild zusammen. Dass die Arbeit nichts bringen würde, wäre allerdings der falsche Schluss aus diesem Bild. Bedeutend und neu ist aber das „Wir“, von dem Koch spricht, denn damit ist nicht allein die Agentur gemeint, sondern auch die Sozialagentur der Optionskommune Mülheim. Beide Institutionen wollen nach mehreren Jahren künftig im Interesse enger zusammenarbeiten. Konkret heißt das, dass die Agentur ab Sommer auch eine Berufsberatung für Jugendliche im U-25-Haus am Synagogenplatz anbietet. Künftig ist somit noch mehr unter einem Dach gebündelt. Und auch für die Mitarbeiter aus beiden Häusern gelte der kleine Dienstweg.

Spitzenwert in der Region

6552 Menschen (plus 216) waren im Durchschnitt im vergangenen Jahr arbeitslos. Das entspricht einer Quote von 7,9 Prozent - ein Spitzenwert im Revier. Drei Viertel der Kundschaft wird dabei von der Sozialagentur, ein Viertel von der Arbeitsagentur betreut. Bei aller Anstrengung der Beteiligten bleibt ein Kern verfestigter Arbeitslosigkeit. Es sind meist Menschen mit mehreren Vermittlungshürden, für die durch die Rationalisierungen das Angebot auch immer kleiner wird. Spitze in der Region ist auch die Arbeitlosenquote der Jugendlichen unter 25 Jahren. Sie beträgt 3,8 Prozent. In vielen Ruhrgebietsstädten ist der Wert zweistellig.

Für das kommende Jahr sieht Koch mehr Risiken als Chancen. Sorgen bereiten ihm die seit Wochen und Monaten bekannten kritischen Situationen mehrerer Arbeitgeber. Er verweist auf Siemens, Kaisers Tengelmann, den Wegzug von Brenntag und die Lage bei Europipe und Mannesmann Grobblech nach dem Aus der South Stream Gaspipeline in Russland. „Dann kann der Arbeitsmarkt schnell in eine deutlichere Schräglage geraten“, warnt er.

100 Ausbildungsplätze weniger

Positive Anzeichen sieht er beim Ausbau der Aldi-Verwaltung, der Ansiedlung des Logistikzentrums Jago und in der Gastronomie. Er appelliert auch an die Betriebe mehr auszubilden. 2014 blieb zwar kein Jugendlicher unversorgt, aber die Wirtschaft stellte 100 Ausbildungsplätze weniger zur Verfügung. Die Wirtschaft müsse mehr ausbilden, um die Zukunft zu sichern, findet Koch, der auch bei anderen Themen wie Inklusion, Flüchtlinge und Ausbildungsfähigkeit von Jugendlichen klare Kante zeigt. „Die Betriebe müssen sich öffnen. Jeder Jugendliche ist ausbildungsfähig. Man muss nur früh anfangen, das Talent ausfindig zu machen“, so Koch. Dass über die vermeintliche Unfähigkeit der Jugendlichen von Ausbildungsbetrieben lamentiert werde, kann er nicht mehr hören. Dass Behinderte einen ihnen entsprechenden Arbeitsplatz erhalten müssen, ist für Koch eine Selbstverständlichkeit. Aber: Das kostet einiges, damit es ein Erfolg wird.

Auch zum Flüchtlingsthema hat er eine klare Haltung „Wir brauchen jeden einzelnen, um den Fachkräftemangel zu decken.“ Kümmern muss man sich um Dreierlei: „Sprache, Sprache, Sprache.“ Die Anerkennung von Abschlüssen müsse verbessert werden. Das sei noch immer ein zu komplizierter bürokratischer Aufwand.

Durch die Änderung des Asylbewerberleistungsgesetz ändert sich auch etwas für die Sozialagentur ab 1. März, wie deren Leiter Klaus Konietzka erklärte. Dann haben Flüchtlinge schon nach 15 Monaten Zugang zu Leistungen der Sozialagentur. „Das sind für uns 150 Personen mehr auf einen Schlag, zusätzliche Mittel gibt es dafür aber nicht“, so Konietzka.