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Mehr als 'ne Schippe Pommes

15.09.2009 | 12:00 Uhr

Eine kleine Mülheimer Institution: Die drei Damen vom Hafen-Imbiss Pommes Klaus machen starke Kerle glücklich. Morgens um vier stehen die ersten Arbeiter vor dem Fenster.

Currywurst und Pommes bleiben Lieblingsspeise Nr. Eins: Upadek hat den Grill im Griff. Foto: Roy Glisson

Hier labt sich nicht nur der „harte Kern” an Strammer Max, Currywurst und Salaten – der aber auch: Seit Jahren kehrt die Skatgemeinschaft „Harter Kern” jeden Morgen gegen 9.15 Uhr beim Pommes Klaus im Hafen ein. Und geht, nachdem man einige Runden Skat gedroschen hat, wieder zurück an die Arbeit.

Streng genommen müsste Klaus auf „Jutta” umgetauft werden, denn vor fünf Jahren übernahm Jutta Neumann die kleine Mülheimer Fritten-Institution. Den Namen behielt die 51-Jährige bei, denn der war schließlich ein Begriff in der Stadt. Auch die Geschäftszeiten blieben: Morgens um vier Uhr erschließt sich die Oase in der Timmerhellstraße für die Hafenarbeiter. Das Fenster – Klausens Antwort auf den „Drive-thru” – öffnet sich für Ungeduldige, die schnell Brötchen und frischen Kaffee schnappen wollen. Übrigens ist Kaffeekochen die erste Amtshandlung in der Bude, wie die Inhaberin preisgibt, dann werden Zeitungen ausgelegt, Brötchen geschmiert.

Futtern wie  bei Muttern

Wer hingegen reinkommt, merkt schnell, dass hier Frauenhand regiert: Kunst dominiert die Wand! Goyas „Maja” räkelt sich mal züchtig bekleidet und mal appetitlich freizügig auf dem Kanapee. Dali und Monet stehen Wache. Der Spruch „Futtern wie bei Muttern” an der Wand verrät mit dem Charme des Bodenständigen, dass man(n) hier zuhause ist. Und so liest sich auch die Karte des Hauses: Strammer Max, selbst zubereitete und von Hand geformte Hackbällchen, hausgemachter Kartoffelsalat. Es gibt einen wechselnden Mittagstisch. Heute gehen Krustenbraten mit Bratkartoffeln und Salat für 5,20 Euro über die Theke. Die Portionen sind üppig, aber nicht übervoll. Schaffbar.

Ab sieben Uhr wechselt das Publikum – das Bürovolk zieht ein. „Wir haben aber ganz unterschiedliche Gäste”, so Neumann, „nicht nur Männer aus dem Hafen, auch Frauen und Familien kommen zum Mittagstisch.” Wenn's schön ist, darf auch draußen hinterm Haus gegessen werden. Für Willi Koppmann ideal: „Es ist nett hier, man kann sitzen und es geht flott. Passt”, meint der 36-jährige Vertriebler. Manuel Bügler (27) ist hingegen einfach ausgestiegen, „weil es von außen so schön aussah. Ordentlich und sauber”. Die Spagetti sind gut, lobt er die Küche. Drei Herren konferieren an Sitzmöbeln gegenüber beim Bier vor Vier – bitte nicht stören: Betriebsgeheimnisse.

Apropos Küche: Drei Damen stehen am Grill. Ute Upadek (53) hat seit einem halben Jahr beim Pommes Klaus die Kochmütze auf: „Klima und Arbeitszeiten sind gut.” Angelika Schaaf (53) mag den Kontakt zu Menschen an ihrer Arbeit. „Von außen sieht es zwar einfach aus”, meint sie, „aber Imbiss ist mehr als 'ne Schippe Pommes zu bruzzeln.”

Frauke Baumers – Dritte im Bunde – ist jung und braucht das Geld. Die 19-Jährige jobbt hier seit Juni für ihre Ausbildung zur Eventmanagerin – von der operativen Ebene geht es im Oktober hoch zur strategischen und dabei runter an den Bodensee, wo ein Teil der Ausbildung stattfindet. Augenblicklich genießt sie aber die Arbeit zwischen den harten Kerlen: „Die starken Männer satt und glücklich zu sehen, macht mich einfach zufrieden”, lächelt Baumers. Ein herrlicher Spruch, den sich die Inhaberin glatt über den Eingang hängen könnte.

Dennis Vollmer

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