Mediziner empfiehlt Radfahren zur Stärkung des Immunsystems

Radfahren gilt als eine Sportart, die Gelenke schont.
Radfahren gilt als eine Sportart, die Gelenke schont.
Foto: WAZ FotoPool/ Ralf Rottmann
Was wir bereits wissen
Die jüngere wie ältere Generation zeigt sich zunehmend bewegungsfreudig. Ein Gespräch mit dem Sportmediziner Uwe Brock über das Radfahren.

Mülheim.. Herr Brock, wenn Sie als Sportmediziner in der Praxis zum Sport raten – wie reagieren Patienten?

Uwe Brock: Die jüngere Generation, ich denke da an das Studentenalter, ist zunehmend vom Sport angetan. Überhaupt stelle in dieser Generation ein deutlich gestiegenes Gesundheitsbewusstsein fest. Es gibt dabei auch immer mehr Vegetarier, sogar mehr Veganer. Man achtet mehr auf seine Gesundheit und auf das, was man tut und isst. Und mir fällt auch in der Generation, die am Ende des Arbeitslebens steht, auf, dass sie fitter ist als früher und bereiter, gesundheitsbewusster und damit auch sportlicher zu leben.

Es heißt doch immer, die Menschen bewegen sich zu wenig.

Brock: Weil sich der Alltag sehr verändert hat. Wenn wir einem bewusst machen können, wie wenig er sich am Tag bewegt, erreichen wir schon allein dadurch etwas. Wer mit Hilfe eines Schrittzählers am Abend ablesen kann, wie wenig er sich eigentlich bewegt hat – das stimmt die Meisten schon nachdenklich.

Würden Sie Radfahren als Sport Ihren Patienten empfehlen?

Brock: Auf jeden Fall. Es stärkt die Ausdauer und damit das Herz-Kreislaufsystem – und: Es ist eine der Sportarten, die die Gelenke schont, also zu deutlich weniger Verschleiß an Hüfte und Knien führt. Gerade für Menschen mit Übergewicht, die dringend Bewegung brauchen, ist das eine ideale Sportart, weil das Gewicht des Oberkörpers durch den Sattel abgefangen wird. Wichtig wäre natürlich, dass der Sattel richtig eingestellt ist. Radfahren bietet sich überall dort an, wo jemand nach länger Pause wieder sportlich aktiv werden will. Man kann es sehr moderat angehen.

Wer das Rad konsequent in seinen Alltag einbaut, stellen Sie dies als Arzt bei der Untersuchung fest?

Brock: Dieser Mensch weist in der Regel eine deutlich höhere Fitness auf, die sich auch hält. Das Radfahren bei Wind und Wetter stärkt zudem das Immunsystem. Wichtig ist aber auch hier: Immer Helm tragen!


Wem würden Sie vom Radfahren eher abraten?

Brock: Wer Probleme mit dem Herz hat, sollte sich vorher zumindest mal ärztlich genauer untersuchen lassen. Mit Hilfe der Ergometrie, einem Belastungs-EKG, lässt sich gut feststellen, wie Herz und Kreislauf bei unterschiedlichen Belastungen reagieren. Es kommt durchaus auch häufiger vor, dass Patienten sagen, sie seien viele Jahre nicht mehr mit dem Rad gefahren und wollen es wieder versuchen. Da gibt eine vorherige Untersuchung auch ein Stück Sicherheit.


Sehen Sie die Gefahr einer Überanstrengung?

Brock: Es muss sich keiner mit dem Rad abhetzen, um einen positiven Effekt zu erzielen. Jeder kann sich sehr langsam steigern. Eine Faustregel ist: Man sollte beim Fahren nicht außer Atem kommen und durchaus sich noch unterhalten können.


Ist Radsport medizinisch gesehen ein Sport ohne Altersbegrenzung?

Brock: Natürlich kann man im höheren Alter Radfahren. Wer jedoch bereits Probleme mit dem Gehen hat oder unter Gleichgewichtsstörungen leidet, ist sturzgefährdet und sollte sich nicht auf einen Sattel setzen.


Wird aus Ihrer Sicht der Radsport weiter an Zuspruch gewinnen?

Brock: Ich glaube schon, gerade auch in Gemeinschaft. In Saarn gibt es seit längerer Zeit eine Gruppe, die trifft sich jede Woche und macht Touren um das Ruhrgebiet herum, bis zu 50 Kilometer. Die Fahrten waren so beliebt, dass es inzwischen eine zweite Gruppe gibt.